Trier  Paul Linz und sein unerfüllter Traum: Trainer in Osnabrück

Harald Pistorius
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Von Harald Pistorius
| 04.01.2026 14:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Traumtor am Millerntor: Dietmar Grabotin legte einen indirekten Freistoß mit einem Lupfer für Paul Linz vor, der mit einem perfekten Volley gegen den FC St. Pauli traf. Foto: Neue-OZ-Archiv/Michael Hehmann
Traumtor am Millerntor: Dietmar Grabotin legte einen indirekten Freistoß mit einem Lupfer für Paul Linz vor, der mit einem perfekten Volley gegen den FC St. Pauli traf. Foto: Neue-OZ-Archiv/Michael Hehmann
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Er war ein Schlitzohr mit Schnauzbart, ein frecher Stürmer und ein cleverer Torjäger: Paul Linz muss man Osnabrücker Fußballfans nicht vorstellen, obwohl sein letztes Spiel über 37 Jahre zurückliegt. An diesem Sonntag wird „Paule“ 70 Jahre alt.

Torjäger und Anführer, Kapitän und Publikumsliebling: Paul Linz ist eine der unvergesslichen Persönlichkeiten der Geschichte des VfL Osnabrück. An diesem Sonntag feiert er seinen 70. Geburtstag. In seiner Heimatstadt Trier, die für ihn in 45 Jahren als Spieler und Trainer im Profifußball Lebensmittelpunkt blieb, gilt er als Legende - aber auch andernorts erinnern sich viele gern an den Charakterkopf mit Torriecher. Vor allem in Osnabrück.

Man musste früh anrufen, um Glückwünsche telefonisch loszuwerden. „Mach schnell, gleich beginnt ein kleiner Umtrunk“, sagt „Linze-Paul“ und lacht: „Hauptsache, die Kneipe ist groß genug.“ Richtig gefeiert wird im Sommer, auf der Fußball-Golfanlage, die Linz seit 2013 mit einem Partner im Moselort Riol betreibt.

Seine Trainerkarriere hat er offiziell beendet – im Profifußball wohlgemerkt. Denn die F-Jugend der SG Ruwertal in Waldrach hat in Linz einen begeisternden und begeisterten Coach. Aus gutem Grund: Sohn Leo kickt im Verein der Weinortes Waldrach, wo Linz mit seiner zweiten Frau Martina und den Kindern Leo und Paula lebt. Aus der ersten Ehe mit Helga hat er die erwachsenen Kinder Paul Moritz und Lisa.

„Osnabrück – das ist so lange her“, sinniert Linz, „aber es war meine schönste Station als Spieler.“ Die Mannschaft, die 1984/85 mit Trainermanager Helmut Kalthoff - er sprang für den erkrankten Erhard Ahmann ein – den direkten Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga schaffte, wuchs damals unter Rolf Grünther zu einem Spitzenteam.

Der besondere Zusammenhalt der Mannschaft, in der sich die Youngster aus dem eigenen Nachwuchs wie Dirk Gellrich, Stefan Holze oder Ralf Heskamp erst einmal mit den Vollprofis um Linz, Günter Eymold oder Oskar Bauer zusammenraufen mussten, wirkt bis heute nach. Seit 1995 treffen sich die Spieler von einst regelmäßig – zunächst alle fünf Jahre, inzwischen jährlich. 2025 war das Meeting ein Heimspiel in Osnabrück, inklusive einer Filmvorführung alter TV-Berichte im Hasetor-Kino.

In der WhatsApp-Gruppe „Aufstiegstruppe“ herrschte am Sonntag Hochbetrieb – dem „Käpt’n“, wie Paul Linz immer noch genannt wird, wollten natürlich alle standesgemäß gratulieren. Der Stürmer war der Top-Transfer, als Präsident Hartwig Piepenbrock nach dem ersten Abstieg aus der 2. Bundesliga das Geld für eine neue Mannschaft bereitstellte, die das sofortige Comeback schaffen sollte.

Das gelang auch dank der Tore von Paul Linz, der nach acht Regionalliga-Treffern in der Aufstiegsrunde zündete und in acht Partien siebenmal traf. Dabei wuchs der mit dem für Stürmer typischen Egoismus ausgestattete Mittelstürmer zum Führungsspieler, der für die Mannschaft da war und sich für seine Mitspieler einsetzte. „In Osnabrück habe ich Dinge gelernt, die die Grundlage für meinen Einstieg als Trainer waren“, sagt Linz. Als Torjäger liegt er in der ewigen Rangliste mit 69 Treffern in 138 Ligaspielen und einer Quote von 0,50 auf dem fünften Platz.

Auf neun Stationen – unter anderem SV Meppen, Eintracht Trier und LR Ahlen – war Linz zwischen 1988 und 2016 als Trainer tätig, doch sein Traum von einem Engagement beim VfL Osnabrück erfüllte sich nicht: „Das war immer mein Wunsch, doch es hat nie geklappt.“ Zweimal stand es kurz bevor: 1988 machte Piepenbrock einen Rückzieher, 2003 war er Kandidat nach dem Ausstieg von Aufstiegstrainer Jürgen Gelsdorf im Gespräch beim VfL, der sich dann für Frank Pagelsdorf entschied.

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