Aachen VfL Osnabrück: Zwei Männer des Spiels und eine stabile Einheit
Bryan Henning und Robin Meißner prägen das Spiel des VfL Osnabrück beim 3:0-Sieg in Aachen. Die Lila-Weißen überzeugen zum Rückrundenauftakt aber mit einer insgesamt guten Mannschaftsleistung. Die Einzelkritik.
#11 Robin Meißner (bis 90.): Spielte in der Doppelspitze mit Julian Kania – eine leichte taktische Anpassung, die ihm sichtlich gut tat. Die Aufgabenteilung mit dem Neuzugang klappte über weite Strecken: Kania als Ankerspieler ganz vorne, Meißner bewegte sich um ihn herum. So wich er vor dem ersten Gegentor auf rechts aus und bediente Henning punktgenau. Das zweite Tor legte er von links auf, als er drei Aachener austanzte und dann scharf vors Tor flankte – eine herausragende Szene. Das dritte machte er dann selbst: Ein starker Sprint, eine schöne Körpertäuschung und ein sicherer Abschluss. Überragende Leistung mit nur einem minimalen Manko: Vor dem 3:0 war er lange kaum zu sehen und vergab die einzige Chance auf die frühere Entscheidung mit einem schwachen Abschluss.
#6 Bryan Henning (bis 81.): Zum ersten Mal seit dem 8. Spieltag (0:0 in Köln) durfte der 30-Jährige mal wieder von Beginn an – und zwar in einer für ihn perfekten Rolle: Mal als Sechser neben Jacobsen, mal als Achter gemeinsam mit Kehl, je nach Situation und Gefühl. Gleich zweimal bewies er genau das richtige Näschen für die Situationen im Strafraum. Bei seinen beiden Toren in der ersten Hälfte lief er super ein und war zu Meißners Zuspielen genau am richtigen Ort, besonders das erste Tor war dann auch technisch fein gemacht. Ansonsten mit einigen guten Balleroberungen und ordentlichen Pässen, auch wenn insgesamt vielleicht noch etwas mehr möglich gewesen wäre. Hat sich jedenfalls endlich wieder für deutlich mehr Spielzeit beworben.
#4 Yigit Karademir: Weil Robin Fabinski fehlte, kam auch Karademir nach drei Monaten mal wieder zu einem Startelfeinsatz – und rechtfertigte das Vertrauen. Spielte als rechter Innenverteidiger defensiv eine blitzsaubere Partie und war gleich mehrfach rettend zur Stelle bei Aachener Schnittstellenpässen und Flanken. Insgesamt sehr aufmerksam und in Bodenduellen fast immer der Sieger. Im Spielaufbau ohne groben Fehler, aber etwas mehr Mut im Andribbeln wäre schon angebracht gewesen. Mit einem schnellen Pass nach vorne leitete er jedoch das 1:0 ein. Auch das Abwehrtalent hat sich jedenfalls wieder für mehr Einsatzzeit empfohlen.
#25 Niklas Wiemann: Ähnlich wie Karademir: Defensiv sehr sicher und konzentriert, oft im richtigen Moment zur Stelle und mit guter Ausstrahlung. Dazu im Spielaufbau mit etwas mehr Vortrieb als die Kollegen, etwa bei zwei, drei guten Bällen die Linie entlang auf Christensen. Etwas besser lösen kann er die Szene vor Aachens Großchance in der 6. Minute: Sein Rückpass auf Jonsson war etwas scharf und eigentlich unnötig. Es hätte genügend Lösungen nach vorne gegeben. Abgesehen von einem gefährlichen Ballverlust kurz vor Schluss ohne weitere Makel.
#15 Bjarke Jacobsen: Der Däne dominierte vor allem in der ersten Hälfte das Zentrum. Nach der wackeligen Anfangsphase war es speziell ihm zu verdanken, dass der VfL mehr Kontrolle ins Spiel bekam. Besetzte in der neuen Ordnung noch etwas mehr die Mitte des Spiels, teilweise sogar als alleiniger Sechser. Brachte dort seine Ballsicherheit und Übersicht ein, genauso wie seine Kopfballstärke und gute Zweikampfführung. Krönte die gute Leistung mit einem schönen Assist auf Meißner beim 3:0.
