Osnabrück Der Musterprofi des VfL Osnabrück, der aber nie Vollprofi sein wollte
Wenige Exprofis verfolgen den Weg des VfL Osnabrück so intensiv wie Detlev Hegekötter. „Ich sehe jedes Spiel – Heimspiele im Stadion, Auswärtsspiele im Fernsehen.“ Von 1972 bis 1980 war er auf dem Rasen dabei, an diesem Dienstag (6. Januar 2026) wird „Hege“ 75 Jahre alt. Seine Expertise wird geschätzt, seine Prognose für die laufende Saison wird den Fans gefallen.
Als Junge spielte er lieber Tischtennis als Fußball, heute ist der Golfball sein Freund: Das ausgeprägte Ballgefühl hat Detlev Hegekötter durch sein sportliches Leben begleitet. Bekannt wurde der Junge aus dem Schinkel als Fußballer des VfL Osnabrück. Von 1972 bis 1980 bestritt er über 250 Pflichtspiele für die Lila-Weißen – ein mannschaftsdienlicher, verlässlicher Musterprofi, der jedoch nie ein Vollprofi war. An diesem Dienstag (6. Januar 2026) wird „Hege“, wie ihn alle nennen, 75 Jahre alt.
Entdeckt wurde der laufstarke Linksfuß auf der schwarzen Asche: Das war der Belag in den frühen sechziger Jahren auf dem Hauptplatz der Anlage „Zuschlag“, wo der VfB Schinkel seine Heimat hatte. 1969 holte ihn TuS Haste, damals die Nummer 2 hinter dem VfL. „Eine tolle Zeit mit Mitspielern wie Heinz Stallkamp, Pingo Schaber, Ferdi Bettenbrock oder Dieter Kühn. Und mit einem Trainer, von dem ich viel gelernt habe“, erinnert „Hege“ sich besonders an Helmut Spielmeyer, der das Talent dem VfL empfahl.
Auf Anhieb setzte sich Hegekötter 1972 bei den Profis durch und eroberte einen Stammplatz, den er bis zum Ende seiner Laufbahn nur wegen einer Verletzung in der Saison 1976/77 verlor. Dabei war er nie Vollprofi, sondern schuf sich eine berufliche Existenz als selbstständiger Versicherungskaufmann: „Natürlich waren die Tage lang, aber ich wollte es so: Vor und nach dem Training war ich im Büro. Auch als der VfL auf Vollprofikurs ging, habe ich mir das in meinen Verträgen zusichern lassen.“
Auf dem Platz war Hegekötter ein vielseitiger Mittelfeldspieler, der ein früher Sechser war, aber auch auf dem linken Flügel offensive Wirkung hatte. Manchmal bedauert er schmunzelnd, dass zu seiner Zeit keine Vorlagen gezählt wurden: „Ich habe nur zwölf Tore geschossen, aber ich hatte eine gute Flanke im Fuß und konnte auch einen ordentlichen Pass spielen. Bei den Assists wäre ich wohl vorn dabei gewesen.“
Manchmal sprang er als Libero ein, wie damals der moderne Abwehrchef genannt wurde – erstmals am 23. September 1978, als der VfL das legendäre Pokalspiel bei Bayern München 5:4 gewann. „Ein großer Tag und ein unvergesslicher Sieg – aber wir sind trotzdem sportlich abgestiegen und haben die Klasse nur gehalten, weil St. Pauli die Lizenz verlor“, sagt Hegekötter.
Das ist typisch für seine abgeklärte, nüchterne Art, die er sich bewahrt hat, wenn er seine Nachfolger beobachtet. Seine Analysen treffen, er neigt nicht zum Überschwang und ist eher kritisch. Sein Urteil schätzten viele Trainer der letzten Jahre und natürlich Joe Enochs und Lothar Gans, mit dem er seit Kindertagen im Stadtteil Widukindland eng befreundet ist. Umso schwerer wiegt seine Einschätzung der aktuellen Lage: „Die Mannschaft kann oben mitspielen; ich würde sogar sagen, der Aufstieg ist in greifbarer Nähe – vor allem, wenn der neue Stürmer einschlägt. Dann wird auch Robin Meißner, von dem ich sehr viel halte, noch besser durchkommen.“
Solche Themen kann er übrigens auch mit seiner Frau Doris diskutieren, die seinen Weg durch den Fußball seit Haster Zeiten begleitet und sich im VfL-Vorstand und in der Gymnastikabteilung engagiert. Tochter Maren Bröcker und ihrem Mann Christian verdanken sie die Freude an den Enkelkindern Carlotta, Mathilda und Johanna, die sich dem Tennis zugewandt haben. Gelegentliche Vergleiche an der Tischtennisplatte gewinnt jedoch nur einer…