Osnabrück DRK-Affäre in Osnabrück: Keine Jahresabschlüsse übermittelt, dafür aber falsche Daten?
Die jahrelangen Missstände im DRK-Kreisverband Osnabrück-Stadt gewinnen weiter an Kontur. Wie der Landesverband mitteilt, seien aus Osnabrück seit Jahren keine Jahresabschlüsse vorgelegt worden. Wohl aber offenbar gefälschte Daten.
Der DRK-Kreisverband Osnabrück-Stadt hat in den vergangenen Jahren keine Jahresabschlüsse an den Landesverband übermittelt. Dort gab es offenbar früh Sorge, dass der Osnabrücker Verband in eine Schieflage geraten würde. Pikant: Der vormalige Geschäftsführer übermittelte offenbar gefälschte Daten nach Hannover.
Das teilt der niedersächsische Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes auf Anfrage unserer Redaktion mit. Obschon mehrfach angemahnt, habe der vormalige Geschäftsführer des Kreisverbandes Osnabrück-Stadt demnach Jahresabschlüsse nicht abgeliefert. Verpflichtet war er dazu nicht. Rechtlich ist der Verband, der sich mittlerweile in einem Insolvenzverfahren befindet, ein eigenständiger Verein.
Der Landesverband bietet nach eigenen Angaben den insgesamt 43 selbstständigen Kreisverbänden in Niedersachsen allerdings an, wirtschaftliche Entwicklungen zu prüfen. So sollen Risiken und drohende Liquiditäts-Engpässe frühzeitig erkannt werden. Der Landesverband habe dazu eigens eine Art „Frühwarnsystem“ entwickelt. „Hierbei ist der Landesverband auf die Zulieferung der Daten aus den Mitgliedsverbänden angewiesen“, heißt es von einer Sprecherin aus Hannover.
Während in den jüngsten Jahren keine Jahresberichte mehr vom Verband Osnabrück-Stadt kamen, habe dessen vormaliger Geschäftsführer durchaus eine Reihe wirtschaftlicher Kennzahlen geliefert. „Nach aktuellem Stand gehen wir davon aus, dass uns im Rahmen des Frühwarnsystems falsche Daten übermittelt worden sind“, heißt es von der Sprecherin. Weitere Details könnten sich im Zuge des Insolvenzverfahrens ergeben.
Das Präsidium des angezählten Osnabrücker DRK-Verbandes zeigt sich von Angaben aus Hannover überrascht. „Weder hatten wir Kenntnis darüber, dass dem Landesverband keine Abschlussberichte vorgelegt sein sollen, noch darüber, dass die Geschäftsführung fehlerhafte Daten an den Landesverband übermittelt haben soll“, heißt es von Schatzmeister Paul Schneiderle.
Welche Daten konkret falsch übermittelt worden sein könnten, lässt der Landesverband offen und verweist auf das laufende Insolvenz- sowie das Strafverfahren. Es sei nun Sache der Juristen, etwaiges Fehlverhalten festzustellen.
Klar ist unterdessen, dass der Landesverband Niedersachsen im vergangenen Jahr die neue Tagespflegeeinrichtung des DRK im Stadtteil Westerberg unter die Lupe genommen hatte. Die hatte im Frühjahr 2025 eröffnet – deutlich später, als ursprünglich geplant. Mit der Freistellung von Geschäftsführer Mike Reil musste die Tagespflege im Dezember 2025 dann schon wieder schließen – niemand sonst war in dem Verband als Heimleitung qualifiziert.
Der Landesverband ging nach einer Prüfung im vergangenen Jahr davon aus, dass die Tagespflege nicht wirtschaftlich zu betreiben sei. Der Kreisverband Osnabrück-Stadt habe damals auch einen entsprechenden Hinweis erhalten.
Die Pläne für die Einrichtung reichten bis ins Jahr 2023 zurück. Damals rekrutierte der Verband bereits Personal für die Tagespflege und für ein Inklusionscafé, das er in direkter Nachbarschaft betreiben wollte.
Ende November hatte das Präsidium des DRK-Kreisverbandes Osnabrück-Stadt Geschäftsführer Reil freigestellt. Im Dezember folgte dann die Nachricht, dass der Verband einen Insolvenzantrag gestellt und den vormaligen Geschäftsführer angezeigt habe. Welche Vorwürfe das Präsidium gegen ihn erhebt, ist unklar. Bei der Staatsanwaltschaft war bis Freitag, 9. Januar, kein Verfahren gegen Reil bekannt, das auf eine entsprechende Strafanzeige zurückgehen würde. Denkbar ist, dass der Vorgang bislang nur bei der Polizei liegt.
Staatsanwaltschaftlich bekannt ist derzeit nur ein Verfahren des Zolls gegen den vormaligen Geschäftsführer. Darin geht es unter anderem um Mindestlohnverstöße im Zusammenhang mit einem Corona-Testzentrum, das das DRK betrieb.