Osnabrück  Was sich für Radfahrer in Osnabrücks bereits getan hat – und noch tun wird

Jörg Sanders
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Von Jörg Sanders
| 28.12.2025 05:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 8 Minuten
Radfahrer haben es in Osnabrück, wie alle Verkehrsteilnehmer, nicht immer leicht. Doch in den vergangenen Jahren hat sich für sie einiges getan. Foto: imago images/Wolfgang Maria Weber
Radfahrer haben es in Osnabrück, wie alle Verkehrsteilnehmer, nicht immer leicht. Doch in den vergangenen Jahren hat sich für sie einiges getan. Foto: imago images/Wolfgang Maria Weber
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Radfahrer in Osnabrück haben es mancherorts schwer. Doch in den vergangenen Jahren hat sich auch einiges für sie getan. Zeit für einen positiven Rückblick.

Schmale Schutz- und Radfahrstreifen, schlechte Radwege, gar keine Radwege: Radfahrer haben es vielerorts in Osnabrück nicht leicht – ihre Klagen sind in vielen Fällen berechtigt. Allerdings hat sich in den vergangenen Jahren auch einiges für den Radverkehr getan. Eine Übersicht über die größeren Projekte der jüngeren Vergangenheit – und ein Ausblick auf das, was noch kommen soll.

Klicken Sie auf die Punkte für Details:

Breiter Radweg am Heger-Tor-Wall: Es war ein umstrittenes Prestigeprojekt. 2018 wurde Osnabrücks erste Protected Bike Lane (baulich geschützter Radweg) fertig – der 170 Meter lange Radweg am Heger-Tor-Wall. Breit, rot, ohne das bekannte Auf und Ab an Einfahrten für Radfahrer.

Radfahrstreifen/Dooring-Zonen statt Parkplätze am Wall: In den vergangenen Jahren strich die Stadt zahlreiche Parkstreifen und -plätze entlang des Wallrings, zuletzt am Erich-Maria-Remarque-Ring. Teilweise entstanden breite Radfahrstreifen.

Radwege statt Abbiegerspuren: Zudem wurden aus Abbiegerspuren am Wall geschützte Radwege: am Hasetorwall/Natruper Straße, Natruper-Tor-Wall/Lotter Straße und am Heger-Tor-Wall/Martinistraße. Mit getrennten Ampelschaltungen sind Abbiegeunfälle so unmöglich geworden, sofern kein Verkehrsteilnehmer über Rot fährt.

(Weiter-)Bau Radschnellweg Osnabrück-Belm: Im Mai 2019 wurde der Radschnellweg Osnabrück-Belm in Osnabrück im Bereich der Schlachthofstraße eröffnet – in Gänze ein Mammutprojekt, das noch immer nicht abgeschlossen ist.

Seither wurde er stetig fortgeführt. Der neue Kalkrieser Weg ist derweil eine Fahrradstraße.

An der Eisenbahnbrücke am Power Weg erhielten Radfahrer Vorfahrt, mit ihr wurde eine Lücke im Radschnellweg geschlossen.

2024 wurde ein Teilstück offiziell eröffnet, das Osnabrück und Belm verbindet.

Und die Stadt ging gegen die Falschparker vor, die primär während des Jahrmarkts wiederholt auf dem Radschnellweg im Bereich der Halle Gartlage geparkt hatten. Dutzende Poller sichern ihn seit April dieses Jahres ab.

Radstation am Hauptbahnhof: Am Hauptbahnhof eröffnete Ende März 2023 Deutschlands zweitgrößtes Fahrradparkhaus – die Radstation. Mehr als 2300 Räder haben im Untergeschoss Platz.

Radboulevard am Hauptbahnhof: Der gerade erst offiziell eröffnete Radboulevard führt über den Bahnhofsvorplatz direkt in die Radstation. Eine Besonderheit, die man sonst nur aus den Niederlanden kennt: Radfahrer haben auf dem Platz Vorfahrt gegenüber dem Auto.

Bike Tower am Altstadtbahnhof: Auch am Altstadtbahnhof können Radfahrer ihrer Räder seit 2023 sicher und trocken parken. 160 Räder passen in den dortigen Bike Tower. Das Parken geschieht vollautomatisch.

