Osnabrück  Winterdienst auf Osnabrücker Radwegen: Verbesserungen erkennbar, aber...

Jörg Sanders
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Von Jörg Sanders
| 08.01.2026 11:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Lebensgefährlich für Radfahrer: der Radweg an der Rheiner Landstraße in Osnabrück. Foto: Radreflektor
Lebensgefährlich für Radfahrer: der Radweg an der Rheiner Landstraße in Osnabrück. Foto: Radreflektor
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In den vergangenen Tagen hat es in Osnabrück wiederholt glatte Straßen durch Schnee und überfrierende Nässe gegeben. Wie steht es diesmal um den Winterdienst auf Radwegen?

Und alljährlich grüßt das Murmeltier: Bei Eis- und Schneeglätte gibt es Beschwerden über nicht geräumte und gestreute Radwege in Osnabrück, während die Fahrbahnen für Autos frei sind. So auch in den vergangenen Tagen. Aber bei Weitem nicht nur: Offenbar gibt es auch deutliche Verbesserungen gegenüber vergangenen Jahren – verbunden mit Lob.

Auf Kanälen wie Instagram und Mastodon, einem Netzwerk ähnlich X (vormals Twitter), moniert etwa der Nutzer Radreflektor am Sonntag vier freie Fahrspuren auf dem Kurt-Schumacher-Damm, wohingegen die Radfahrstreifen zugeschneit und vereist seien. Fotos, die er unserer Redaktion zur Verfügung stellte, zeigen das.

Vergleichbare Fotos vom Kurt-Schumacher-Damm mit unbenutzbaren Radfahrstreifen veröffentlichte Radreflektor auch schon im Februar 2025 und Januar 2024.

Auch an der Rheiner Landstraße seien die Radwege demnach auch nach Tagen teilweise vereist gewesen. Die Stadt warne vor dem Betreten der Eisflächen (von Seen). „Kein Problem: Sollen sie auf Radwege ausweichen. Da kann man stellenweise auch Schlittschuh fahren“, schreibt Radreflektor unserer Redaktion.

Von anderen Radfahrern gibt es hingegen positive Rückmeldungen. Ob Mindener, Hannoversche oder Belmer Straße: geräumt und frei.

Dafür gibt es Lob vom Osnabrücker Radentscheid: „Erst mal bedanken wir uns bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Servicebetriebs, die schon unterwegs sind und für freie Straßen sorgen, während die meisten von uns noch im Bett liegen und schlafen“, teilt dieser auf Anfrage mit.

Der Winterdienst habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Der Radschnellweg an der Schlachthofstraße oder die Belmer Straße zeigten: Guter Winterdienst sei möglich.

Wo Licht ist, ist auch Schatten: „Wenn man sich in den letzten Tagen allerdings zum Beispiel den Kurt-Schumacher-Damm angeschaut hat, kann man immer noch den Eindruck bekommen, dass auch beim Winterdienst das Auto noch im Fokus steht. Die Fahrbahn ist frei, der Radfahrstreifen leider nicht“, schreiben die Köpfe hinter dem Radentscheid.

„Ärgerlich bleibt auch, dass spiegelglatte Kreuzungsflächen in den Fahrradstraßen lange bestehen bleiben und bedeutende Nebenrouten für Radfahrerinnen und Radfahrer teils sehr spät oder gar nicht geräumt werden.“

Zum Hintergrund: An einigen Stellen sind Fahrradstraßen in den Kreuzungsbereichen gepflastert, statt asphaltiert. Ein Video von den Aktivisten der Kettenreaktion Osnabrück und Fridays for Future Osnabrück aus dieser Woche zeigt das spiegelglatte Pflaster.

Der Radentscheid resümiert: „Insgesamt besteht aus unserer Sicht also noch Nachbesserungsbedarf – die Priorisierung und Organisation des Winterdienstes sollte weiter optimiert werden. Denn wer möchte, dass mehr Menschen sicher mit dem Rad unterwegs sind, muss auch im Winter für durchgängig befahrbare Wege sorgen.“

Der Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) erledigt den Winterdienst für 480 Kilometer Straße und mehr als 100 Kilometer Radwege. „Je nach Wetterprognose gibt es unterschiedliche Rufbereitschafts- und Winterdienststufen. Die Einsatzzeiten sowie die Häufigkeit und die Dauer der Einsätze richten sich nach den jeweiligen Wetterlagen“, erklärt OSB-Sprecherin Kathrin Hofmann.

Am Dienstag, 23. Dezember, sei aufgrund der Wetterprognose die Stufe 3 ausgerufen worden. Am Freitag, 2. Januar, rief der OSB seine höchste Warnstufe 6 aus. Das bedeutet „einen Volleinsatz mit 240 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Wechselschicht und der vollständigen Fahrzeugtechnik“, erklärt Hofmann.

Und das wiederum bedeutet:

Am Montag, 5. Januar, habe der OSB die Warnstufe auf Stufe 5 herabgestuft, so Hofmann weiter. Am Mittwoch, 7. Januar, sei erneut die höchste Warnstufe ausgerufen worden.

„Insgesamt waren in den letzten Tagen circa 240 Mitarbeitende im Winterdienst aktiv. Davon circa 40 Mitarbeitende im 24-Stunden-Schichtbetrieb und circa 200 Mitarbeitende in der Regel ab 4 Uhr nachts, 7 Uhr oder 11 Uhr morgens – je nach Einsatzgebiet und -zweck“, erläutert die OSB-Sprecherin. Fußgängerüberwege, Fußgängerbrücken, Bushaltestellen würden hauptsächlich von zwölf Handreinigungskolonnen in Handarbeit gesäubert.

Nun konkret zum vereisten Kurt-Schumacher-Damm und anderen Straßen ohne Hochbordradwege. Denn wenn die Schutz- und Radfahrstreifen auf Straßenniveau seien, gebe es ein Problem: „Am Fahrbahnrand ist ein Abstand von mindestens 30 Zentimetern zu Bordsteinkanten beziehungsweise zu parkenden Kraftfahrzeugen von mindestens 50 Zentimetern notwendig, um Schäden und Unfälle zu vermeiden“, erklärt Hofmann.

Daher könnten Radfahrstreifen nicht auf ganzer Breite geräumt werden. „Auch das Streumittel entfaltet auf Radwegen langsamer seine Wirkung.“ Viele Autoreifen würden es schneller und weiter verteilen als wenige Fahrradreifen.

Nicht im Winterradnetz der Stadt aufgeführt sind die meisten Fahrradstraßen, von denen es mittlerweile zehn in der Stadt gibt.

Sie haben beim OSB „Winterdienstpriorität 2“, sagt Hofmann. Sie würden angefahren, wenn alles, was Priorität 1 hat, abgefahren ist und noch Kapazitäten vorhanden sind. Und sofern nicht die Wege der Priorität erneut geräumt werden müssten.

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