Schneefrei Homeschooling an Auricher Schulen – so läuft es
Wegen des Winterwetters fällt der Unterricht an Auricher Schulen aus. Richtig frei haben Schüler und Lehrer aber nicht. Es gibt Aufgaben für den heimischen Schreibtisch.
Aurich - Mit eisigen Temperaturen, Schneefall und glatten Straßen hat am Mittwoch, 7. Januar, der Winter Einzug in Ostfriesland gehalten. Die Folge: Einstellung des Schulbusbetriebs und vorerst zwei Tage schulfrei. Doch die erste Freude bei Schülern und Schülerinnen dürfte getrübt sein. Denn zwischen Schlittenpartie und Schneemannbau muss doch noch ein bisschen gebüffelt werden. Während die allgemeinbildenden Schulen auch in Aurich am Donnerstag und Freitag geschlossen sind, sind die Berufsbildenden Schulen in den Distanzunterricht gewechselt. Wir haben nachgefragt, wie es läuft.
Probleme mit IServ und Ausweichmöglichkeiten
An der BBS 1 und BBS 2 in Aurich werden in diesen Tagen wohl Erinnerungen an die Corona-Pandemie wach. Denn für Schüler und Schülerinnen sowie Lehrkräfte ging es am Donnerstagmorgen ins Distanzlernen, auch Homeschooling genannt. An beiden Berufsbildenden Schulen waren auch die meisten Lehrkräfte zuhause geblieben und nahmen über die digitale Schulplattform Iserv oder das Lernmanagementsystem Moodle Kontakt mit den Schülern auf. Das hat an beiden Schulen recht gut funktioniert, wie eine Anfrage der Redaktion zeigt. An der BBS 1 sei es allerdings direkt zum Start des digitalen Schultages zu erheblichen Problemen mit dem Videokonferenz-Tool von IServ gekommen, bestätigte Schulleiter Detlef Penske.
Das habe sich aber im Laufe des Vormittags gebessert. Zudem habe man gut auf die ebenfalls installierte Lernplattform Moodle ausweichen können. Dieses Lernmanagementsystem werde an der BBS 1 im Schul- und Unterrichtsalltag eingesetzt, die Schüler und Schülerinnen sowie die Lehrer seien geübt im Umgang. „Im Moment funktioniert alles reibungslos“, so Penske am späten Vormittag gegenüber der Redaktion. Das Team der BBS 1 habe sich zudem bereits in den vergangenen Tagen auf einen möglichen Distanzunterricht vorbereitet, als die Wetterlage absehbar gewesen sei, so der Schulleiter weiter. Distanzunterricht sei immer eine Herausforderung. „Aber wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und sind vorbereitet“, so Penske. Im Nachgang will man an der BBS 1 die Erfahrungen auswerten, um für den nächsten Fall noch besser gewappnet zu sein.
Bestens vorbereitet durch regelmäßiges Training
Bestens gewappnet zeigten sich am Donnerstagmorgen offenbar auch Penskes Kollegen von der nebenliegenden BBS 2. Die Redaktion erreichte den stellvertretenden Schulleiter Dr. Matthias Busker direkt im Anschluss an eine Videokonferenz. „Es gab an unserer Schule keinerlei Probleme“, sagte Busker, der an der Schule unter anderem für die IT zuständig ist. Er habe den Vormittag über mit Lehrkräften und Schülern in Kontakt gestanden und keinerlei negative Rückmeldungen erhalten. „Wir sind gut zurechtgekommen“, so Busker. Das mag auch daran liegen, dass das Team der BBS 2 seit der Corona-Pandemie in Sachen Distanzlernen am Ball geblieben ist. „Wir führen mehrfach im Jahr geplante Distanzlerntage durch, damit wir perfekt auf solche Situationen vorbereitet sind“, so Dr. Matthias Busker. Jeder Schüler und jede Schülerin bleibe auf diesem Wege mal für einen Tag zuhause und lerne den Umgang mit der Technik. Aber nicht nur die Schülerschaft sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiter geschult worden. Unter anderem hätten Lehrkräfte sich fortgebildet, um Arbeits- und Lernmaterialien entsprechend aufbereiten zu können. Denn je nach benutztem Endgerät stellten sich etwa Arbeitsblätter anders dar, so Busker.
