Belm  Wie die SF Lechtingen trotz eines „Scheißstarts“ den Indoor-Cup gewonnen haben

Sven Schüer, Christian Hesse
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Von Sven Schüer, Christian Hesse
| 28.12.2025 13:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Lechtinger Jubel: Die Sportfreunde feierten den ersten Sieg seit 2019 beim Indoor-Cup in Belm. Foto: Helmut Kemme
Lechtinger Jubel: Die Sportfreunde feierten den ersten Sieg seit 2019 beim Indoor-Cup in Belm. Foto: Helmut Kemme
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Schwach begonnen, maximal stark zurückgekommen: Die Fußballer der Sportfreunde Lechtingen haben einen denkwürdigen 35. Indoor-Cup in Belm gewonnen und sich nach der letztjährigen Finalniederlage erstmals seit 2019 wieder zum Turniersieger gekrönt. Dabei sah es anfangs noch nach einem frühen Ausscheiden aus. So kämpfte sich das Team zurück zum Titel.

Die Sportfreunde Lechtingen haben den Indoor-Cup in Belm gewonnen, obwohl der Fußball-Bezirksligist extrem schwach in den Finaltag gestartet war. Torschützenkönig Luca Maunert, All-Star Julian Pawlak und Trainer Mirko Schleibaum suchten nach der Siegerehrung nach Gründen für den Turnaround. Anerkennung gab es vom gegnerischen Trainer – aber auch eine Kampfansage.

Wer nach den ersten Gruppenspielen eine Liste der Indoor-Cup-Titelfavoriten hätte aufstellen müssen, hätte den späteren Turniersieger wohl kaum in Betracht gezogen. Zu schwach war die Leistung des Bezirksligisten beim 0:3 gegen den Kreisligisten TSV Wallenhorst. Die Sportfreunde standen viel zu offensiv, ließen hinten leichte Chancen und Tore zu. Auch im zweiten Spiel gegen Belm lief noch nicht alles rund. Nur knapp rettete Lechtingen ein 1:0 über die Ziellinie. Dem Finalisten von 2024 drohte schon früh das Aus.

Doch es sollte letztlich ganz anders kommen. Die Sportfreunde setzten ein dickes Ausrufezeichen im dritten Spiel und schlugen Titelverteidiger Blau-Weiß Hollage in der Neuauflage des letztjährigen Finales deutlich mit 4:0. Das 7:1 gegen die Sportfreunde Schledehausen im letzten Gruppenspiel rundete die Leistungssteigerung ab. „Heute sind wir wirklich scheiße gestartet, haben aber sehr gut weitergemacht und ins Turnier gefunden“, resümierte Julian Pawlak, der ins All-Star-Team des Turniers gewählt wurde, entsprechend.

Aber was war es genau, das dem Team den nötigen Aufschwung gebracht hatte? Trainer Mirko Schleibaum hatte einen Erklärungsansatz: „Nach dem ersten Spiel haben wir gewusst, dass wir so nicht weiterspielen können. Wir standen deutlich offensiver als wir das eigentlich wollten. Wir wussten eigentlich, dass Wallenhorst eine sehr gute Hallenmannschaft mit sehr guten Hallenspielern hat. Den Fehler, so einfache Chancen zuzulassen, wollten wir nicht nochmal machen und das ist uns dann auch sehr gut gelungen.“

Tatsächlich ging dann alles. Das Halbfinale gegen den TSV Venne wurde mit 4:0 gewonnen. Lechtingen führte früh mit 2:0, hielt dem Venner Druck stand und machte in der Schlussphase den Deckel drauf. Torschützenkönig Luca Maunert verortete den entscheidenden Moment des Turniers allerdings schon vorher: „Als wir gegen Venne so klar weitergekommen sind, war mir zwar klar, dass wir das Ding ziehen werden. Das Schlüsselspiel war aber in der Gruppenphase gegen Hollage. Gegen die haben wir in der Vergangenheit nicht so gut ausgesehen. Das so klar zu gewinnen, war der Brustlöser.“

Mit dem über den Turnierverlauf gewachsenen Selbstbewusstsein ging Lechtingen schließlich ins Finale gegen Wallenhorst, das mit 2:0 gewonnen wurde. „Das ist überragend. Wir hatten ja viele Chancen. Nach dem 2:0 war mir klar, dass die nicht mehr zurückkommen“, sagte Maunert, der die Torjägerkrone eher als Beiwerk betrachtete: „Ich habe heute zu den Jungs gesagt, dass es mir scheißegal ist, wer die Tore macht. Hauptsache, wir gewinnen das Ding.“

Das „Ding“ wandert nun also nach Lechtingen – erstmals seit dem Triumph im Jahr 2019. „Jetzt freue ich mich einfach, nach etlichen Jahren den Pott wieder in den Händen zu halten und heute richtig mit den Jungs zu feiern“, warf Pawlak kurz nach der Siegerehrung einen feuchtfröhlichen Blick nach vorne. Anerkennende Worte für die Sportfreunde gab es natürlich auch von TSV-Trainer Tony Harsdorf: „Lechtingen hat sich peu à peu gesteigert und ist die Mannschaft, die sich den Turniersieg heute am meisten verdient hat. Davor muss man den Hut ziehen.“

Eine kleine Kampfansage konnte sich der Wallenhorster Coach aber auch nicht verkneifen: „Heute hat es nicht ganz gereicht, aber die Zukunft spricht für uns. Wir kommen nächstes Jahr mit einem anderen Gesicht wieder und wollen das Ding dann wuppen.“ Angesichts der starken Leistung hat der TSV aber auch jedes Recht, ambitionierte Ziele für die kommende Auflage des Indoor-Cups zu formulieren. Zunächst steht für die Lechtingen, Wallenhorst, den drittplatzierten TuS Bad Essen und Venne aber noch das Masters-Turnier an. Vielleicht starten die Sportfreunde dann ja wieder schwach – ein Problem wäre das sicherlich nicht.

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