Osnabrück  Wie heize ich am besten? Osnabrück legt kommunale Wärmeplanung vor

Wilfried Hinrichs
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Von Wilfried Hinrichs
| 05.01.2026 11:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Heizung der Häuser verursacht fast zwei Drittel der gesamten Kohlendioxidemissionen in Osnabrück. Die kommunale Wärmeplanung zeigt den Weg zu einer nachhaltigen, klimaschonenden Wärmeversorgung. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die Heizung der Häuser verursacht fast zwei Drittel der gesamten Kohlendioxidemissionen in Osnabrück. Die kommunale Wärmeplanung zeigt den Weg zu einer nachhaltigen, klimaschonenden Wärmeversorgung. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Wärmepumpe, Nahwärme oder tut es die Gasheizung noch ein paar Jahre? Wenn Sie in Osnabrück leben und wissen wollen, wie Ihre Wohnung in zehn, 20 oder 30 Jahren klimaschonend beheizt werden kann, dann lohnt sich ein Blick in die kommunale Wärmeplanung. Keine Sorge, der Plan enthält keine Verpflichtungen.

Osnabrück ist besonders schnell: Ein halbes Jahr früher als vom Gesetzgeber vorgeschrieben, hat die Stadt Osnabrück die kommunale Wärmeplanung vorgelegt. Auf 206 Seiten stellt die Stadt dar, wie die Umstellung von Öl- oder Gasheizung auf eine regenerative Wärmeversorgung möglich ist, wo Wärmepumpen empfohlen werden, in welchen Stadtteilen Wärmenetze sinnvoll sind oder Erdwärme angezapft werden kann.

Der Stadtrat hat in seiner Dezembersitzung die Wärmeplanung verabschiedet, die noch von der Ampelregierung 2024 auf den Weg gebracht worden war. Osnabrücks Stadtbaurat Thimo Weitemeier ist eine Botschaft wichtig: Für die Bürger ergeben sich daraus keine unmittelbaren Verpflichtungen oder rechtliche Vorgaben. Bestehende Heizungen dürfen weiterbetrieben und bei Bedarf auch repariert werden.

Die nach derzeitiger Rechtslage im Gebäudeenergiegesetz vorgeschriebene Regelung, dass eine neue Heizungsanlage mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien einsetzen können muss, tritt für Großstädte wie Osnabrück erst Mitte 2026 in Kraft.

Das Gesetz lässt den Hauseigentümern also noch Zeit. Doch die Zielrichtung ist klar definiert: Im Wärmesektor steckt ein großes Potenzial zum Klimaschutz, weil ein Drittel der gesamtstädtischen CO2-Emissionen nach Angaben der Stadt allein durch die Erzeugung von Raumwärme verursacht wird. Über 95 Prozent der Wärme in Osnabrück wird noch über fossile Brennstoffe erzeugt, davon 88,9 Prozent mit Erdgas und 7,6 Prozent mit Heizöl.

Wer sich brennend für die Details interessiert, kann die 206 Seiten durcharbeiten. Sie sind im Internet abrufbar. Einfacher ist es, die Karten aufzurufen, die die Stadt zur Verfügung stellt und die fast parzellengenau Energiedaten liefern. Sie sind unter geo.osnabrueck.de/waermeplanung zu finden.

Für jedes Gebäude in Osnabrück wurden etwa 70 Datenpunkte, zum Beispiel zur Gebäudegeometrie, Nutzung, Art der Wärmeversorgung und zum Alter des Gebäudes, erfasst oder berechnet, um die Wärmebedarfe und die Treibhausgasemissionen zu ermitteln. Gebäudescharfe Daten durften aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht werden, wie die Stadt mitteilt. Für eine Veröffentlichung der Daten mussten daher immer mindestens fünf Gebäude zusammengefasst werden.

Die Experten berechneten für Osnabrück, welche Gebiete sich eher für eine zentrale Wärmeversorgung durch Wärmenetze eignen und wo sich eher eine dezentrale Lösung anbietet, beispielsweise durch den Einsatz von Wärmepumpen. Das Ergebnis überrascht nicht: Die eng bebaute Innenstadt, der innenstadtnahe Teil des Westerbergs, große Teile des Schinkels und neue Baugebiete wie das Areal am Klinikum zählen zu den Wärmenetz-Vorranggebieten.

Darüber hinaus sind Quartiere in der Wüste, der Weststadt, im Sonnenhügel oder an der Meller Straße für beides geeignet – für eine zentrale Versorgung (Nahwärme) oder eine dezentrale durch Wärmepumpen an jedem Gebäude.

Die Karte sagt nichts darüber, ob und wann in den als geeignet dargestellten Gebieten künftig tatsächlich Wärmenetze umgesetzt werden. Die Stadt Osnabrück kann die Wärmenetze selbst nicht errichten und betreiben. Dazu bedarf es Investitionen von Energieversorgern und Netzbetreibern wie den Stadtwerken Osnabrück. Bei den Investitionsentscheidungen müssen die Energieversorger aber noch weitere, vor allem wirtschaftliche Faktoren berücksichtigen, wie die Anschlussquote und die Anzahl von Ankerkunden.

Konkrete Pläne gibt es für ein Wärmenetz in der südlichen Innenstadt, an das auch das geplante Wohn- und Geschäftsquartier Johannis-Höfe am Neumarkt angeschlossen werden soll. Mit der Papierfabrik Kämmerer haben die Stadtwerke Osnabrück 2024 eine Vereinbarung getroffen, die Abwärme aus der Papierherstellung für die Heizung von Häusern nutzen zu wollen. Die technischen Details werden zurzeit erarbeitet.

Mit dem Beschluss zur kommunalen Wärmeplanung hat der Rat konkrete Aufträge an die Verwaltung und die Stadtwerke Osnabrück erteilt. So ist die Stadtverwaltung aufgerufen, eine Kommunikationskampagne zur Wärmewende zu initiieren und Gebiete für die energetische Quartierssanierung zu identifizieren. Eine Öffentlichkeitskampagne zum Austausch von Gasetagenheizungen für Mehrfamilienhäuser soll Orientierung und Hilfestellung beim Umstieg auf nachhaltige Systeme bieten.

Die Wärmeplanung stelle eine wichtige Grundlage dar, um die ambitionierten Klimaschutzziele erreichen zu können, so Stadtbaurat Thimo Weitemeier: „Wir wissen nun, wo wir stehen, welche Möglichkeiten wir haben und können jetzt gemeinsam mit unseren Stadtwerken sowie unseren Bürgerinnen und Bürgern in die Umsetzung gehen.“

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