Aachen  VfL Osnabrück: Endlich wieder ein Sieg auf dem Tivoli - Hennings Doppelpack ebnet Weg

Susanne Fetter, Malte Artmeier
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Von Susanne Fetter, Malte Artmeier
| 17.01.2026 18:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Doppelpack in Aachen: Bryan Henning trifft hier zum 2:0 für den VfL Osnabrück bei der Alemannia und jubelt. Foto: Michael Titgemeyer
Doppelpack in Aachen: Bryan Henning trifft hier zum 2:0 für den VfL Osnabrück bei der Alemannia und jubelt. Foto: Michael Titgemeyer
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Starker Start in die Rückrunde der 3. Fußball-Liga für den VfL. Die Osnabrücker sind mit einem verdienten 3:0 (0:0) bei Alemannia Aachen gut aus der Pause gekommen. Leihspieler Julian Kania gab sein Pflichtspieldebüt. Im Mittelpunkt standen aber andere. Bryan Henning traf doppelt, Robin Meißner erzielte ein Tor und legte zwei vor.

Während sich die Alemannia kurz nach Spielende vor der riesigen Stehplatztribüne mit ihren Fans zum Krisengespräch traf, stand die Mannschaft des VfL Osnabrück aufgereiht vor dem Gästeblock und lauschte, wie knapp 3000 Fans die Vereinshymne sangen. Es war ein besonderer Moment an einem Tag, den die Aachener eigentlich ganz anders begehen wollte. Doch ausgerechnet am 125. Geburtstag der Alemannia herrschte nur bei den Osnabrücker Feierstimmung. Schon direkt nach dem Spiel hatten die Fans des VfL den 3:0-Erfolg lautstark mit einem Klassiker (“Always look on the bright side of life“) besungen.

Dabei hätte VfL-Torwart Lukas Jonsson den Aachenern gleich zu Beginn ein Geschenk zum Jubiläum gemacht. Seinen schlechten Ball im Spielaufbau konnten allerdings weder Lars Gindorf noch Emmanuel Elekwa verwerten - auch weil Jonsson nach seiner kurzen Unaufmerksamkeit wieder stark parierte. Zwei Minuten später hätte es fast ein Tor für die Alemannia gegeben, das gute Möglichkeiten auf einen Preis in einer beliebten Slapstick-Kategorie gehabt hätte. Jonsson schoss Niklas Wiemann an, von dem der Ball in einer Bogenlampe Richtung Tor flog. Wiemann rannte zurück und klärte mit dem Kopf ins Aus.

Defensiv sich weiter auf die Stabilität der Hinrunde (neunmal zu Null) stützen und vorne mehr Tore schießen - das hatte sich Trainer Timo Schultz für die Rückrunde gewünscht. In Aachen sah der Beginn nicht danach aus, als würden die Osnabrücker dies umsetzen. Nach sechs Minuten traf der VfL allerdings zum 1:0. Bryan Henning erzielte den Treffer. Nach einem Ballgewinn im Mittelfeld flankte Robin Meißner von der rechten Seite den Ball in die Mitte, wo Henning ihn zum 1:0 versenkte.

Vier Monate lang hatte Henning nicht mehr in der Startelf gestanden, zuletzt beim 0:0 bei Viktoria Köln. In Aachen ersetzte der 30-Jährige den gelbgesperrten Fridolin Wagner. Auch Frederik Christensen kehrte auf der linken Seite wieder in die Startelf zurück. Auf der rechten Seite der Dreierkette kam Yigit Karademir für den zuletzt etwas angeschlagenen Robin Fabinski zum Einsatz. Im Sturm begann Julian Kania, den der VfL im Winter von Arminia Bielefeld ausgeliehen hatte, gab sein Pflichtspieldebüt für die Osnabrücker.

Auch taktisch veränderte der VfL einiges. Meißner und Kania spielten, etwas überraschend, zumeist auf einer Linie. Bjarke Jacobsen agierte eher alleine als zentraler Sechser. Lars Kehl spielte man neben Henning etwas vorgezogen - mal rutschte er auf die zentrale Position hinter Meißner und Kania.