Fahrradstraßen: Zehn Fahrradstraßen hat Osnabrück derweil. Zuletzt kamen die Heinrich-/Kurze Straße und die Laischaftsstraße/Am Freibad in der Wüste, die Ernst-Sievers-Straße in der Weststadt, die Straßen Zum Forsthaus/Zum Töfatt/Egon-Romberg-Weg in Sutthausen und die Schinkelstraße/Wissinger Straße im Schinkel hinzu.

Die Lyrastraße hingegen wird während der Zeit des Neumarkt-Umbaus wohl ihren Status als Fahrradstraße verlieren.

Pagenstecherstraße: Um sogenannte Dooring-Unfälle zu verhindern, sperrte die Stadt 2023 die Parkstreifen an der Pagenstecherstraße mit Betonsteinen und später auch Bäumen in Pflanzkübeln ab.

Dooring-Unfälle sind Unfälle, bei denen Radfahrer in unachtsam geöffnete Autotüren krachen. Die Gefahr von links, dem fahrenden Verkehr, besteht auf den viel zu schmalen Radfahrstreifen jedoch weiterhin.

Mindener Straße: Seit Februar 2023 haben Radfahrer auf einem Teilstück der Mindener Straße breite Radfahrstreifen. Zwei Autospuren wichen dafür im Abschnitt Heiligenweg bis Südstraße/A33-Anschlussstelle.

Bei dem Ausbau der Mindener Straße im Abschnitt Schellenbergstraße bis Auf dem Winkel ab Sommer 2026 werden Radfahrer hingegen keine eigenen Wege erhalten.

Hannoversche Straße: Auch an der Hannoverschen Straße hatten Radfahrer lange Zeit deutlich zu schmale Radfahrstreifen. Zuerst, im Herbst 2022, verbot die Stadt das Lkw-Parken auf den Parkstreifen; mit der andauernden Sanierung der Straße richtete sie breite Radfahrstreifen ein und baute Kreuzungen fahrradfreundlicher um. Auch hier fielen viele Parkplätze weg.

Neue breite Radwege: Einige Hauptverkehrsstraßen wurden in den vergangenen Jahren saniert, umgestaltet oder ausgebaut. Dabei entstanden bessere Wege für den Radverkehr, wenngleich nicht überall sämtliche verbindliche Kriterien des Radentscheids eingehalten wurden.

Liebigstraße: Die Schutzstreifen an der Liebigstraße waren zu schmal und nah an den parkenden Autos. Stadteinwärts ist der Schutzstreifen in diesem Jahr etwas breiter geworden, zudem rückte er von den parkenden Autos weg. Stadteinwärts brachte die Stadt Fahrradpiktogramme auf der Fahrbahn auf.

Am Limberg: Auf ihn wären selbst Niederländer neidisch: Aus der alten Straße am Limberg entstand Osnabrücks heimlicher Superradweg: 800 Meter lang, zwei Spuren, breit, exklusiv für Radfahrer. Der Radweg verbindet Osnabrück mit dem Nettetal.

Blumenhaller Weg: Am Blumenhaller Weg parkten Autotransporter täglich den Radfahrstreifen auf Höhe der drei Autohäuser zu. Mit der Sanierung der Straße kam dort stadteinwärts ein Hochbordradweg hin.

Haseuferweg: Der Haseuferweg wurde in den vergangenen Jahren weiter ausgebaut und stellenweise saniert. Drei Brücken für Radfahrer und Fußgänger baute die Stadt seit 2019 zwischen Turnerstraße und Wachsbleiche, Turnerstraße und Stüvestraße sowie an der Carl-Dütting-Straße.

Velorouten: Die Stadt baut ihr Velorouten-Netz aus. Velorouten sind Strecken für Radfahrer abseits der Hauptverkehrsstraßen.

Allerdings hängt sie beim Bau oder Ausbau den vom Radentscheid vorgegebenen Zielen hinterher.

Fahrradbügel: In den vergangenen Jahren wurden ungezählte Fahrradbügel in der Stadt installiert. Bei jeder größeren Baumaßnahme kommen weitere hinzu. Und: Die Stadt stellt jetzt zu besonderen Anlässen mobile Radbügel auf.

Wallring: Der Wallring in Osnabrück soll fahrradfreundlich umgebaut werden. Zuerst an der Reihe: der Abschnitt zwischen Hasetor und Nonnenpfad ab 2027.

Eine zugesicherte Millionenförderung aus Berlin für Planung und Umbau hatte die Stadt aufgrund nicht ausreichend innovativer Konzepte zuvor verloren.

