Osnabrück  Bryan Henning vom VfL Osnabrück: Ein Doppelpack als Balsam für die Seele

Malte Artmeier
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Von Malte Artmeier
| 19.01.2026 13:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Stach als Doppeltorschütze heraus beim 3:0-Sieg des VfL Osnabrück in Aachen: Bryan Henning. Foto: Michael Titgemeyer
Stach als Doppeltorschütze heraus beim 3:0-Sieg des VfL Osnabrück in Aachen: Bryan Henning. Foto: Michael Titgemeyer
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Der Herbst war nicht leicht für Bryan Henning. Selten durfte er für den VfL Osnabrück auf dem Feld stehen. Beim Rückrundenauftakt in Aachen traf er zweimal zum 3:0-Sieg. Balsam für die Seele für einen, der den VfL „eine Herzensangelegenheit“ nennt.

Die letzten Monate hatte sich Bryan Henning anders vorgestellt. Der 30-jährige Mittelfeldmann spielte beim VfL Osnabrück eine untergeordnete Rolle. Seit vier Monaten stand er nicht mehr in der Startelf von Trainer Timo Schultz. Zum Rückrundenauftakt aber durfte Henning mal wieder ran – und der Nachmittag des 3:0-Siegs in Aachen entschädigte vielleicht auch für die Enttäuschungen der letzten Monate.

Denn Henning, eigentlich nicht der geborene Torjäger, stand gleich zweimal da, wo sonst nur Mittelstürmer stehen. Es war sein erster Doppelpack seit 2021, damals im Trikot von Eintracht Braunschweig. In Aachen verwandelte er gleich zwei Vorlagen von Robin Meißner, einmal technisch fein, einmal mit Wucht und Dynamik – und setzte damit eine der Forderungen von Trainer Timo Schultz für die Rückrunde um: mehr Torgefahr aus dem Mittelfeld.

Der Coach wiederum sorgte mit seinem Urteil auf der Pressekonferenz erstmal für eine Überraschung. „Hört sich vielleicht ein bisschen doof an, aber eigentlich war ich mit seinem Spiel nicht so richtig einverstanden“, sagte Schultz – und erklärte: „Er kann mit dem Ball viel mehr Ruhe, viel mehr Klarheit, viel mehr Nachgehen in die Box. Da habe ich schon bessere Spiele von ihm gesehen.“ Was zunächst fast überkritisch klingt – schließlich hatte Henning neben seinen beiden Toren auch mehrere gute Balleroberungen im Zentrum – löste sich am Ende aber in Wohlgefallen auf: „Es freut mich extrem für ihn, weil er jedes Training Gas gibt, immer positiv ist und immer pusht, auch wenn er nicht spielt. Dass sich solche Jungs dafür belohnen, wenn auch mal drei, vier Monate nicht so toll waren, freut mich besonders.“

Nein, toll waren die letzten Monate für Henning persönlich nicht wirklich. Den Konkurrenzkampf für die Position neben dem gesetzten Sechser Bjarke Jacobsen hatte er zwischenzeitlich verloren. An den ersten drei Spieltagen stand Henning noch in der Startelf, danach nur noch zwei Mal – zuletzt vor vier Monaten beim 0:0 gegen Ex-Klub Viktoria Köln, von dem er im Januar 2025 nach Osnabrück zurückkehrte. Fridolin Wagner – in Aachen gelbgesperrt – und Kevin Wiethaup bekamen über den Herbst mehr Spielzeit, im November bremste ihn ein Infekt knapp zwei Wochen aus.

Keine einfache Zeit, das gab Henning nun zu. „Jeder weiß, dass Osnabrück eine Herzensangelegenheit für mich ist“, sagt Henning, der in seiner ersten Zeit von 2019 bis 2021 in der Stadt seine heutige Ehefrau kennenlernte und auch deshalb vor einem Jahr unbedingt zurückwollte. Längst ist der VfL der Club, für den er in seiner Karriere die meisten Spiele absolvierte (87). „Und dann tut es natürlich weh, wenn die Bremer Brücke angezündet ist und man selbst auf der Bank sitzt“, sagte er. Aber in den letzten zwei Wochen der Vorbereitung und den Testspielen gegen Oberhausen (5:2) und Schalke (0:2) hat er sich empfohlen.

Auch, weil Schultz ihm etwas entgegenkam. „Für ihn war die Hinserie auch dahingehend nicht einfach, dass es seine beste Position in unserem System nicht gegeben hat. Jetzt haben wir mit zwei Achtern gespielt. Das ist für ihn perfekt“, erklärte der Trainer. Den mahnenden Zeigefinger gab es trotzdem direkt hinterher: „Trotzdem hat er Luft nach oben, das ist aber auch gut so.“

Das gesteht sich auch Henning ein, vor allem in Sachen körperlicher Belastbarkeit. „Fußball ist anstrengend“, sagte er lachend angesichts der offensichtlichen Abnutzungserscheinungen beim Gang vom Feld Richtung Kabine. „Wenn man länger nicht spielt oder von Beginn an Einsätze bekommt, ist es eine andere Belastung. Aber wir trainieren hart und ich bin fleißig. Deshalb ging es heute gut und es hat mir trotzdem gut getan, dass es nicht über die volle Distanz ging.“

Nach 81 Minuten wurde er ausgewechselt und von Altmeister Robert Tesche ersetzt. Aber Bryan Henning hat nach diesem Rückrundenauftakt Blut geleckt – und will auch weiter wichtig sein für den VfL. „Gegen 1860 haben wir nach dem Hinspiel noch eine Rechnung offen“, blickt er voraus aufs kommende Wochenende. Mit ihm in der Startelf? „Na, hoffentlich!“

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