Osnabrück  Jetzt erst recht: Wie Ehrenamtliche die Insolvenz des DRK Osnabrück wegstecken

Wilfried Hinrichs
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Von Wilfried Hinrichs
| 06.01.2026 05:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Philip Hergt, Leiter der DRK-Kreisbereitschaft in Osnabrück, zeigt sich trotz der schockierende Insolvenzmeldung weiter hoch motiviert. Das Foto entstand bei einer Bombenräumung im Februar 2025. Foto: Claudia Sarrazin
Philip Hergt, Leiter der DRK-Kreisbereitschaft in Osnabrück, zeigt sich trotz der schockierende Insolvenzmeldung weiter hoch motiviert. Das Foto entstand bei einer Bombenräumung im Februar 2025. Foto: Claudia Sarrazin
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Die Insolvenz des DRK-Kreisverbandes Osnabrück beschäftigt auch die ehrenamtlichen Helfer, lähmt ihre Einsatzbereitschaft aber nicht. Die aktuelle Lage schweiße noch mehr zusammen, heißt es. Die Stimmungslage: „Jetzt erst recht.“

Das wirtschaftliche Desaster des DRK-Kreisverbandes Osnabrück wirft echte Rotkreuzler nicht um. Diesen Eindruck vermitteln zwei Männer, die sich im DRK ehrenamtlich und mit Herzblut in den Dienst anderer Menschen stellen. Sie lassen ihren Gefühlen aber nicht freien Lauf, denn in dieser angespannten Situation könnte jedes falsche Wort Folgen haben. Sie schreiben lieber eine Stellungnahme.

„Alle Einsätze, Sanitätsdienste und Aufgaben im Katastrophenschutz werden weiterhin vollständig durch die ehrenamtlichen Einsatzkräfte gewährleistet“, teilen DRK-Schatzmeister Paul Schneiderle und Kreisbereitschaftsleiter Philip Hergt jetzt auf Anfrage schriftlich mit.

Etwa 90 Ehrenamtliche arbeiten für die Kreisbereitschaft Osnabrück. Ihre Aufgabe ist es, bei Großveranstaltungen den Sanitätsdienst zu leisten, bei Bombenräumungen die Menschen in den Evakuierungszentren zu betreuen oder bei Unglücks- und Katastrophenfällen zu helfen. Und für diese 90 Ehrenamtlichen hat sich durch den Insolvenzantrag wenig verändert, so scheint es.

Die DRK-Kreisbereitschaft habe über die Feiertage wie gewohnt beim OTB-Silvesterlauf den Sanitätsdienst gewährleistet. Auch bei Ikea seien die ehrenamtlichen Kräfte regelmäßig im Einsatz, um an Tagen mit hohem Kundenaufkommen die betrieblichen Ersthelfer zu unterstützen. Allein in den zwei Wochen rund um Weihnachten und den Jahreswechsel hätten die Ehrenamtlichen über 300 Stunden sanitätsdienstliche Arbeit geleistet, teilte Schatzmeister Paul Schneiderle mit.

Das Osnabrücker DRK sei auch weiterhin fest in den Katastrophenschutz sowie in die Einsatz- und Sicherheitskonzepte der Stadt Osnabrück eingebunden. „Mit den vielen ehrenamtlichen Einsatzkräften in unserer Kreisbereitschaft sind wir in Osnabrück als zuverlässige Hilfsorganisation aktiv. Man kann sich auch weiterhin auf uns verlassen“, versichert Kreisbereitschaftsleiter Philip Hergt.

Auch die Rettungshundeeinheit der Kreisbereitschaft stehe weiterhin rund um die Uhr zur Verfügung. Erst kurz vor Weihnachten waren die Teams nach DRK-Angaben bei einer Personensuche im Einsatz. „Wenn Menschen in Gefahr sind, sind wir rund um die Uhr einsatzbereit. Daran ändert auch das vorläufige Insolvenzverfahren nichts“, so Paul Schneiderle, der neben seinem Vorstandsamt als ehrenamtliche Einsatzkraft in der Rettungshundeeinheit tätig ist.

Der DRK-Kreisverband hatte wenige Tage vor Weihnachten einen Antrag auf Einleitung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens gestellt. Dem Verband drohte die Zahlungsunfähigkeit. Insolvenzverwalter Stephan Michel ist nach eigenen Angaben dabei, sich einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Verbandes zu verschaffen. Die Gehälter der 34 hauptamtlichen Beschäftigten sind für drei Monate durch die Arbeitsagentur gesichert.

Was den DRK-Kreisverband in die Schieflage geführt hat, ist öffentlich nicht bekannt. Die Untersuchungen konzentrieren sich auf den ehemaligen Geschäftsführer, gegen den der Vorstand mutmaßlich wegen des Verdachts der Untreue Anzeige erstattet hat. Auch der Zoll ermittelt gegen den Ex-Geschäftsführer wegen möglicher Verstöße gegen Melde-, Beitrags- und Aufzeichnungspflichten.

Die Ehrenamtlichen würden „engmaschig“ über den Fortgang des Insolvenzverfahrens informiert, heißt es in der gemeinsamen Erklärung von Schatzmeister Schneiderle und Kreisbereitschaftsleiter Hergt.

Es sei in dieser kritischen Phase ein starker Zusammenhalt spürbar. Paul Schneiderle fasst seinen Eindruck aus den Gesprächen mit anderen Ehrenamtlichen so zusammen: „Die aktuelle Situation schweißt noch enger zusammen. Man spürt bei vielen Ehrenamtlichen eine beeindruckende Jetzt-erst-recht-Stimmung, die zeigt, wie sehr sie für ihre Aufgabe brennen.“

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