Anbaden Tannenhausen Immer mehr springen ins eiskalte Wasser
Die DLRG hat am Sonnabend zum Anbaden an den Auricher See eingeladen. Was treibt so viele Menschen an, bei Kälte ins Wasser zu gehen?
Aurich - Sonnenschein, klares Wasser und Badeschlappen: Es könnte auch ein Sommertag am Badesee Tannenhausen sein. Doch ein Blick auf die vielen Mützen auf den Köpfen zeigt eindeutig den Winter. Die grüne Flagge weht. Die Anzeigetafel weist kühle fünf Grad Lufttemperatur und vier Grad Wassertemperatur aus. Es ist der dritte Sonnabend im Januar. Die DLRG hat zum Anbaden an den Auricher Badesee eingeladen. Es ist ziemlich voll am Strand. Unter den Augen etlicher Gäste wollen etwa 70 Schwimmer an diesem sonnigen Nachmittag ins Wasser. Es sind noch mehr Teilnehmer als im Jahr zuvor.
So wie auch Christina Koltermann aus Esens. Es ist das dritte Anbaden für sie in diesem Jahr. Sie war schon im Meer auf Norderney und einen Tag später in Bensersiel. Was treibt sie an, so oft ins kalte Wasser zu springen? „Man fühlt sich super erfrischt. Es ist tatsächlich ein Neustart“, sagt Koltermann. Deswegen hat sie noch zwei Frauen heute mitgebracht, die sie ebenfalls von dem eisigen Elerbnis am See überzeugen möchte. Ob sie ins Wasser gehen, wird sich erst noch zeigen. Noch stehen sie eingemummelt am Strand. Zwischen den Winterjacken und Mützen stehen am frühen Nachmittag schon die ersten im Badeanzug oder Badehose. Einige haben sich in die noch trockenen Handtücher gekuschelt. Aus Lautsprechern dudelt im Hintergrund ein bisschen Musik der neuen Deutschen Welle.
Warum tun sich das so viele an?
Von Wellen auf dem Wasser ist indes nicht viel zu sehen. Klares Wasser und Windstille sind die perfekten Bedingungen fürs Anbaden. „Es könnte noch Schnee sein, dann wäre es noch schöner“, sagt Jörg Puschke von der DLRG. Zehn bis zwölf DLRG-Helfer gehen mit den Schwimmern ins Wasser, um für die Sicherheit zu sorgen. Schließlich ist das Wasser kalt.
Heio Albers aus Blomberg steht bereits fertig mit Badekappe und Trikot am Strand. Seit einigen Jahren mache er beim Anbaden mit, sagt der 79-Jährige. Mit 65 Jahren habe er mit dem Joggen angefangen. Dazu kam dann das Anbaden als fester Termin. „Einfach als Geck“, sagt Albers. Der Spaß steht bei vielen Teilnehmern im Vordergrund. Das ist auch für Sigrid Röver aus Haßbergen an der Weser ein Grund zum Mitmachen. Sie war auch schon beim Anbaden in Sankt Peter Ording. Hier komme sie extra angereist, weil im Gegensatz zu ihrem Wohnort der See frei ist. Zuhause seien die Kieskuhlen noch zugefroren.
Trillern, Johlen, Platschen
Um kurz vor halb drei stehen dann rund 70 Schwimmer am Strand. Jörg Puschke steht wieder vor ihnen und sagt noch ein paar Worte zur Begrüßung. Dann ist es soweit. Puschkes Trillerpfeife schrillt. Die Teilnehmer flitzen mit freudigen Rufen und unter Gejohle ins Wasser. Es platscht. Ein paar Wellen schlagen an den Strand. Dann rennen die ersten auch schon wieder bibbernd aus dem Wasser. Ein paar wagen sich weiter rein. Für viele ist der Spaß aber nach wenigen Minuten vorbei. Nur ein Teilnehmer hat eine Mission. Er schwimmt bis zur Boje. Dann kommt er nach dreizehneinhalb Minuten wieder aus dem Wasser. Die Haut krebsrot, aber stolz darauf, dass er sein Ziel erreicht hat.
Auch Christina Koltermann hat ihr Ziel erreicht. Sie hat ihre Begleiterinnen mit ins Wasser genommen. Vier bis fünf Züge habe sie im kalten Wasser machen können, sagt die Esenserin. Nächstes Jahr möchte sie auch versuchen, bis zur Boje zu schwimmen. Die Gelegenheit wird es sicher geben. Puschke betont, jedes Jahr am dritten Sonnabend im Januar soll das Anbaden stattfinden. Das können sich die Hartgesottenen schon fürs nächste Jahr im Kalender vormerken.