Osnabrück Osnabrücker Fußballlehrer Daniel Thioune: Es darf gern bald wieder losgehen …
Daniel Thioune, Spieler und Aufstiegstrainer des VfL Osnabrück und zuletzt Coach bei Zweitligist Fortuna Düsseldorf, hat in den letzten Wochen den Abstand vom Profifußball durchaus genossen. Nun aber entwickelt der 51-Jährige Lust auf neue Aufgaben – und der Fußballlehrer aus Osnabrück hat recht klare Vorstellungen zu seiner Zukunft.
„Fußballtrainer sein, ist und bleibt ein absolutes Privileg. Dennoch tut ein zeitweiliger Ausstieg aus dem Hamsterrad des Profibetriebes auch mal gut“, sagt Daniel Thioune. Der Osnabrücker Fußballlehrer, der 2019 den VfL zum Aufstieg in die 2. Bundesliga geführt hatte, coachte zuletzt mehr als dreieinhalb Jahre Zweitligist Fortuna Düsseldorf, ehe er Anfang Oktober freigestellt wurde. Am Rande des Osnabrücker Hallenfußball-Highlights Addi-Vetter-Cup sprach der 51-Jährige über jene bewegte Zeit, natürlich auch über den VfL Osnabrück - und über seine Zukunftspläne.
„Ich denke, ich kann sagen, dass ich die Fortuna durch die Vordertür verlassen habe“, sagt Thioune über die Freistellung bei den Rheinländern vor zwei Monaten - nach drei Jahren überaus erfolgreicher wie kontinuierlicher Arbeit, in der sich die am Rand des Absturzes in die Drittklassigkeit stehende Fortuna zum Spitzenteam der 2. Bundesliga gemausert hatte. Düsseldorf schloss unter Thioune die Spielzeiten ab auf den Plätzen zehn, sechs, vier und drei - und hätte beinahe den Aufstieg in die Eliteliga geschafft.
„Ich war 90 Minuten von der Bundesliga entfernt. Sportlich werde ich wohl keine größere Niederlage mehr erleiden als im Rückspiel der Relegation einen 3:0-Vorsprung abzugeben“, erinnert sich der Fußballlehrer an das bittere Scheitern gegen den VfL Bochum im Sommer 2024. Dennoch bleibt die Rückschau positiv: „Ich hatte eine tolle Mannschaft und auch abseits davon viele dauerhafte Bänder nach Düsseldorf geknüpft, weil ich großartige Menschen kennengelernt habe auf der Geschäftsstelle, im Verein und darüber hinaus“, sagt Thioune.
Nach Jahren in der Zweitliga-Spitzengruppe habe man sich bei der Fortuna dann genötigt gesehen, sich zu einem größeren Ziel zu bekennen, erinnert sich der 51-Jährige: „Wir hatten in all den Jahren zuvor immer wieder Topspieler verloren, teils für sehr viel Geld verkauft. Dann haben wir im Sommer relativ laut geschrien, dass wir um den Aufstieg mitspielen wollen - das war nicht gut, weil sich früh in der Saison gezeigt hat, dass der diesjährige Kader definitiv nicht die Qualität für die Top fünf hat“, so Thioune. Irgendwann hatte der Osnabrücker das als Trainer auch öffentlich kommuniziert - was nicht bei allen im Klub gut ankam.
Inzwischen ist neben Thioune auch Klaus Allofs nicht mehr in Düsseldorf tätig - neben dem Sportvorstand musste auch Sportdirektor Christian Weber gehen. Unter Nachfolge-Trainer Markus Anfang ist der Punkteschnitt in dieser Saison noch weiter gesunken - von 1,25 unter Thioune auf 0,78 unter Anfang. Die Fortuna ist auf den Abstiegs-Relegationsrang abgerutscht. Das aber sind nun nicht mehr die Kopfschmerzen des Osnabrücker Fußballlehrers, der in den Wochen vor Weihnachten seine Wohnung in Düsseldorf aufgelöst hat und zu seiner Familie zurückgezogen ist.
„Ich habe zuletzt bewusst Abstand gesucht vom Profifußball und durchgeatmet“, sagt Thioune. Nur das DFB-Pokalspiel Dortmund gegen Leverkusen hat er live im Stadion erlebt - ansonsten hielt er sich über die Liveübertragungen im TV auf dem Laufenden. „Ich habe vieles angeschaut“, sagt der Fußballlehrer, der auch den Weg seiner Ex-Klubs weiter verfolgt hat: Düsseldorf und natürlich den VfL Osnabrück. „Die Mannschaft hat eine tolle Entwicklung genommen nach dem schwierigen Jahr 2024“, sagt Thioune und ergänzt: „Timo Schultz macht gute Arbeit - und dass Joe Enochs zurück ist, tut dem VfL unfassbar gut, weil er weiß, was die Fans in Osnabrück sehen wollen.“
Die Freude wäre groß, wenn die Lila-Weißen nach 90+6 und dem super-dominanten Aufstieg unter Thioune in 2018/19 ein weiteres Erfolgskapitel schreiben würden, mit dem zuvor keiner rechnen konnte, so der 51-Jährige. Ob es dazu reicht, wird man im Mai wissen - was Thioune dann macht, steht noch in den Sternen. Dass der von 2020 bis 2021 auch beim Hamburger SV aktive Coach nicht gewillt ist, seinen noch bis 2028 laufenden Vertrag in Düsseldorf auszusitzen, wird klar, wenn er sagt: „Es darf gerne bald wieder losgehen.“
Ob in den nächsten Monaten im Saisonendspurt oder erst zur neuen Saison - bei der Planung des Einstiegszeitpunkts bei einem neuen Klub hat Thioune keine Prioritäten. „Die Wahrscheinlichkeit, dass man im Sommer ein Team übernimmt und das so frühzeitig feststeht, dass man die Kaderplanung mitgestalten kann, ist illusorisch.“ Realistischer sei eine Übernahme im laufenden Prozess mit kurzfristiger Vorbereitung auf die neue Aufgabe.
Erste Anfragen habe es schon gegeben, etwa aus Österreich, berichtet Thioune. „Wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre natürlich das Premiumprodukt Bundesliga mein Wunsch. Vorstellen könnte ich mir aber auch ein Auslands-Engagement mit Perspektive, etwa in der Championship (2. Liga) in England oder mit der Chance, europäisch zu spielen und unter der Woche aktiv zu sein“, so der Osnabrücker.