#21 Lukas Jonsson: Der Torwart kam schlecht in die Partie: Sein Fehlpass ermöglichte der Alemannia die erste Großchance. Aber der Schwede vereitelte nicht nur diese, sondern auch die danach, als Christensen den Ball verlor. Die Eins-gegen-Eins-Duelle sind ohnehin seine Stärke, in Aachen strahlte er aber – vor allem im Vergleich mit Gegenüber Olschowsky – auch Sicherheit bei hohen Bällen aus: Fing Flanken und Ecken sicher ab oder faustete sie weit aus dem Strafraum. Insgesamt ein guter Auftritt, mit dem Makel, dass er eben selbst eine von zwei Aachener Großchancen heraufbeschwor. Das zehnte „zu Null“ der Saison ist aber maßgeblich auch sein Verdienst.
#24 Jannik Müller: Der Kapitän reihte sich grundsätzlich in die starke Abwehrleistung ein, hatte aber ein, zwei Szenen mehr, in denen er den Ball verlor oder zu spät in den Zweikampf kam. So etwa in der 61. Minute, als Christensen dann retten musste. Gegen Gindorf, Elekwa und später Wriedt war in den direkten Duellen dennoch meistens Sieger, weil ihm in Sachen Cleverness und Timing in dieser Liga einfach kaum jemand überlegen ist.
#31 Patrick Kammerbauer: Der rechte Schienenspieler machte nicht sein auffälligstes Spiel, trat aber auch nie negativ in Erscheinung. Im Gegenteil: Defensiv hielt er seine Seite gegen Elekwa komplett dicht und spielte in diesem Bereich eine richtig gute Partie. Im Gegenzug war er nach vorne nur selten sichtbar. Wenn doch, dann war es aber produktiv: Etwa vor dem 1:0, als er Meißner bediente, oder bei einem diagonalen Lauf, der eine gute Möglichkeit für Christensen eröffnete. Kammerbauer kann durchaus noch mehr, aber sein Grundniveau, das er in Aachen zeigte, ist schon sehr hoch.
#3 Frederik Christensen (bis 90.): Der linke Schienenspieler hatte gleich zwei gute Torchancen. Einmal retteten die Aachener auf der Linie gegen seinen eigentlich guten Abschluss (45.+2), einmal verzog er mit dem schwächeren rechten Fuß (39.). An offensiven Szenen war es das, weil der Däne sich eher auf die Abwehrarbeit konzentrierte. Dort hatte er auch gut zu tun, weil Schroers ihn immer wieder beschäftigte. Christensen löste nicht jeden Zweikampf sauber, schmiss sich aber in die Duelle und bügelte immer wieder auch für die Kollegen aus. Einmal brauchte er aber Jonsson, als er eine Flanke nicht klärte, sondern Schroers die Riesenchance ermöglichte. Der größte Fehler in einem ansonsten soliden Auftritt.
#18 Lars Kehl (bis 81.): Bekam im Zuge des Kania-Debüts auch eine leicht neue Rolle und bewegte sich mal etwas tiefer neben Henning und mal als alleiniger Zehner hinter den beiden Spitzen. Kam selbst noch nicht so richtig in torgefährliche Szenen, auch weil er manchmal zu lange mit dem Abschluss zögerte. War aber trotzdem an fast allen gefährlichen Angriffen des VfL beteiligt, etwa der Christensen-Großchance kurz vor der Pause. Leitete auch das 2:0 clever ein, als er den Freistoß auf Meißner schnell ausführte.
#9 Julian Kania (bis 62.): Der Leihstürmer gab sein Ligadebüt für den VfL, konnte dem Spiel aber nicht seinen Stempel aufdrücken. Arbeitete im Pressing ordentlich mit, seine großen Qualitäten im Abschluss blieben aber noch verborgen: Hatte zwei Szenen im Strafraum, in denen er im letzten Moment geblockt wurde. Wurde bei langen Zuspielen immer mal wieder als Zielspieler gesucht und schaffte es gelegentlich auch, die Bälle festzumachen. Dennoch ist beim Neuzugang noch Luft nach oben.
#23 Tony Lesueur (ab 62.): Kam für Kania in die Partie und sollte für Kontergefahr sorgen. Schaffte das in zwei, drei Szenen auch: Einmal schickte er Meißner auf die Reise, der vergab das 3:0. Einmal wurde er von Badjie geschickt, ging am Torwart vorbei, bevor sein Abschluss aus spitzem Winkel auf der Linie geklärt wurde. Guter Jokerauftritt, aber ohne Ertrag.
Nicht zu bewerten: #37 Ismail Badjie (ab 81.), #8 Robert Tesche (ab 81.), #22 Bernd Riesselmann (ab 90.), #10 Kai Pröger (ab 90.).