Osnabrück Addi-Vetter-Cup 2025: Dodesheides Triumph dank viel Talent und harter Arbeit
Der Addi-Vetter-Cup 2025 hat im SSC Dodesheide einen verdienten Sieger gefunden. Das größte Hallenfußballturnier der Stadt Osnabrück hielt Überraschungen, Enttäuschungen und eine vielleicht zu Unrecht geführte Niveaudebatte bereit.
Zum ersten Mal seit 2013 ist der SSC Dodesheide Sieger des Addi-Vetter-Cups, dem größten Hallenfußballturnier der Stadt Osnabrück. Wie kam es zum Finalsieg gegen Rot-Weiß Sutthausen? Was waren die Überraschungen des Turniers? Und war das Niveau wirklich so schwach?
Der richtige Turniersieger: Der SSC hatte sich den Titel am Ende komplett verdient. Mit zwei 2:0-Siegen in den K.o.-Duellen gegen den starken Osnabrücker SC im Halbfinale und eben Sutthausen im Endspiel zeigten die Dodesheider Attribute, die ihr Trainer in den letzten Jahren beim Addi-Vetter-Cup, aber auch in der enttäuschend verlaufenen Hinserie der Freiluftsaison vermisste: „Wir alle wissen, dass wir talentiert sind. Aber dabei vergessen wir manchmal, hart zu arbeiten. Das haben wir dieses Mal herausragend gemacht“, sagte Yannick Flottmann.
Als Schlüsselmoment für das Turnier erkor der 38-Jährige eine Partie heraus, die als vorweggenommenes Finale galt: Als der SSC in einem engen, kampfbetonten Spiel den Topfavoriten, Landesligist VfR Voxtrup, mit 2:1 schlug und damit zum überraschenden vorzeitigen Aus des VfR in der Gruppenphase des Finaltags beitrug, machte es Klick. „Die Vor- und Zwischenrunde lief okay bis gut, aber ich war mir nicht sicher, ob es für ganz oben reicht“, erinnert sich Flottmann. „Ab dem Sieg gegen Voxtrup haben wir aber gemerkt: Das kann ein langer und schöner Abend werden.“
Die defensive Stabilität wurde am Ende zum Trumpf: Torwart Valentin Regenbrecht war ein sicherer Rückhalt, Timo Böß‘ Cleverness und Nikola Milosevics herausragende Zweikampfführung gaben den Ausschlag - genauso wie die individuelle Klasse der Offensivleute um Torjäger Luciano Faraci, Dribbelkünstler Finn Zwartscholten, dem besten Spieler des Turniers, und Nanook Duvendack, der im Finale und gegen Voxtrup zuvor mit zwei Flachschüssen ins kurze Eck zwei wichtige und fast identische Treffer erzielte.
Stilvolle Feierlichkeiten: Gutes Gespür bewiesen die Kicker des SSC zudem auch bei den Feierlichkeiten nach der Schlusssirene. Im Turnierverlauf hatte man in diesen Momenten zuvor gelegentlich unnötige Provokationen gesehen - nach dem Endspiel herrschte Respekt auf der Platte. Die Dodesheider, allen voran Kapitän Böß, trösteten die unterlegenen Sutthauser, die aufopferungsvoll kämpften, am Ende aber im Finale ohne offensive Power keine Chance hatten - auch weil die Schiedsrichterentscheidungen bei zwei nicht zweifelsfreien Zeitstrafen gegen sie ausgeschlagen waren.
Die Partynacht ließen sich die Dodesheider natürlich dennoch nicht nehmen. Gemeinsam mit Teilen der zweiten Mannschaft, die es mit einer herausragenden Defensive überraschend ebenfalls bis ins Halbfinale schaffte, und Teilen der „alten Garde“, wie Flottmann beschrieb, ging es in die Gastronomie am Vereinsgelände. „Für den gesamten Verein war das ein toller Abend“, sagte Flottmann.
