Osnabrück  Gesundheitsdienst warnt vor Grippewelle in der Region Osnabrück: Ein Grippe-Toter

Jean-Charles Fays
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Von Jean-Charles Fays
| 11.01.2026 08:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bei Grippe-Beschwerden wie hohem Fieber, Atemluftproblemen und länger andauernden Krankheitszeichen rät der Gesundheitsdienst für Stadt und Landkreis Osnabrück dazu, ärztlichen Rat einzuholen. Foto: imago images/stock&people/CTK/CandyBox
Bei Grippe-Beschwerden wie hohem Fieber, Atemluftproblemen und länger andauernden Krankheitszeichen rät der Gesundheitsdienst für Stadt und Landkreis Osnabrück dazu, ärztlichen Rat einzuholen. Foto: imago images/stock&people/CTK/CandyBox
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Die Grippewelle rollt in der Region Osnabrück. Der Gesundheitsdienst meldet einen Todesfall, steigende Infektionszahlen und viele Krankenhausaufenthalte nach einer Grippe. Was jetzt schützt und wer besonders gefährdet ist.

Die Grippe ist zurück – und sie trifft die Region früher als gewohnt. In Stadt und Landkreis Osnabrück verzeichnet der Gesundheitsdienst seit einigen Wochen einen deutlichen Anstieg laborbestätigter Influenza-Fälle. Besonders aufmerksam macht dabei ein gemeldeter Todesfall in der Region infolge einer Influenza-Infektion.

Bereits im Winter 2024/25 hatte sich gezeigt, wie stark eine Influenza-Saison ausfallen kann: Mit rund 2400 laborbestätigten Fällen in der Region Osnabrück lagen die Zahlen damals auf einem ungewöhnlich hohen Niveau. Auch in der aktuellen Saison rechnen Fachleute mit einer relevanten Grippewelle. In Deutschland stehen trivalente Impfstoffe zur Verfügung, die zwei Influenza-A-Stämme und eine Influenza-B-Linie abdecken – darunter auch einen Stamm, der der Schweinegrippe von 2009 ähnelt. Welche Altersgruppen derzeit besonders betroffen sind, wie die Lage in Stadt und Landkreis Osnabrück eingeschätzt wird und welche Schutzmaßnahmen jetzt wichtig sind, hat der Gesundheitsdienst für Stadt und Landkreis Osnabrück auf Anfrage unserer Redaktion schriftlich beantwortet.

Frage: Wie stellt sich die aktuelle Grippesituation in Stadt und Landkreis Osnabrück dar? Wie viele laborbestätigte Influenzafälle wurden bislang gemeldet?

Antwort: Von Sommer 2025 bis heute (8. Januar 2026) wurden dem Gesundheitsdienst 250 laborbestätigte Influenza-Nachweise übermittelt. Die Meldezahl spiegelt aber nur die Spitze des Eisbergs wider, da üblicherweise nur bei einem kleinen Teil der betroffenen Personen eine entsprechende Labordiagnostik vorgenommen wird.

Frage: Laut Robert Koch-Institut ist Deutschland seit Ende November 2025 (48. Kalenderwoche) von einer ausgeprägten Grippewelle betroffen. Ist auch in der Region Osnabrück seither ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen zu beobachten?

Antwort: Auch in der Region Osnabrück konnte ab der 48. Kalenderwoche ein signifikanter Anstieg der Meldezahlen beobachtet werden, wobei derzeit die Meldezahlen noch weit unter den Gipfelwerten der letzten Saison liegen.

Frage: Wie hoch schätzen Sie die tatsächliche Zahl der an Influenza oder anderen akuten Atemwegserkrankungen Erkrankten in Stadt und Landkreis ein?

Antwort: Eine seriöse Abschätzung der tatsächlich an Influenza erkrankten Personen ist kaum möglich. Der Krankenstand aufgrund von akuten respiratorischen Erkrankungen liegt in Niedersachsen aber noch geringfügig unter den Vergleichszahlen der letzten Saison zum entsprechenden Zeitpunkt.

Frage: Wurden in der Region Osnabrück schwere Krankheitsverläufe oder Todesfälle im Zusammenhang mit einer Influenza-Erkrankung gemeldet?

Antwort: Dem Gesundheitsdienst wurde in dieser Saison bislang ein Todesfall infolge einer Influenza-Infektion übermittelt. Hinzu kommt aber eine Reihe von Hospitalisierungen (Krankenhauseinweisungen; Anmerkung der Redaktion) infolge der Influenza-Infektion.

Frage: Welche Alters- oder Risikogruppen sind aktuell besonders betroffen?

Antwort: (Klein-)Kinder und ältere Menschen über 65 stellen bei den laborbestätigten Fällen die hauptsächlich betroffenen Altersgruppen dar.

