Osnabrück Wenn Pointen auf Politik treffen: Haster Karneval nimmt Osnabrücks Problemstellen aufs Korn
Ernste Töne zwischen Tanzgarden, Comedians und Gesang: Die Haster Narren zeigen, dass Karneval auch klare Botschaften haben kann. Bei der Prunksitzung wurden auch die Probleme in Osnabrück aufgespießt – vom Neumarkt und dem Ledenhof über den Verkehr bis zum städtischen Haushalt.
Mit Musik, Schunkelrunden und ausgelassener Stimmung hat die Haster Karnevalsgesellschaft am Samstagabend, 17. Januar 2026, mit rund 300 Gästen ihre große Prunksitzung gefeiert. Angeführt wurde der Abend in der Aula der Angelaschule von Prinz Andreas I. Zwischen Büttenreden und Frohsinn zeigte sich schnell: Karneval in Haste bedeutet nicht nur Feiern, sondern auch klare politische Worte.
Wie humorvoll die verpackt werden können, zeigte Stadtprinz Frank II. Er witzelte über die Baustelle an der Vehrter Landstraße: Die Arbeiten dauerten offenbar deshalb so lange, weil dort nicht nur neue Rohre verlegt, sondern auch nach dem Bernsteinzimmer gesucht wurde.
Für die angespannte Haushaltslage der Stadt Osnabrück präsentierte er einen närrischen Lösungsvorschlag: Wer länger als 30 Minuten einen Parkplatz in Osnabrück sucht, solle künftig zehn Euro zahlen – schon wäre die Stadtkasse schnell gefüllt.
Den schärfsten politischen Rundumschlag lieferte der Haster Narr Jörg Herzog. Auch er kritisierte die Haushaltslage der Stadt Osnabrück: Da werde Geld ausgegeben, das man gar nicht habe. Trotz großer Finanzierungslücken würden weiter Luftschlösser gebaut – etwa das Stadion Bremer Brücke, für dessen Umbau 68 Millionen Euro niemals reichen würden, wie er unkte.
Herzog ließ kaum ein Thema aus, das in Osnabrück für Debatten sorgt. Etwa die Pläne für eine neue Verkehrsführung am Neumarkt: Herzog kritisierte, dass die Busse künftig durch die enge Johannisfreiheit am Kinderhospital vorbei geführt werden sollen. „Die Situation am Neumarkt ist für Autofahrer und Busse derzeit schon problematisch. Ich glaube nicht, dass sich das durch die Sanierung deutlich verbessern wird“, stimmte ihm Närrin Maria Kraus im Publikum zu.
Auch am Ledenhof sei jahrelang geplant und viel Geld ausgegeben worden – um dann kurz vor der Fertigstellung festzustellen, dass der Platz doch nicht schön aussehe, ätzte Herzog. Änderungen kosten nun erneut Geld – allerdings natürlich nicht das der Politiker.
Unverständlich ist für den Büttenredner auch die Verkehrswende in Osnabrück: Autos würden aus der Stadt gedrängt, gleichzeitig spare man aber beim ÖPNV. Auch damit traf Herzog einen Nerv. „Ich wünsche mir, dass der ÖPNV stärker gefördert wird, weil ich gern jeden Tag den Bus zur Arbeit nehmen würde. Dafür fahren die Busse bisher zu unzuverlässig“, meinte Besucher Markus Hagedorn.
Doch bei allen politischen Spitzen, auch die närrische Unterhaltung kam nicht zu kurz. Die Tanzgarden der Nette Girls und der Nette Ladies begeisterten mit ihren Auftritten, Comedian Gerd Brömser und Kabarettist Christoph Brüske sorgten für viele Lacher, und Sänger Chris Rehers rundete das Programm musikalisch ab. Es war eine Prunksitzung voller Karnevalsstimmung – und zu der gehört eine scharfe Analyse eben auch dazu.