Osnabrück  Der Imbiss Vallo in Osnabrück ist für Gosia Marpot das Zuhause und Familie

Thomas Wübker
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Von Thomas Wübker
| 12.01.2026 14:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hinter der langen Theke im Imbiss Vallo in Osnabrück steht Gosia Marpot seit 25 Jahren. Foto: Thomas Wübker
Hinter der langen Theke im Imbiss Vallo in Osnabrück steht Gosia Marpot seit 25 Jahren. Foto: Thomas Wübker
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Der Imbiss Vallo an der Meller Straße in Osnabrück ist das älteste Schnell-Restaurant der Stadt. Gosia Marpot prägt seit 25 Jahren das Leben dort. Die Frau kann nicht ohne den Imbiss – und umgekehrt ist es wohl genauso.

Nach dem Mauerfall zog Gosia Marpot nach Deutschland. Zunächst lebte sie einige Jahre in Berlin, später kam sie – der Liebe wegen – nach Osnabrück. Eigentlich wollte sie Jura studieren. „Aber die Sprache …“, sagt sie. Deutsch hat sie dann in der Pommesbude gelernt.

2001 hat Hubert Vallo noch in dem Imbiss gearbeitet, den er 1962 eröffnet hat. Er hat Gosia Marpot eingestellt. Wenn sie über den Imbiss-Gründer spricht, trägt sie ein seliges Lächeln auf dem Gesicht. An das Einstellungsgespräch kann sie sich noch gut erinnern. „Er trug einen pinken Pulli und weiße Jeans und hatte ein sehr charmantes Lächeln.“

Sein Personal habe er immer respektiert und gesiezt, erzählt sie weiter. Als Hubert Vallo sie gefragt hat, wann sie anfangen könne, hat sie geantwortet: „Sofort“, so Gosia Marpot. Am Nachmittag des gleichen Tags stand sie dann hinter dem Tresen.

Die Sprache war für das Jurastudium eine unüberwindbare Hürde. Doch bei Vallo konnte Gosia Marpot nach und nach Deutsch lernen. „Ich habe jeden Tag fünf Sätze in meinem Kopf gespeichert. Irgendwann habe ich einen ‚Mischmasch‘ gemacht – und dann konnte ich Deutsch sprechen“, sagt sie lachend. Nur die Artikel, die bereiten ihr manchmal immer noch Probleme.

Aber das macht nichts. Für viele Gäste von Vallo, und darunter sind viele Stammgäste, ist Gosia Marpot nicht nur Köchin, sondern auch Ansprechpartnerin. Einer bringt mal die Gitarre mit und spielt ein paar Lieder, ein anderer berichtet leidenschaftlich davon, wie er seinen heimischen Garten umzäunt hat.

Manche Herren suchen Rat bei ihr, andere haben einfach nur Hunger, aber wenig Geld. „Bei uns kann keiner verhungern“, sagt sie resolut. Wenn der Magen eines Gastes knurrt, aber in dessen Portemonnaie Ebbe herrscht, dann bezahlt sie die Pommes eben aus eigener Tasche.

„Wenn die Wände reden könnten …“, sagt Gosia Marpot. Teilweise kommen die Gäste seit 40 Jahren zu Vallo. Früher hatte der Imbiss bis 2 Uhr nachts geöffnet. „Da kamen die Leute nach der Disco und standen in Dreier-Reihen vor der Theke.“ Auch unter den Nachteulen seien viele Stammgäste gewesen, berichtet Gosia Marpot. „Und ich wusste immer, was sie essen wollten.“

Wenn sie fragte: „Wie immer?“, wurde sie bisweilen erstaunt angeschaut. Auch Menschen, die nach einigen Jahren wieder in das Schnell-Restaurant kamen, wurden gefragt: „Wie immer?“ Gosia Marpot sagt, sie mag es, so mit Menschen umzugehen. Das gibt ihnen ein Gefühl von Zuhause- oder Angekommensein. „Die Leute suchen etwas, was deutsche Wurzeln hat, was eine Tradition ist“, sagt sie.

Gosia Marpot nimmt die Leute, wie sie sind und wie sie kommen. Sie sind ja bei ihr zuhause. So nennt sie ihren Arbeitsplatz in der Imbissbude an der Meller Straße. Mehr noch: Ihre Gäste, ihre Kollegen – das ist alles Familie. Da schließt sie ihren „neuen“ Chef ausdrücklich mit ein, auch wenn der anders ist als der Herr Vallo. „Der war alte Schule.“

Diese alte Schule, der respekt- und verständnisvolle Umgang mit den Gästen sowie die herzliche Art – das führt Gosia Marpot im Sinne von Hubert Vallo weiter. „Die Gastronomie liebt man oder hasst man. Etwas dazwischen gibt es nicht“, sagt sie.

Keine Frage, zu welcher Seite sie tendiert. „Was ich mache, kommt von Herzen“, lässt sie keinen Zweifel aufkommen. Manchmal kommen ehemalige Osnabrücker in den Imbiss, den sie noch früher kennen, und schwärmen. Wenn sie sagen, es sei alles noch so wie damals, ist das für Gosia Marpot ein großes Kompliment.

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