Auch technisch hat die BBS 2 offenbar seit der Pandemie am System Distanzunterricht gefeilt. „Damals lief es gar nicht gut“, erinnert sich Busker. Seitdem habe man sich gemeinsam mit den IT-Experten immer weiter rangetastet, IServ weiter für den Bedarf der Schule optimiert. „Inzwischen läuft IServ so gut, dass alle Schüler gleichzeitig an Online-Konferenzen teilnehmen können.“ Zusätzlichen Nutzen bringe die Weiterentwicklung des Systems mit integrierten KI-Elementen und klaren Standards für den Distanzunterricht. „Wir werden auch nach dieser Distanzunterrichts-Einheit das Feedback von Schülern und Lehrkräften einholen“, so Busker gegenüber der Redaktion.
Minusstunden für Lehrkräfte
Während Auricher BBS-Schüler also die Vormittage in Videokonferenzen quasi im Live-Unterricht verbringen, sieht es an den anderen Schulen anders aus. Die Schüler erhalten hier Aufgaben über die entsprechenden Online-Module. Es habe keine Überlegungen gegeben, ins Distanzlernen zu wechseln, sagt Kathrin Peters, Leiterin der Realschule auf Anfrage der Redaktion. „Wir haben unsere Schüler am Mittwoch vor Schulschluss darauf hingewiesen, dass sie Webuntis checken sollen“, so Peters. Die Schulleiterin ist eine der wenigen Lehrkräfte, die am Donnerstagmorgen in der Realschule arbeiten. „95 Prozent der Lehrkräfte sind im Home-Office und bleiben gegen Minusstunden zuhause“, so Peters.
Zahlreiche Lehrer der Realschule würden derzeit aber eh einen „Berg an Plusstunden“ vor sich herschieben, da in der Vorweihnachtszeit aufgrund der Krankheitswelle viele Vertretungsstunden angefallen seien, so Peters. Andere Lehrkräfte seien an den schneefreien Tagen im neu gebauten Naturwissenschaftstrakt der Schule mit Restarbeiten beschäftigt.
Notbetreuung nicht in Anspruch genommen
Auch die Lehrkräfte des Gymnasiums Ulricianum arbeiteten am Donnerstagvormittag überwiegend vom heimischen Schreibtisch aus. „So kurz vor dem Ende des ersten Schulhalbjahres gibt es immer noch viel zu tun“, sagte Schulleiter Rüdiger Musolf auf Anfrage. Noten müssten eingetragen und letzte Korrekturen gemacht werden. Die Schüler und Schülerinnen von Niedersachsens größtem Gymnasium erhielten währenddessen über ein Online-Modul Aufgaben, die dann in der kommenden Woche im Präsenzunterricht besprochen werden. Am Donnerstag war die Verwaltung sowie die Schulleitung noch vor Ort besetzt. „Wie es am morgigen Freitag aussieht, kann ich jetzt noch nicht sagen“, so Musolf. Im Laufe des Vormittags wurde die Notbetreuung, die das Gymnasium für die beiden schneefreien Tage für Schüler der fünften bis siebten Klasse angeboten hatte, für Freitag abgesagt. „Wir hatten allerdings auch für Donnerstag keine einzige Anmeldung für die Notbetreuung“, so Rüdiger Musolf.
Online-Aufgaben für die IGS-Oberstufe
Zumindest für die Oberstufenschüler und -schülerinnen der IGS Aurich geht es an den schneefreien Vormittagen ebenfalls an den Schreibtisch. „Für die Kursleitungen der Gymnasialen Oberstufe unserer Schule ist es klar, dass individuell Aufgaben in das IServ-Aufgabenmodul gestellt werden können, da wir auch erwarten können, dass alle Schüler und Schülerinnen die Möglichkeiten haben, ohne weitere Vorbereitungen schulischerseits, dies technisch umsetzen zu können“, schreibt Schulleiterin Dr. Dorothee Göckel auf Anfrage der Redaktion. In der Sekundarstufe 1, also den Klassen fünf bis zehn, seien ohne diese Vorbereitung zu viele Schüler und Schülerinnen benachteiligt, weil sie technisch nicht in der Lage seien, aus dem Stande heraus einem Distanzunterricht zu folgen oder digital Aufgaben zu bearbeiten, so Göckel weiter. „Die Lehrkräfte sind im Homeoffice, da wir zur Zeit die Lernentwicklungsberichte und Zeugnisse vorbereiten und dazu zahlreiche unterschiedliche Gruppierungen Dienstbesprechungen online miteinander durchführen. Ebenso werden in den Fachbereichsgruppen Planungen und Unterrichtsvorhaben besprochen“, so die IGS-Leitung abschließend.