Osnabrück  Der Osnabrücker Hallenfußball ist ein Spektakel – aber es liegt Potenzial brach

Malte Artmeier
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Von Malte Artmeier
| 13.01.2026 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ein atmosphärisches Highlight: Der Addi-Vetter-Cup ist Teil der besonderen Hallenfußballsaison in Osnabrück. Foto: Steve Weber
Ein atmosphärisches Highlight: Der Addi-Vetter-Cup ist Teil der besonderen Hallenfußballsaison in Osnabrück. Foto: Steve Weber
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Die fünf großen Hallenfußballturniere in und um Osnabrück sind für diesen Winter Geschichte. Sie haben Spektakel geliefert, aber auch Defizite aufgezeigt. Zeit für eine Bilanz – und eine Bestandsaufnahme der regionalen Szene.

Die Amateurfußballszene Osnabrücks kann sich glücklich schätzen. Mit den vier großen Qualifikationsturnieren Addi-Vetter-, Hüggel-, Indoor- und Fortuna-Cup sowie dem abschließendem Masters gibt es in der Region eine Hallensaison, die ihren Namen wirklich verdient. Hier kommen die Spieler und Vereine des gesamten Umkreises zusammen und neben dem sportlichen Wettkampf herrscht ein reger Austausch. Der Blick in die Nachbarkreise, etwa das Emsland oder Tecklenburg, zeigt: In Osnabrück wird Hallenfußball auf eine besondere Art und Weise gelebt. Die Winterzeit ist das große Glück unserer Fußballregion – denn unter dem Hallendach findet Spektakel statt. Die Bilanz des Winters.

Bei keinem einzigen Turnier wurde der Titel verteidigt. Es ist der Ausdruck der Unvorhersehbarkeit des Fußballs, gerade in der Halle. Der Zufall spielt eine große Rolle, auf engem Feld, im temporeichen Spiel mit kurzen Spielzeiten passieren verrückte Dinge. Und trotzdem haben alle fünf Turniere verdiente Sieger gefunden.

Beim Addi-Vetter-Cup etwa war es der SSC Dodesheide, der nach zwölf Jahre langer Durststrecke mal wieder den Titel gewann. Zu oft enttäuschte der SSC als einer der Favoriten in den letzten Jahren – nun stimmte die Mischung aus Coolness und Lässigkeit, gepaart mit individueller Klasse. Mit ganz ähnlichen Attributen holte der Landesligist SC Melle nicht nur den Hüggelcup, sondern auch das Hallenmasters. Der SCM um die Führungsspieler Dennis Greiff und Julian Ahrens war vielleicht nicht die interessanteste Mannschaft des Winters, aber die erfolgreichste, weil sie eben da war, als andere scheiterten.

In Bezug auf das Masters galt das vor allem für den TuS Bersenbrück. Der gewann zwar nach zwei titellosen Jahren endlich mal wieder den Fortuna-Cup – als einziger Oberligist der Region sollte das aber auch der Mindestanspruch sein. Zum Abschluss in Belm verfiel der TuS aber wieder in alte Muster und verlor die Nerven, als er in Bedrängnis geriet. Der TuS wollte eigentlich auch das Masters nach drei Jahren ohne Sieg mal wieder als das annehmen, was es ist: einer der wichtigsten Titel der Region. Dass es am Ende nicht reichte, ist für die Konkurrenz aber grundsätzlich eine gute Nachricht, weil es zeigt, dass die Qualität in der Breite stimmt.

Beim Indoor-Cup zeigten die Sportfreunde Lechtingen zudem mal wieder, dass sich Vereine und Mannschaften auch auf die Halle spezialisieren können: Für das Team um den Experten schlechthin, Luca Maunert, war es in einem traditionell ausgeglichenen Feld der fünfte Sieg in zehn Jahren.