Frage: Wie ordnen Sie den bisherigen Verlauf der Grippesaison in Osnabrück im Vergleich zu den Vorjahren ein?

Antwort: Die diesjährige Influenzasaison ist etwa vier Wochen früher gestartet – gegenüber dem sonst üblichen Beginn der vergangenen Saisons. Bei Berücksichtigung dieser zeitlichen Verschiebung liegt der Anstieg der Meldezahlen aber noch unter den Vergleichszahlen der Vorsaison. Es bleibt daher abzuwarten, wie sich die Grippewelle weiterentwickeln wird.

Frage: Welche Influenza-Virusvarianten dominieren nach Ihren aktuellen Erkenntnissen in Stadt und Landkreis Osnabrück?

Antwort: Derzeit dominieren die Influenza-A-Viren und, soweit eine weitergehende Differenzierung erfolgt, die Variante H3N2.

Frage: Wie bewerten Sie die Schutzwirkung der diesjährigen Grippeimpfung angesichts der derzeit kursierenden Virustypen?

Antwort: Der aktuelle Impfstoff enthält neben einer Influenza-B-Komponente die beiden Influenza-A-Stämme H1N1pan09 und H3N2. Somit kann davon ausgegangen werden, dass er auch gegen die jetzt vorherrschende neue H3N2-Variante einen weitgehenden Schutz bietet.

Frage: Wie ist aktuell die Versorgungslage mit Grippeimpfstoff in der Region Osnabrück?

Antwort: Wenn es auch vereinzelt Meldungen über kurzzeitige Lieferengpässe gibt, sind nach Auskunft des Paul-Ehrlich-Institutes bislang keine großräumigen Versorgungsengpässe beim saisonalen Influenza-Impfstoff bekannt.

Frage: Lohnt es sich auch im Januar noch, sich gegen Grippe impfen zu lassen?

Antwort: Auch im Januar kann durchaus noch eine Grippeschutzimpfung sinnvoll sein, da der Gipfel erfahrungsgemäß erst Ende Februar/Anfang März erreicht wird.

Frage: Welche Bevölkerungsgruppen sollten sich aus Ihrer Sicht derzeit besonders dringend impfen lassen?

Antwort: Ältere Menschen sowie Personen mit chronischen Grunderkrankungen, wie zum Beispiel Atemwegs-, Herz- oder Kreislauferkrankungen, Diabetes, geschwächtem Immunsystem, sowie medizinisches und pflegerisches Personal, welches viele Kontakte zu Patienten beziehungsweise Bewohnenden hat, sollten sich durchaus noch gegen die saisonale Grippe impfen lassen, soweit dies noch nicht erfolgt ist.

Frage: Welche Schutz- und Hygienemaßnahmen empfehlen Sie angesichts der aktuellen Grippewelle?

Antwort: Personen mit akuten Atemwegsinfektionen, losgelöst von einem Erregernachweis, sollten Umgebungskontakte minimieren. Dies gilt insbesondere für Kontakte zu Risikopersonen. Das Tragen einer Maske kann insbesondere in Innenräumen mit größeren Personenansammlungen auf engem Raum eine sinnvolle Schutzmaßnahme darstellen. Es kann auch bei Erkrankten den Ausstoß von Krankheitserregern reduzieren. Grundsätzlich sollte auf eine gute Basishygiene geachtet werden. Husten in die Armbeuge und gründliches Händewaschen nach Kontakt mit kontaminierten Oberflächen oder nach dem Naseputzen, können die Erregerübertragung minimieren. Insbesondere gefährdete Personen sollten für sich abwägen, ob sie während der akuten Grippewelle Orte mit größeren Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen meiden können. Leider kann es bei vielen viralen Infektionen schon ein bis zwei Tage vor Auftreten der typischen Symptome zu einer Erregerausscheidung über Aerosole kommen.

Frage: Bei welchen Symptomen sollten Betroffene zeitnah ärztlichen Rat einholen?

Antwort: Bei hohem Fieber, Atemluftproblemen und länger andauernden Symptomen sowie in Abhängigkeit von bestehenden Vorerkrankungen kann eine ärztliche Abklärung ratsam sein. Ansonsten sollten Bettruhe, eine hohe Flüssigkeitszufuhr und die Vermeidung von längeren Anstrengungen, auch nach der akuten Krankheitsphase, beherzigt werden.

Frage: Woran lässt sich eine echte Influenza von einem grippalen Infekt unterscheiden?

Antwort: Typisch für eine Influenza-Infektion („echte Grippe“) ist meist ein relativ plötzlicher Krankheitsbeginn mit einem ausgeprägten Krankheitsgefühl, wozu häufig neben Fieber, auch Kopf- oder Gliederschmerzen gehören können. Viele andere grippale Infekte zeichnen sich dadurch aus, dass sich Erkältungssymptome, wie Husten oder Schnupfen, über Tage steigern.

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