Die Variabilität, die vor allem durch die Verpflichtung von Kania erhöht wurde, führte in der ersten Halbzeit zu einigen Torchancen. Nur einmal musste Jonsson eine gefährliche Situation entschärfen. Nach einem dicken Patzer von Christensen stand Mika Schroers plötzlich alleine vor dem Schweden im Strafraum. Doch Jonsson griff zu und verhinderte den Ausgleich.

Kurz darauf traf Henning erneut. Meißner setzte sich zuvor auf der linken Seite überragend durch, kam bis zur Grundlinie, legte den Ball zurück und Henning musste ihn nur noch irgendwie mit dem Oberkörper über die Linie drücken. Christensen hätte die Führung zweimal ausbauen können und auch Kania kam beinahe noch zu einer Möglichkeit. Nach einem langen Pass bekam er den Ball allerdings nicht gut unter Kontrolle.

Nach der Pause erhöhte Aachen etwas den Druck. Der VfL konzentrierte sich dagegen etwas zu sehr auf das Verwalten der Führung. Auch deshalb dürfte Schultz in der 60. Minute versucht haben, einen neuen Impuls zu geben. Der Trainer des VfL nahm Kania vom Platz und brachte Tony Lesueur. Meißner besetzte danach wieder alleine die Sturmspitze. Der schnelle Franzose rückte auf die Position dahinter.

Doch auch danach kam der VfL viel zu selten in den Aachener Strafraum - oder in dessen Nähe. Jacobsen verpasste einmal knapp nach einer Ecke den Kopfball. Die Alemannia tat sich allerdings fast genauso schwer, Möglichkeiten zu kreieren. Eine der besseren Chancen hatte Kiala da Silva mit einem Schuss aus der Distanz.

In der 78. Minute hatte Meißner die beste Gelegenheit für den VfL, als er fast alleine in den Strafraum lief. Doch Aachens Torhüter Jan Olschowsky riss geistesgegenwärtig den Arm hoch und verhinderte das 3:0 durch den Stürmer, der vor der Pause beide Tore aufgelegt hatte.

Doppeltorschütze Henning durfte kurz darauf vom Platz. Für ihn kam Routinier Robert Tesche aufs Feld. Es war der zweite Pflichtspieleinsatz des 38-Jährigen, den Schultz im Podcast „Brückengeflüster“ kürzlich für seinen Einsatz lobte, in dieser Saison. Ismail Badjie ersetzte Lars Kehl. Fünf Minuten vor dem Ende kam Lesueur auf der linken Seite noch einmal frei zum Schuss, der von Aachens Winterneuzugang Petros Bagkalianis aber gerade noch so geblockt wurde. Kurz darauf trafen die Gäste dann dennoch vor dem Block mit den eigenen Fans. Meißner belohnte sich für seinen starken Auftritt doch noch mit seinem Treffer zum 3:0.

Endlich feierte der VfL mal wieder einen Sieg am Tivoli. Von 24 Pflichtspielen in Aachen hatte der VfL nur drei gewonnen und 17 verloren. Zuletzt siegten die Osnabrücker 2012 bei der Alemannia. Dass die Fanlager beider Teams keine besonders enge Freundschaft verbindet, zeigte sich am Ende auch noch. Als die Spieler zu einem Großteil schon wieder in den Kabinen waren, zelebrierten die Aachener anlässlich des 125. Vereinsjubiläums noch einmal eine Choreo mit etwas großen Wunderkerzen. Im Anschluss flogen einige Provokationen und Beleidigungen zwischen den beiden weit entfernten Blöcken hin und her.

Durch den Sieg kletterte der VfL vom sechsten Platz auf Rang vier. Dank des besseren Torverhältnisses zogen die Osnabrücker an den punktgleichen Essenern vorbei, rangieren aber noch einen Platz hinter Hansa Rostock, das ebenfalls 35 Zähler auf dem Konto hat. Es war das zehnte „zu Null“ in dieser Saison und der sechste Auswärtssieg. Am kommenden Wochenende können die Osnabrücker gegen 1860 München zeigen, ob sie auch zu Hause mal wieder dreifach punkten können.

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