Vor allem die Kreisligisten machten in diesem Jahr auf sich aufmerksam. Am weitesten kam ein für Außenstehende relativ unscheinbarer Club aus dem tiefen Osten des Landkreises: Die Masters-Teilnahme war für den TuS Bad Essen schon herausragend, Platz drei am Ende eine Sensation. Nach langen Jahren in der Kreisklasse hat sich der TuS im oberen Bereich der Kreisliga etabliert – und darf nach oben schielen. Ähnliches gilt für Rot-Weiß Sutthausen: Beim Addi-Vetter-Cup scheiterte das Team vom coolen Coach Uwe Niebusch erst im Finale – und auch wenn es beim Masters am Finaltag nicht weiterging, entwickelt sich auch hier vieles nach vorn.

Der TSV Wallenhorst befindet sich nach dem Abstieg in die Kreisliga mitten im Umbruch. Platz zwei beim Indoor-Cup und die Finaltag-Teilnahme beim Masters sind Beleg genug dafür, dass der Weg der jüngsten Truppe des Turniers der richtige ist.

Überraschungen gab es jedoch auch im negativen Sinne. Neben dem Bersenbrücker Masters-Auftritt ist hier vor allem eine Mannschaft zu nennen: Dass der VfR Voxtrup es als Titelverteidiger nicht mal ins Masters schaffte, sondern als Topfavorit auf den Vetter-Cup vorzeitig die Segel strich, war enttäuschend. Ansonsten bleibt der Eindruck: Das Masters ist für Teams aus der Stadt, etwa Dodesheide, nur Beiwerk. Das sollte sich dringend ändern.

Beim überwiegenden Teil der Vereine und Mannschaften genießt die Hallensaison ein hohes Ansehen – zurecht. Dennoch gab es vermehrt Stimmen aus den Clubs, dass es Probleme gebe, ausreichend Spieler für ihre Kader zu finden, um schlagkräftige Mannschaften zu stellen. Mit der SG Voltlage, dem SV Eintracht Neuenkirchen, dem TV Wellingholzhausen, dem TSV Riemsloh und dem TuS Berge fehlten gleich fünf Kreis-, bzw. Bezirksligisten komplett. Die Akteure sollten sich dabei vor Augen führen, dass der Amateurfußball zu keiner anderen Zeit im Jahr so eine hohe Aufmerksamkeit genießt. Nie spielt man von Kreisklasse bis Bezirksliga oder sogar darüber vor so vielen Zuschauern und mit der medialen Begleitung wie in den Wochen unter dem Hallendach. Das darf man als Spieler ruhig als Privileg begreifen.

Doch auch hier gibt es ein Aber: Beim Vetter-Cup zum Beispiel war die Schlosswallhalle an vier von fünf Tagen nicht ausverkauft. Auch beim Masters war die Belmer Halle an zwei Tagen nicht voll. Hier schlug zwar Sturmtief Elli zu, doch die Tendenz geht in die falsche Richtung. Die Vereine sind gefordert, ihre Mitglieder zu animieren. Und die Organisatoren, die insgesamt einen tollen Job machen und aufopferungsvoll für ihre Cups kämpfen, könnten sich an mancher Stelle durchaus auch mehr trauen: Deutlich mehr Präsenz in sozialen Netzwerken zum Beispiel – oder vielleicht auch eine Anpassung der Termine.

Denn zwischen den Jahren ballen sich die Spieltage und der Amateurfußballfan schafft es kaum, den Überblick zu wahren. Auch beim Masters wäre eine Anpassung denkbar. Warum nicht die Vorrunde am Donnerstag und Freitag austragen und den Finaltag am Samstag? Dann könnte die Siegerparty vor dem freien Sonntag ausgelassener ausfallen – und vielleicht würde sich die Halle angesichts des gastronomischen Angebots nicht so schnell leeren wie oft in den letzten Jahren.

Sie ist speziell und richtig gut, diese Hallensaison in unserer Region – und doch gibt es Dinge zu verbessern. Der Osnabrücker Amateurfußball hätte es verdient.

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