Mallorca  Spanien und „Tourists go home“: Warum mehr Urlauber denn je kommen

Ralph Schulze
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Von Ralph Schulze
| 07.01.2026 13:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Spanien behauptet seine Stellung als zweitwichtigstes Reiseziel der Welt – direkt hinter Frankreich. Foto: IMAGO / Eibner
Spanien behauptet seine Stellung als zweitwichtigstes Reiseziel der Welt – direkt hinter Frankreich. Foto: IMAGO / Eibner
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Die Touristenzahlen in Spanien steigen langsamer, doch die Einnahmen gehen durch die Decke. Urlauber gaben 2025 deutlich mehr Geld für Hotel und Gastro aus. Warum das Land trotz der Preissteigerungen boomt und was 2026 geplant ist.

In Spanien ging ein touristisches Rekordjahr zu Ende. Das südeuropäische Ferienland verfehlte nur knapp die symbolische Marke von 100 Millionen internationalen Urlaubern. Nach Branchenangaben kam das Land im abgelaufenen Jahr 2025 auf annähernd 97 Millionen ausländische Gäste.

Damit setzt sich der schon länger anhaltende Tourismusboom in Spanien fort. Die magische 100-Millionen-Grenze dürfte nach Einschätzung von Experten bereits 2026 fallen – angesichts weiterhin guter Buchungslagen und optimistischer Prognosen.

Die zahlreichen Protestaktionen gegen Massentourismus und teils aggressive Parolen wie „Tourist go home“ an Hauswänden auf Mallorca, den Kanaren oder in Barcelona haben die Reiselust offenbar kaum gebremst. Trotz Demonstrationen und wachsender Kritik in Teilen der Bevölkerung blieb Spanien auch 2025 eines der gefragtesten Urlaubsländer weltweit.

Mit diesen Zahlen behauptet Spanien seine Stellung als zweitwichtigstes Reiseziel der Welt – direkt hinter Frankreich. Zugleich vergrößert sich der Abstand zur drittplatzierten Nation, den Vereinigten Staaten. Die USA sind eines der wenigen großen Reiseländer, in denen der internationale Tourismus zuletzt rückläufig war – unter anderem wegen einer zunehmenden Verunsicherung Reisender infolge verschärfter Einreisebestimmungen sowie des politischen Klimas unter Präsident Donald Trump.

Spaniens sozialdemokratischer Ministerpräsident Pedro Sánchez sieht derweil in dem Reiseboom Richtung Spanien einen Vertrauensbeweis. „Wenn uns so viele Menschen besuchen, dann nicht ohne Grund.“ Spanien sei ein „sicheres, offenes und tolerantes Land“, sagte Sánchez.

Diese Botschaft kommt an: Die steigende Zahl internationaler Urlauber bestätigt, dass Spanien als attraktives Ferienziel gilt – nicht nur bei Europäern, sondern auch bei US-Amerikanern, deren Ankunftszahlen in Spanien deutlich steigen.

Zugleich zeigen die aktuellen Daten, dass das touristische Wachstum Spaniens etwas langsamer wird. Laut dem spanischen Statistikamt INE stieg die Zahl der internationalen Gäste um etwa 3,4 Prozent, auf den Balearischen Inseln mitsamt der beliebten Insel Mallorca um 2,6 Prozent. In den Vorjahren hatte Spanien zweistellige Zuwachsraten verzeichnet, was aber vermutlich mit der besonders großen Reiselust nach dem Ende der Corona-Pandemie zu tun hatte.

Doch das geringere Besucherwachstum im Jahr 2025 trübte das Geschäft kaum. Denn die Einnahmen der Tourismusindustrie legten im selben Zeitraum um rund 7 Prozent zu. Die Urlauber gaben im Schnitt mehr Geld aus – für Unterkünfte, Gastronomie, Kultur und Mobilität. Insgesamt trägt der Tourismussektor inzwischen knapp 13 Prozent zum spanischen Bruttoinlandsprodukt bei und bleibt damit der wichtigste Wirtschaftsmotor des Landes.

Auch dank des Tourismusbooms glänzte Spanien 2025 erneut mit einem überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent – ein Wert, von dem andere große EU-Staaten nur träumen können. Das mittlere EU-Wachstum in 2025 wurde seitens Brüssel zuletzt auf 1,4 Prozent geschätzt.

Der Präsident des spanischen Reiseindustrieverbands Mesa del Turismo, Juan Molas, blickt entsprechend zuversichtlich nach vorn. „Wir gehen 2026 mit einem optimistischen Geist und einem Ausblick auf moderates, aber nachhaltiges Wachstum an“, erklärte Molas. Grundlage der guten Aussichten seien unter anderem steigende Flugkapazitäten im neuen Jahr, gut gefüllte Buchungslisten sowie eine wachsende Zahl internationaler Kongresse und Großveranstaltungen in Spanien.

Gleichzeitig warnt der Verband vor Wachstumsgrenzen. Manche Reiseziele seien in der Hochsaison an ihr Limit gekommen – insbesondere die Balearen, die Kanaren und große Städte. Dazu gesellen sich erhebliche Probleme, ausreichend Personal für den sich ausdehnenden Tourismussektor zu rekrutieren.

Erschwerend kommt hinzu, dass auswärtige Saisonarbeitskräfte zunehmend Schwierigkeiten haben, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Dazu trägt auch der Boom von Ferienvermietungen bei: Immer mehr regulärer Wohnraum wird in teure touristische Unterkünfte umgewandelt, wodurch sich die allgemeine Wohnungskrise in Spanien zusätzlich verschärft.

Vor diesem Hintergrund geht die spanische Regierung inzwischen härter gegen illegale Ferienvermietungen vor. Vor Kurzem verhängte das Ministerium für Verbraucherschutz eine Geldstrafe von 64 Millionen Euro gegen die Plattform Airbnb.

Nach Angaben des Ministeriums hatte das Unternehmen in zehntausenden Fällen Ferienwohnungen ohne gültige Lizenz beworben. Die Sanktion verpflichtet Airbnb zudem, die illegalen Angebote zu blockieren. Verbraucherschutzminister Pablo Bustinduy erklärte, niemand stehe in Spanien „über dem Gesetz“ – auch große Reiseplattformen nicht.

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