Osnabrück  Warum das Coppenrath Innovation Center in Osnabrück keine Photovoltaik-Anlage hat

Karin C. Punghorst
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Von Karin C. Punghorst
| 18.01.2026 06:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Blick von oben: Auf einer Fläche von 4.294 Quadratmetern wäre die Installation einer PV-Anlage möglich. Foto: André Havergo
Blick von oben: Auf einer Fläche von 4.294 Quadratmetern wäre die Installation einer PV-Anlage möglich. Foto: André Havergo
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Das Coppenrath Innovation Center in Osnabrück ist ein architektonisches Highlight im neuen Lokviertel. Indes hat die Denkfabrik für Zukunftstechnologien keine Photovoltaik-Anlage. Warum? Ein Blick auf die Hintergründe zwischen Denkmalschutz und Kosten.

Es ist ein bahnbrechendes Gebäude, das Coppenrath Innovation Center (CIC) an der Hamburger Straße in Osnabrück. Nicht von ungefähr ist der unter Denkmalschutz stehende ehemalige Ringlokschuppen im Herbst 2024 mit dem Niedersächsischen Staatspreis für Architektur ausgezeichnet worden.

Aber wieso hat das Dach des Vorzeigeobjekts eigentlich keine Photovoltaik-Anlage, zumal im CIC Firmen und Start-ups der Region mit und an zukunftsweisenden Technologien arbeiten? Mehr noch, die Frage drängt sich quasi auch auf, weil das Gebäude zum zukünftigen Lokviertel gehört. Auf dem Areal sollen rund 3000 Wohnungen entstehen – im Werden ist ein innovativer Stadtteil, der in puncto Nachhaltigkeit neue Standards in Osnabrück setzen wird.

Osnabrücks Stadtbaurat Thimo Weitemeier, zugleich zusammen mit Sarah Wöstmann Geschäftsführer der Betreibergesellschaft (RiLo Os GmbH), gibt Antworten auf diese Fragen: Warum das Dach ohne PV-Anlage baurechtlich in Ordnung geht. Warum eine PV-Anlage zum Zeitpunkt der Genehmigung rechtlich möglich, aber nicht vorgeschrieben war. Und warum, wenn das Gebäude heute genehmigt und gebaut werden würde, eine PV-Anlage auf dem Dach installiert werden müsste.

Grünes Licht für das Projekt, den einstigen Ringlokschuppen am ehemaligen Güterbahnhof umzubauen, erteilte die Stadt Osnabrück mit der Baugenehmigung im Juli 2021. Zu diesem Zeitpunkt war es laut Niedersächsischer Bauordnung (NBauO) noch nicht vorgeschrieben, Dachflächen mit Photovoltaik-Anlagen zur Gewinnung von Sonnenenergie zu installieren.

Das ist mittlerweile anders: „Würde die Genehmigung heute erteilt werden, wäre eine PV-Anlage vorgeschrieben“, sagt Weitemeier. Nachträglich müssen Gebäude aber nicht an die nunmehr geltenden Bestimmungen angepasst werden.

Im Zuge des damaligen Verfahrens hatte die Stadtverwaltung gleichwohl verschiedene Möglichkeiten zur Errichtung einer PV-Anlage diskutiert. Vor allem die Belange des Denkmalschutzes wurden geprüft, so Stadtsprecher Simon Vonstein auf Nachfrage der Redaktion.

Aufgeständerte oder liegend montierte PV-Module wären aus Gründen des Denkmalschutzes nicht zulässig gewesen. Infrage gekommen wäre eine folienbasierte Anlage, die aber im Vergleich in der Anschaffung teurer und in der Auslastung geringer gewesen wäre.

Zu Beginn des Jahres 2024 hatte sich die Gesetzeslage zum Denkmalschutz so verändert, dass auch eine aufgeständerte PV-Anlage montiert werden könnte. Eine von der RilLo OS GmbH in Auftrag gegebene Wirtschaftlichkeitsberechnung prognostizierte das Investitionsvolumen auf rund 600.000 Euro. Nach rund neun bis zehn Jahren würde sich so eine Anlage von selbst tragen.

„Von dieser Investition wurde dann Abstand genommen, weil klar war, dass das Lokviertel ein einheitliches energetisches Konzept bekommen würde, das auch PV-Nutzung auf den Dächern vorsieht“, erklärt Wöstmann.

So ist das Dach des Architektur-Preisträgers bislang ohne solare Nutzung geblieben. Welche Energiemenge theoretisch mit PV-Modulen gewonnen werden könnte, zeigt ein Blick auf das Solardachpotenzialkataster der Stadt Osnabrück.

Indes erklärt Wöstmann auf Nachfrage, dass der Status quo, keine PV-Anlage zu haben, „keine Entscheidung für alle Zeit bleiben muss“. Sie verknüpft eine mögliche Nachrüstung eng mit dem – wie sie sagt – „weiteren Entwicklungsfortschritt“ des gesamten Lokviertels.

In der laufenden Bau- und Vermarktungsphase des Quartiers wäre eine isolierte Anlage für das CIC aus wirtschaftlichen und strategischen Gründen nicht sinnvoll, solange die übergeordnete Energie-Infrastruktur des Viertels noch nicht final steht.

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