Osnabrück Osnabrücks IHK-Präsident Uwe Goebel mahnt: „Niedersachsen braucht Wachstum“
Wachstum müsse das Ziel sein. Dazu hat der Präsident der IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim aufgerufen. Die Wirtschaft brauche mehr Freiräume, aber auch unterstützende Beschlüsse der Politik, so Uwe Goebel.
Dunkler Anzug, weißes Hemd, dunkle Krawatte. Ministerpräsident Olaf Lies saß in Reihe eins im Alando Ballhaus in Osnabrück und hörte aufmerksam zu. Uwe Goebel – der Präsident der regionalen Industrie- und Handelskammer – sprach ihn mehrfach direkt an und rief dem Landesvater während des Neujahrsempfanges der IHK zu: „Niedersachsen braucht Wachstum.“
Lage und Stimmung der Wirtschaft an Ems, Vechte und Hase ließen „weiterhin sehr zu wünschen übrig“, erklärte Goebel. Um nach drei Rezessionsjahren eine wirkliche Trendwende einzuleiten, müssten ausgetretene Pfade endlich verlassen werden.
Der Kammerpräsident warb in seiner Ansprache vor fast 600 Zuhörern für offenere Märkte, für freien Handel und internationalen Wettbewerb. Goebel – ein selbstständiger Steuerberater und Geschäftsführer – geißelte Protektionismus und Handelshemmnisse. Ministerpräsident Lies forderte er auf, sich innerhalb der Europäischen Union noch stärker für den Frei- und Außenhandel zu engagieren.
Auch Niedersachsen brauche eine Wachstumsagenda, fügte Goebel hinzu. Das Landeskabinett müsse folglich von Olaf Lies in jeder Sitzung noch mehr „auf Tore, auf Sieg und auf Wachstum“ eingestellt werden, wählte der IHK-Präsident zu Beginn des WM-Jahres 2026 einen Vergleich aus der Fußballwelt.
Aber, es gab nicht nur Mahnungen und Forderungen. Goebel verteilte auch das eine oder andere Lob. Die Novellierung der niedersächsischen Bauordnung sei „ein Schritt in die richtige Richtung“. Ebenso die Einführung des Azubi-Tickets, um die Mobilität junger Menschen während der Lehre zu stärken.
Zarte Erfolge habe er auch bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltungen ausgemacht, sagte der Kammerpräsident. Gut sei zudem die Einrichtung der neuen Zentralstelle für eine beschleunigte Fachkräfteeinwanderung, „erst recht, da sie in Osnabrück angesiedelt ist“.
Doch das Wechselspiel aus Schulterklopfen und Tadel war damit noch nicht zu Ende. Er sei sich nicht sicher, ob die Schulgesetzreform in Niedersachsen den Anforderungen der Betriebe entgegenkomme, für Rückenwind sorge und damit Wachstumsimpulse auslöse, so Goebel kritisch. Auch sei die Unterrichtsversorgung an Berufsschulen mit derzeit 93 Prozent mangelhaft. Bauliche und technische Defizite kämen hinzu. Hier seien die Kommunen gefordert, für Besserung an den Schulen zu sorgen.
Was ihm hingegen Mut mache, ließ der Erste Mann der IHK den Ministerpräsidenten und die anderen Zuhörer ebenfalls wissen. Das seien neben einer weiterhin starken Start-up-Szene beispielsweise die Millioneninvestitionen regionaler Unternehmen: Krone im Emsland. Rosenxt und Naber in der Grafschaft. Schoeller, KME, Wessels und Müller sowie das Stahlwerk Georgsmarienhütte an ihren Standorten im Raum Osnabrück.
Aber auch den KI-Park Lingen, den Campus Berufliche Bildung in Nordhorn, das Coppenrath Innovation Center in Osnabrück und Expansionen wie die der emsländischen Mittelständler Hölscher Wasserbau oder Knoll würdigte Goebel ausdrücklich.
Diese Projekte nannte der Kammerpräsident „gute Vorzeichen für mehr Erfolg in 2026“. Doch dafür seien auch die richtigen politischen Entscheidungen notwendig. „Es ist Zeit, gute Entscheidungen zu treffen. Es ist Zeit, Grenzen zu überwinden“, so Goebel zum Abschluss seiner Rede.
Ministerpräsident Lies spendete unterdessen in Reihe eins im Alando Ballhaus kräftig Beifall.