Einzelhandel in Aurich Auricher Kaufleute fast auf der „Insel der Glückseligen“
Zum Ende des Jahres zieht der Kaufmännische Verein Aurich eine positive Bilanz. Und er macht sich bereit für die Herausforderungen der Zukunft.
Aurich - Mit einem verkaufsoffenen Sonntag schloss die Auricher Kaufmannschaft am Wochenende ein positives, aber auch herausforderndes Jahr ab. Während der Einzelhandel deutschlandweit über ein eher schleppendes Weihnachtsgeschäft sprach, scheint dies in Aurich nicht der Fall gewesen zu sein. KV-Vorsitzender Udo Hippen zog im Gespräch mit der Redaktion eine positive Bilanz.
„Ich würde lügen, wenn ich sage, dass wir in Aurich auf der Insel der Glückseligen leben“, sagte Hippen. Dennoch sei das Weihnachtsgeschäft in Aurich seiner Meinung nach gut verlaufen. „Es herrscht eine gute Stimmung in der Kaufmannschaft“, so Hippen. Der besonders frühe Ausverkauf der Weihnachtslotterie „Goldene 7“ am 16. Dezember sei für ihn und seine Mitstreiter ein „Spiegelbild“ der Situation, so Hippen. „Es waren sehr viele Leute in der Stadt und die Bereitschaft Geld auszugeben ist da“, so der KV-Vorsitzende.
Aurich trotzt dem Trend
Damit steht Aurich offenbar im Kontrast zur Stimmung im Rest des Landes. Noch kurz vor dem Fest hatte der Handelsverband Deutschland (HDE) etwa vermeldet, dass für die meisten Händler und Händlerinnen in Deutschland das Weihnachtsgeschäft hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Demnach waren 62 Prozent der Befragten mit den Umsätzen unzufrieden, nur 23 Prozent waren zufrieden. Schon in den vorigen Adventswochen war laut HDE das Weihnachtsgeschäft nicht richtig in Schwung gekommen. Das Weihnachtsgeschäft müsse laut HDE in die Verlängerung. Erfahrungsgemäß seien die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, mancherorts auch bis Dreikönig, noch einmal sehr umsatzstark.
Bedingungen für einen attraktiven Einzelhandell
Das wissen auch die Auricher Kaufleute und öffneten am 28. Dezember noch einmal ihre Türen. Udo Hippen weiß aber auch um die Herausforderungen, vor denen die Kaufmannschaft steht. „Die Kunden sind preissensitiver geworden“, sagt er im Gespräch. In diesem Zusammenhang sei es besonders wichtig, Aurich als Einzelhandelsstandort attraktiv zu halten. Wichtig dafür seien unter anderem die infrastrukturellen Rahmenbedingungen. Die Stadt müsse gut erreichbar sein - ob zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto. Mit der aktuellen Situation seien die Kaufleute recht zufrieden. „Wir haben kein Parkproblem im Innenstadtbereich“, so Hippen. Mit dem Georgswall, den beiden Tiefgaragen und dem Parkplatz an der Sparkassen-Arena seien ausreichend zentrale Parkflächen vorhanden. „Allerdings dürfte die geplante Fahrradgarage hinter dem Extrablatt bald mal fertig werden“, so Hippen.
Wichtig für einen erfolgreichen Einzelhandel in der Innenstadt sei auch das Erscheinungsbild der Fußgängerzone. „In dieser Hinsicht haben wir mit der kürzlich abgeschlossenen Sanierung der Fußgängerzone einen Quantensprung gemacht“, so Hippen. Das passende Marketing trage sein Übriges dazu bei, die Attraktivität Aurichs zu unterstützen. Dazu zählt Hippen die zahlreichen Veranstaltungen, die das ganze Jahr über in der Innenstadt stattfänden und auch Besucher aus der ganzen Region und darüber hinaus in die Stadt ziehen würden.
Leerstände und Fachkräftemangel
Die immer wieder auftretenden Leerstände von Ladenlokalen in der Auricher Fußgängerzone bewertet Hippen als verkraftbar. „Ganz grundsätzlich haben wir in Aurich das Glück, dass die Leerstände nicht von allzu großer Dauer sind“, sagt der KV-Vorsitzende. Erst im Herbst dieses Jahres hatte die Stadt auf der Homepage eine eigene Suchfunktion für leerstehende Gewerbeimmobilien aktiviert, die unter anderem von ansässigen Immobilienmaklern bestückt wird. Das von vielen Einzelhändlern in Deutschland beklagte Problem der fehlenden Fachkräfte sieht Udo Hippen für Aurich nicht. Es sei in dieser Form noch nicht an ihn herangetragen worden. Vielmehr sei auffällig, wie viele langjährige Mitarbeiter in den Auricher Geschäften tätig seien, so der KV-Vorsitzende.
Konzept für die Zukunft
Grundsätzlich blickt der Auricher Handel also positiv zurück und auch Voraus. Dennoch müsse man weiter an den Stärken arbeiten, hatte Hippen bereits auf der Jahreshauptversammlung im November dieses Jahres betont. Denn der KV wünscht sich mit dem Ziel „Unsere Stärken stärken“ ein neues Leitbild für die Stadt und hat dazu erste Vorschläge vorgebracht. Aurich sei das lebendige Herz Ostfrieslands, in dem Tradition und Moderne harmonisch verschmelzen würden, heißt es unter anderem in dem Konzept. Diese Themen müssten gestärkt und ausgebaut werden, Werte wie Gastfreundschaft, Vielfalt und Nachhaltigkeit vorangetrieben werden.“Der Kaufmännische Verein hat sich seit jeher dazu verpflichtet, für die Stadt voranzugehen“, so Hippen. Gemeinsam müsse man sich den Herausforderungen stellen und nicht davor zurückschrecken, die gesteckten Ziele mit Nachdruck zu verfolgen, so der KV-Vorsitzende.