Geschichte und Mythos  Kloster Ihlow wird 2026 zur großen Bühne

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 12.01.2026 08:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Klosterstätte Ihlow ist ein Anziehungspunkt im Ihlower Wald. Im Mittelalter gab es dort ein Zisterzienserkloster mit großem Einfluss. Foto: privat/Archiv
Die Klosterstätte Ihlow ist ein Anziehungspunkt im Ihlower Wald. Im Mittelalter gab es dort ein Zisterzienserkloster mit großem Einfluss. Foto: privat/Archiv
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Die Ostfriesischen Volkstheater planen eine Großproduktion. Die Friesische Freiheit wird mit Musik, Pferden und historischem Markt an der Klosterstätte lebendig.

Moormerland/Ihlow - Sie ist reale Geschichte ebenso wie ein Mythos: die Friesische Freiheit. Entlang der Nordseeküste von den Niederlanden bis zur Wesermündung organisierten sich selbstständige Landgemeinden in einer Gesellschaftsform, die im Europa des Mittelalters einzigartig war. In einem Theaterstück soll sie im Sommer 2026 aufleben – sozusagen am Originalschauplatz.

Die Arbeitsgemeinschaft Ostfriesischer Volkstheater (Arge) plant nämlich die Aufführung des Stückes „Friesische Freiheit“ neben der Klosterstätte Ihlow. Von der einst prächtigen Klosterkirche sind nur wenige Überreste geblieben, aber eine große Rekonstruktion aus Stahl und Holz ragt über die Baumwipfel hinaus. „Die Kirche wird in einer Szene selbst Teil der Kulisse“, verrät Marina Bohlen, Vorsitzende der Arge in einem Gespräch.

Schauspieler und Musiker gestalten Großereignis

Mehr als 120 Schauspieler, Musiker und andere werden bei dem Freilichttheater auf der Bühne stehen. Erste Proben laufen bereits und auch sonst hat die konkrete Planung für das Stück begonnen. „Der Aufwand ist gewaltig“, sagt Bohlen. Alles, was für die Aufführung, das Publikum und den zugehörigen historischen Markt benötigt wird, muss über die Waldwege zur Klosterstätte gebracht werden. Für die Zuschauer wird eine große Tribüne mit mehr als 1000 Plätzen auf der Wiese neben dem Kräutergarten aufgebaut.

Das Stück hat Erhard Brüchert aus Rastede im Auftrag der Arge geschrieben. Von ihm stammen viele der Schauspiele, mit denen die ostfriesischen Volkstheater das Publikum in den vergangenen Jahrzehnten begeistert haben, angefangen von den „Störtebeker“-Schauspielen in Marienhafe bis zu „Heimat“, das in Ayenwolde aufgeführt wurde. „Er hat die Thematik Friesische Freiheit sehr gut in Szenen umgesetzt“, wirbt Marina Bohlen.

Geschichte kommt auf die Bühne

Als Regisseur konnte der Oldenburger Schauspieler und Theaterfachmann René Schack verpflichtet werden, eine neue Zusammenarbeit für die Schauspieler. Von 49 Bühnen aus Ostfriesland wurde die Besetzung für „Friesische Freiheit“ gefunden. Langjährige Besucher werden bekannte Gesichter wieder erkennen, aber es sind laut Bohlen auch neue Talente dabei. Wie bei den vorherigen Produktionen sollen erneut Pferde eingesetzt werden. Ein besonderer Moment soll es werden, wenn ein Chor gregorianische Gesänge vorträgt.

Die Handlung des Stückes spielt in der Endphase der Friesischen Freiheit. Diese gewährleistete eine gewisse Freizügigkeit des Individuums. Anders als in Adelsgesellschaften gab es zum Beispiel keine Leibeigenen. Dennoch erlangten einige Familien Mitte des 14. Jahrhunderts durch Grundbesitz eine Vorrangstellung – die sogenannten Häuptlinge. Einer von ihnen ist Keno tom Brook I., um den es im Stück geht. „Was macht eigentlich eine Gesellschaft aus, wie kann man Freiheiten verteidigen – das ist das Thema unseres Stückes“, erklärt Marina Bohlen.

Auf der Freifläche vor dem Forsthaus und dem Kräutergarten soll die Bühne aufgebaut werden. Foto: privat/Archiv
Auf der Freifläche vor dem Forsthaus und dem Kräutergarten soll die Bühne aufgebaut werden. Foto: privat/Archiv

Die frei gewählten Richter, die Redjeven, gehörten der Großbauernschicht an und trafen sich jährlich am Dienstag nach Pfingsten am Upstalsboom bei Rahe, um Recht zu sprechen und Verträge zu schließen. Es gibt dazu keine schriftliche Überlieferung. Es wird vermutet, dass die Siegel und Dokumente im Kloster Ihlow aufbewahrt wurden. Das Kloster wurde am Beginn der Neuzeit zerstört, die Zeit der Freiheit ging ihrem Ende entgegen. Alle Aufzeichnungen gingen wohl verloren. Eine Urkunde, in der angeblich Karl der Große die Freiheit der Friesen garantiert hatte, ist jedoch eine Fälschung.

Karten gibt es im Vorverkauf

15 Aufführungen sind zwischen dem 24. Juli und dem 14. August 2026 geplant. Beginn ist in der Regel um 19 Uhr, Nachmittagsvorstellungen ab 14 Uhr gibt es am 2. August und am 9. August. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Der Eintritt kostet 25 Euro. Die Karten gibt es in der Tourist Info Ihlow, Alte Wieke 6; bei allen Vorverkaufsstellen von Nordwest-Ticket (dazu gehören die Media Stores der Zeitungsgruppe Ostfriesland); online unter nordwest-ticket.de sowie telefonisch unter 04945/9999772 (nur montags bis freitags von 8 bis 10 Uhr sowie 15 bis 17 Uhr).

An den Spielterminen wird ein mittelalterlicher Markt jeweils 90 Minuten vor Beginn bis zum Spielstart und während der Vorstellungspause geöffnet. Dieser kann kostenfrei und ohne Theaterkarte besucht werden. „Die Märkte haben bei unseren Freilichttheatern eine lange Tradition und sind sehr beliebt“, sagt Martina Bohlen. Dort gibt es Speisen und Getränke.

Markt und Nachwuchs bereichern

„Plattdeutsches Theater ist beliebt“, hebt die Vorsitzende hervor. Alle Mitgliedsbühnen der Arge hätten bei ihren Aufführungen volle Häuser. Die Förderung von Kindern und Jugendlichen im plattdeutschen Theater unter anderem durch die Arge und engagierte Mitglieder zeige zudem Wirkung. „Viele haben dort angefangen und gehören inzwischen fest zum Ensemble“, freut sie sich. Zuletzt hatte die Arge eine Tournee mit dem Kindertheater „Märchen van de 12 Maanden“ organisiert, die laut Bohlen ein großer Erfolg war.

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