Osnabrück SPD-Grünkohlessen in Osnabrücks Osten: Wo Vereine und Verbände das Sozialleben wuppen
Wo Ehrenamtler einem Stadtteil Halt geben, zählt jedes Gespräch mehr als große Politik. Beim Grünkohl mit der SPD Darum-Gretesch-Lüstringen, mit Vereinen und Verbänden ging es um das Miteinander.
Was für ein Erfolg: In wenigen Jahren hat der SC Lüstringen seine Junior-Mannschaften mehr als verdoppelt, das Interesse sei riesig, erzählen die Trainer beim Grünkohlessen der SPD Darum-Gretesch-Lüstringen. „Ja, wie haben wir das eigentlich geschafft?“, fragt Fynn Neumann in die Runde an dem kleinen Tisch im warm beleuchteten Gemeindezentrum.
Sein Blick bleibt an Fabian Zahlten hängen. „Eigentlich warst du das doch.“ Fabian Zahlten, Spieler in der zweiten Herrenmannschaft und Jugendleiter, sagt: „Na ja, ich habe eben den gesamten Freundeskreis abgeklappert.“ Könntest du dir vorstellen, Junioren zu trainieren? Vor der Frage war eine Zeit lang offenbar keiner sicher.
Bei Fynn und seiner Freundin Jasmin de Vries schlug das voll ein. Sie spielte früher selbst Fußball, heute trainieren die zwei Studenten Kinder beim SC Lüstringen.
Sie sind nur zwei von vielen Ehrenamtlern und Menschen, die etwas für den Stadtteil in Osnabrücks Osten tun, die an diesem Abend im Gemeindezentrum zusammengekommen sind: Vertreter des Bürgervereins, der Apostelgemeinde, der Awo, des Fördervereins der Waldschule. Auch aus angrenzenden Stadtteilen sind Gäste da, etwa aus Voxtrup oder dem Schinkel.
Dabei waren die Vorzeichen, unter denen das Grünkohlessen der SPD Darum-Gretesch-Lüstringen stattfand, alles andere als gut. Der Weg zum Gemeindezentrum in der Albert-Schweitzer-Straße ist an diesem Freitag von Schnee gesäumt, kein schöner, trittfester Neuschnee, sondern festgetrampelt und eisig. Und dann sagten auch noch die Ehrengäste ab: Olaf Lies, Ministerpräsident, steckt wegen des Wetters in Hannover fest. SPD-Mann Thomas Vaupel teilt dasselbe Schicksal in Berlin.
Doch beim Betreten des Gemeindezentrums wird sofort klar: Die Lüstringer trotzen stoisch den ausbleibenden Polit-Stars und dem Wetter. Die Tische besetzt, die Gespräche in vollem Gang und alle freuen sich auf den Grünkohl.
Die Wartezeit auf das Essen, die „der Eckhard“ und sein Team – man kennt sich hier, klar – zubereiten, wird mit vergleichsweise kurzen Reden der anwesenden Osnabrücker SPD-Prominenz überbrückt: Robert Alferink, SPD-Chef und Oberbürgermeisterkandidat, Frank Henning, Landtags- und Stadtratsmitglied, und der lokale Ortsvereinschef Max Westendorf, sie alle haben eine Botschaft gemein: Das Miteinander und der Dank an die Vertreter von Vereinen und Verbänden, die „das Rückgrat unserer Stadtteile und Demokratie sind..“ Besonders schön drückte es Pastorin Inga Göbert von der Petrusgemeinde, die ihr Gemeindezentrum für diesen Abend zur Verfügung stellt, aus. Sie spricht von Engeln auf Erden, die manchmal ihre Flügel ein wenig versteckten, unter Hemden oder T-Shirts. Die Ehrenamtler.
Fragt man herum, was diese bewegt, fällt eine Antwort häufig: der geplante Ausbau der Mindener Straße. Eine Vollsperrung ist angedacht. Das bedeutet: Umleitungen für die Anwohner. Max Westendorf, der ebenfalls beim SC Lüstringen Junioren trainiert, verspricht, bei dem Thema nicht locker zu lassen. Eine einspurige Sperrung müsse doch auch möglich sein, oder? Die Stadtverwaltung sei bereits informiert.
Am Beispiel des Sportvereins wird deutlich, was so eine Sperrung auslösen könnte. „Viele der Kinder sind auf den Bus angewiesen und können nicht von den Eltern gefahren werden“, sagt Fabian Zahlten. Auch aus dem benachbarten Schinkel reisten so einige zum SC Lüstringen an. Sie würden dann nicht mehr kommen, wenn es zu aufwendig werde, befürchtet er.
Besonders bitter könne das für die werden, die aus eher sozial schwachen Milieus seien und für die der Verein ein wichtiger Bezugspunkt ist, sagt Fynn Neumann. Ein Stück Stabilität sei der Verein, egal, woher das jeweilige Kind käme. Beate Wedelich, die als Elternvertreterin des Fördervereins der Waldschule geladen ist, nickt. Ihr Sohn spielt auch beim SC, klar. „Kinder können so noch mal eine andere Seite von sich entdecken, außerhalb der Schulklasse.“ Sich ausprobieren, Selbstbewusstsein entwickeln.
Ja, das sei schon toll, was der Osnabrücker Osten habe und was ihn zusammenhalte. All das wäre nicht möglich ohne Ehrenamt, wofür der SC Lüstringen nur ein Beispiel ist. Bis weit nach 22 Uhr geht der Abend mit vielen Gesprächen. Auch ohne Olaf Lies. Aber im Mai, dies sei fest eingeplant, werde der Ministerpräsident des Landes erscheinen. „Dann schneit es ja hoffentlich nicht“, sagt Max Westendorf. Und alle lachen.