Iburger Straße: Im Juli dieses Jahres beschloss der Rat nach heftigem Streit Umweltspuren für die Iburger Straße. Bedeutet: Die Straße wird von vier auf zwei Spuren verengt, die jeweils rechten Spuren sollen zu Umweltspuren für Bus und Rad werden.

Natruper Straße: Vor Jahren beschlossen, noch nichts passiert: Die Natruper Straße soll bus- und fahrradfreundlich umgebaut werden. So beschloss es die Politik im November 2022. Wie die Natruper Straße am Ende aussehen wird, ist noch nicht bekannt.

Pagenstecherstraße: Der Umbau der Pagenstecherstraße war für die Natruper Straße zurückgestellt worden. Dennoch arbeitet die Verwaltung daran, die Straße für Radfahrer und Fußgänger sicherer zu machen. Mehr ist noch nicht bekannt. Bis zum Ausbau der Straße dürfte es aber noch dauern – vor 2027 ist mit dem Start nicht zu rechnen, vermutlich noch deutlich später.

Kurt-Schumacher-Damm: Von der Feuerwehr Neustadt bis zur Kaufland-Kreuzung sollen Radfahrer auf dem Kurt-Schumacher-Damm mehr Platz erhalten. Die Fahrbahnen werden im kommenden Frühjahr etwas schmaler, die Radfahrstreifen dafür deutlich breiter. Auf dem Tempo-70-Abschnitt wird künftig maximal Tempo 50 erlaubt sein.

Weiterlesen: Parkverbot und Tempo 50 am Kurt-Schumacher-Damm

Unangetastet bleibt der Abschnitt zwischen der Rückert- und Martinistraße. Dort werden Radfahrer auf einem nach heutigen Standard deutlich zu schmalen Radfahrstreifen zwischen den parkenden Autos und dem fließenden Verkehr regelrecht in die Zange genommen. Dabei ließen sich aus den beidseitigen Parkstreifen breite Radfahrstreifen machen.

Neumarkt: Im November 2026 starten die Bauarbeiten zur Umgestaltung des Neumarktes. Für Autofahrer wird der Bereich vor dem Landgericht gesperrt sein. Für Fußgänger, Radfahrer und ein Teil des Busverkehrs wird der zentrale Platz weiterhin passierbar sein.

Befestigung der Velorouten: Alle Velorouten in der Stadt sollen durchgängig asphaltiert werden, damit Rad und Radfahrer auch bei schlechtem Wetter halbwegs sauber ans Ziel kommen. Stellenweise sind sie das nicht.

Auf einem Abschnitt des Haseuferwegs testet die Stadt jetzt unterschiedliche Radwegeasphalte.

Haseuferweg/Auenbrücke: Am Umspannwerk in Lüstringen steht der Haseuferweg regelmäßig unter Wasser. Ein erhöhter Steg soll auch diesen Abschnitt ganzjährig für Radfahrer und Fußgänger nutzbar machen.

Umlaufsperren-Programm: In Osnabrück gibt es mehr als 260 sogenannte Umlaufsperren. Nicht wenige davon sind kaum überwindbare Hindernisse für lange und breite Lastenräder, Räder mit Anhängern und Dreiräder, etwa für gehbehinderte Menschen. Das soll sich ändern: Die Stadt will sie allesamt überprüfen und gegebenenfalls korrigieren oder notfalls entfernen.

Die Bramscher Straße soll ausgebaut werden, eigene Wege für Radfahrer sind dort nicht geplant. Sie sollen künftig bei erlaubtem Tempo 50 im Mischverkehr fahren.

Selbiges gilt für den Ausbau der Ellerstraße. Beides widerspricht dem verbindlich beschlossene Radentscheid.

Im Sommer 2024 wurde die Martinistraße saniert. Ihr Vollausbau ist „mittelfristig“ vorgesehen, hatte es im April 2024 auf Anfrage unserer Redaktion geheißen.tower

Ein radentscheidkonformer Ausbau mit mindestens zwei Meter breiten Radwegen dürfte ohne den Wegfall von mindestens einer Fahrspur kaum möglich sein. Aktuell hat die Straße keinerlei Wege für Radfahrer, auch die Busse stehen dort gegebenenfalls mit den Autos im Stau.

Es darf also mit Spannung erwartet werden, wann die Verwaltung Vorschläge macht und wie diese aussehen werden.

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