US-Ansprüche auf Arktisinsel Trump-Drohungen: Streit um Grönland spitzt sich zu

Julia Wäschenbach und Jan Mies, dpa
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Von Julia Wäschenbach und Jan Mies, dpa
| 06.01.2026 05:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Normalerweise geht es in Grönland friedlich und beschaulich zu. Doch die Zeiten sind vorerst vorbei. (Archivbild) Foto: Steffen Trumpf/dpa
Normalerweise geht es in Grönland friedlich und beschaulich zu. Doch die Zeiten sind vorerst vorbei. (Archivbild) Foto: Steffen Trumpf/dpa
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Trump will Grönland - und plötzlich ist die Angst da, dass er seine Annexionspläne wahr macht. Was steckt hinter dem Streit? Und wie positioniert sich Deutschland?

Im Streit um Grönland wachsen die Spannungen zwischen den USA und Dänemark. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hält unbeirrt an ihrem Anspruch auf die Arktisinsel fest, die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen warnt mit der Unterstützung der großen europäischen Partner vor einem Ende der Nato.

Worum geht es in dem Streit?

Trump hatte in den vergangenen Tagen in Interviews bekräftigt, die USA bräuchten Grönland für die nationale Sicherheit. Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller bezeichnete den US-Anspruch sogar als „offizielle Position der US-Regierung“. Beide Äußerungen folgten auf den US-Militäreinsatz in Venezuela und die weltweite Sorge, Trump würde seinen Blick nun auch auf weitere Regionen werfen.

Grönland war bis 1953 eine Kolonie Dänemarks, hat aber seit 1979 immer größere Selbstverwaltungsrechte erhalten und ist inzwischen weitgehend autonom. Über Bereiche wie Außen- und Verteidigungspolitik entscheidet weiter Dänemark - durch die Anbindung an das Königreich ist Grönland auch Teil der Nato. Ein großer Teil der rund 57.000 Grönländer wünscht sich die vollständige Unabhängigkeit von Dänemark.

Trump hatte bereits 2019 in seiner ersten Amtszeit einen Besitzanspruch auf Grönland geäußert. Die Dänen hatten zunächst an einen Scherz geglaubt. Seitdem hat der US-Präsident seine Ansprüche auf die Arktisinsel mehrfach erneuert und dabei auch militärische Gewalt nicht ausgeschlossen, um Grönland unter seine Kontrolle zu bringen.

Trump will Grönland seit vielen Jahren. (Archivbild) Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Trump will Grönland seit vielen Jahren. (Archivbild) Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Was will Trump mit Grönland?

Trump nennt zwar die nationale Sicherheit als Hauptargument, es geht aber um mehr. Nicht nur die USA, sondern auch Länder wie China sind wegen der strategischen Lage und Rohstoffvorkommen unter dem Eis an Grönland interessiert. Die größte Insel der Welt liegt zwischen den USA, Russland und Europa und ragt weit in den Polarkreis hinein. Aufgrund des Klimawandels wird die Arktis zunehmend für die Schifffahrt interessant. Zudem werden in Grönland auch Vorkommen wichtiger Mineralien, darunter seltene Erden, vermutet. Seltene Erden stecken in allerlei täglichen Gebrauchsgegenständen wie Smartphones, Laptops und Fernsehern.

Trumps Sicherheitsargument wird zudem von Experten angezweifelt. Die USA haben schon jetzt weitgehende Rechte, die Insel zur eigenen Verteidigung zu nutzen - unter anderem durch ein Verteidigungsabkommen von 1951. Im abgeschiedenen Pituffik, etwa 1.500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nuuk, betreibt das US-Militär seit langem einen Militärstützpunkt. Dieser unterstützt Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen. Nach Einschätzung von Experten wäre es für die USA nicht notwendig, Grönland zu annektieren, um die Arktis sichern zu können.

Wie reagieren Dänemark und Grönland auf Trumps Drohungen?

Dänemark hat den US-Anspruch auf Grönland entschieden zurückgewiesen. Dänemarks Regierungschefin Frederiksen sagte: „Wenn die USA ein anderes Nato-Land angreifen, dann hört alles auf.“ Das wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur.

Die Grönländerinnen und Grönländer haben eine klare Meinung. (Archivbild) Foto: Christian Klindt Soelbeck/Ritzau
Die Grönländerinnen und Grönländer haben eine klare Meinung. (Archivbild) Foto: Christian Klindt Soelbeck/Ritzau

Der grönländische Ministerpräsident Jens Frederik Nielsen rief seine Landsleute trotz der Drohungen dazu auf, Ruhe zu bewahren. Er verstehe, dass manche Grönländer vor dem Hintergrund der Situation in Venezuela beunruhigt über die Aussagen von US-Präsident Trump seien, sagte Nielsen dem dänischen Rundfunk zufolge bei einer Pressekonferenz in der grönländischen Hauptstadt Nuuk. „Aber Venezuela und Grönland sind nicht vergleichbar.“

Grönland und die USA hätten immer gut zusammengearbeitet. Eine Annexion Grönlands über Nacht werde nicht passieren. „Diese Zeiten verlangen nach Zusammenhalt“, sagte Nielsen dem Sender DR zufolge.

Dänemark und Grönland hätten das US-Außenministerium um ein Treffen mit Minister Marco Rubio gebeten, berichtete der dänische Rundfunk unter Berufung auf die grönländische Politikerin Vivian Motzfeldt. 

Was sagen die europäischen Partner dazu?

In einer gemeinsamen Erklärung machten Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und Dänemark am Dienstag klar: Grönland gehört den Grönländern. „Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen“, hieß es in der auch von Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichneten Erklärung.

Die Unterzeichner betonten die große Bedeutung der in der UN-Charta festgehaltenen Prinzipien der Souveränität, territorialen Integrität und Unverletzlichkeit der Grenzen. „Die Sicherheit in der Arktis“ bleibe eine zentrale Priorität für Europa und sei von „entscheidender Bedeutung für die internationale und transatlantische Sicherheit“. Diese Sicherheit müsse aber gemeinsam erreicht werden, „in Zusammenarbeit mit den Nato-Verbündeten, einschließlich der Vereinigten Staaten“.

Auch die nordischen Länder solidarisierten sich in einer gemeinsamen Erklärung mit Grönland. Außerdem stellten die Außenminister von Finnland, Schweden, Norwegen, Island und Dänemark klar: „Wir haben alle Maßnahmen ergriffen, um die Abschreckung und Verteidigung in der Region zu stärken.“ Die Länder hätten ihre Investitionen in die Sicherheit der Arktis erheblich erhöht, hieß es weiter. Sie seien „bereit, in enger Abstimmung mit den Vereinigten Staaten und anderen Nato-Verbündeten noch mehr zu tun“.

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