Hannover  Grundrechenart in der Grundschule: Wer kann schon schriftlich dividieren?

Jonas E. Koch
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Von Jonas E. Koch
| 12.01.2026 18:00 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Schriftliches Dividieren soll in Zukunft nicht mehr auf dem Lehrplan niedersächsischer Grundschulen stehen. Foto: dpa/ Harald Tittel
Schriftliches Dividieren soll in Zukunft nicht mehr auf dem Lehrplan niedersächsischer Grundschulen stehen. Foto: dpa/ Harald Tittel
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Grundschüler in Niedersachsen sollen nach Plänen des Kultusministeriums zukünftig kein klassisches schriftliches Dividieren mehr lernen. Wenn das Leistungsniveau sinkt, werden also einfach die Anforderungen gesenkt?

Das niedersächsische Kultusministerium traut den Grundschülern das klassische schriftliche Dividieren nicht mehr zu. Zahlreiche Generationen zuvor haben diese Feuertaufe der schulischen Karriere zwar gemeistert, doch das Verfahren sei zu komplex für Grundschüler, heißt es nun. Ab dem Schuljahr 2026/2027 sollen die Kinder deshalb erst ab Klasse 5 lernen, wie man schriftlich teilt – so sieht es das neue Kerncurriculum Mathematik vor.

In der Grundschule wird hingegen bald das sogenannte halbschriftliche Dividieren gelehrt, bei dem die Aufgabe in leichtere Teilaufgaben zerlegt wird. Die Schüler notieren die Ergebnisse und addieren sie anschließend.

Kein Wunder, dass die Änderung im Matheunterricht in vielen Lehrerzimmern nicht gut ankommt. Denn das Niveau an niedersächsischen Grundschulen war schon einmal besser. Forscher, Verbände und Lehrkräfte berichten seit Längerem übereinstimmend, dass immer mehr Kinder mit großen sprachlichen, mathematischen und sozialen Defiziten eingeschult werden. Nun also, so scheint es, werden auch die Anforderungen abgesenkt.

Doch die Änderung soll und könnte das Gegenteil bewirken und die mathematischen Fähigkeiten der Schüler wieder verbessern. Studien zeigen, dass die neue Rechenmethode für die Grundschule das Zahlenverständnis von Kindern fördert und Fehler reduziert. Schulen, Schülerschaft und Lehrmethoden wandeln sich, und das ist gut so! Wenn die Forschung diese Änderung des Curriculums nahelegt, warum nicht? Auch der Landeselternrat unterstützt das Vorgehen deshalb.

Außerdem: Wann haben Sie das letzte Mal schriftlich dividiert? Vielen Erwachsenen geht es wohl wie zukünftigen niedersächsischen Grundschülern: Sie wissen gar nicht, wie das geht. Selbst der Philologenverband gibt trotz heftiger Kritik an den Plänen zu, dass das schriftliche Dividieren „auch am Gymnasium nicht mehr geläufig ist oder belastbar abrufbar wäre“.

Wozu auch? „Später habt ihr auch nicht immer einen Taschenrechner in der Hosentasche!“ Diesen Satz dürften viele in ihrer schulischen Karriere von ihren Mathematiklehrern gehört haben. Doch das Smartphone hat schließlich alle vom schriftlichen Dividieren befreit. Wozu also überhaupt noch eine Fähigkeit lernen, die man nicht mal im Leistungskurs noch braucht – geschweige denn im Leben?

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