Die Niveaudebatte: Ein bestimmendes Thema der fünf Turniertage war das sportliche Niveau: Mit einem Landes- und vor allem nur einem Bezirksligisten war das Teilnehmerfeld auf dem Papier vermutlich so schwach nie noch nie aufgestellt. Auch am Unterbau hapert es an manchen Stellen. Ein Traditionsverein wie der SV Rasensport, 2022 noch Sieger, ist in die Kreisklasse abgerutscht und scheiterte in diesem Jahr früh. Der SC Türkgücü, Sieger von 2023, durfte wegen nicht gezahlter Verbandsstrafen gar nicht erst antreten, wäre sportlich aber wohl ohnehin nicht mehr aussichtsreich dabei. Für den Vorjahressieger SV Hellern war auch schon in der Zwischenrunde Schluss.
Generell waren die Vorrundentage nicht dauerhaft spannend: Diverse Teams aus der 2. und 3. Kreisklasse erwiesen sich letztlich als nicht konkurrenzfähig. Die Zwischenrunde und der Finaltag entschädigte aber für viel. Eben weil die Qualitätsspitze nicht mehr so hoch ist, sind die Unterschiede im oberen Bereich auch nicht mehr so deutlich. Mit Voxtrup und Dodesheide gab es leichte Favoriten, im Grunde gehörten aber alle Kreisligisten schon zum erweiterten Kandidatenkreis für den Titel - und viele von ihnen untermauerten diesen Status und sorgten für Spannung bis zum Schluss.
Überraschungen und Persönlichkeiten: Den beeindruckendsten Auftritt legte sicher Rot-Weiß Sutthausen hin. Der Kreisligist kämpfte sich durch die Zwischenrunde, brauchte nach einer Niederlage zwischendurch sogar einen 10:0-Kantersieg gegen den VfB Schinkel, um den Finaltag zu erreichen - sorgte dort aber für die große Überraschung. Nach einem 0:1 gegen Dodesheide und einem 2:1-Sieg gegen die wieder einmal starken Altstars vom Spielverein 16 II kegelte die Mannschaft von Uwe Niebusch Voxtrup mit 2:0 aus dem Turnier, bevor sie im Halbfinale die Dodesheider Zweite mit 1:0 schlug.
Überragender Mann bei den Sutthausern: Joshua Thioune, der gegen 16 II doppelt und gegen Voxtrup einmal traf und letztlich gemeinsam mit Torwart Timo Engelhardt in die Mannschaft des Turniers gewählt wurde. „Ich kann keinem einen Vorwurf machen, wir haben überragend gekämpft“, sagte ein sichtlich stolzer Uwe Niebusch nach der Finalniederlage seines Teams. „Wenn ich überlege, wo wir vor zweieinhalb Jahren waren und wo wir heute sind: Das ist ein Riesenschritt nach vorne.“ Niebusch formte RWS in dieser Phase vom Kreisklassisten zum Topteam der Kreisliga - und nun zum Zweiten beim Vetter-Cup.
Grundsätzlich entwickelt sich bei so manchem Verein in der Stadt einiges wieder in die richtige Richtung: Der Osnabrücker SC etwa stellte bei seinen drei Turniertagen eine spannende Mischung aus Jung und Alt, Physis und Technik aufs Feld und entwickelt sich sichtlich nach vorn. Genauso wie der TuS Haste, der im Sommer 2025 in die Kreisliga zurückkehrte, dort eine Mittelfeldplatzierung belegt und beim Addi-Vetter-Cup zumindest am Halbfinale schnupperte, bevor ihm die Puste ausging. Oder beim SC Schölerberg, der als Aufsteiger in die 1. Kreisklasse mit emotionalem und intensivem Spielstil bis in die Zwischenrunde hinein Spaß machte, auch weil er von den Rängen gut unterstützt wurde.
Und auch wenn es Debatten um das Niveau gibt und Vereine, die sich schwerer tun, ihre Kader zu füllen: Gerade diese Positivbeispiele belegen, dass der Fußball in der Stadt immer noch gut aufgestellt ist - genauso wie der, wie gewohnt, herausragend organisierte Addi-Vetter-Cup. So sieht es auch der Trainer des neuen Titelträgers, Yannick Flottmann - und verbindet diese Bestandsaufnahme mit einem Wunsch: „Ich hoffe, das Turnier wird noch viele, viele Jahre so weitergehen.“