Rundgang  Uraltes Haus in Greetsiel ist jetzt schickes Café

Lotta Groenendaal
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Von Lotta Groenendaal
| 07.01.2026 10:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Andreas Bieler und Tochter Anniek Bieler in der Gaststube des Café Lili in Greetsiel. Das Haus ist über 300 Jahre alt. Die Familie hat es saniert. Fotos: Heinz Wagenaar
Andreas Bieler und Tochter Anniek Bieler in der Gaststube des Café Lili in Greetsiel. Das Haus ist über 300 Jahre alt. Die Familie hat es saniert. Fotos: Heinz Wagenaar
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Das alte Haus in der Mühlenstraße in Greetsiel drohte zu verfallen – jetzt führt eine junge Frau dort ein schickes Café. Was den besonderen Charme der Immobilie ausmacht.

Greetsiel - Ein paar Brettspiele liegen in der Stube. Passend zu den Festtagen liegen auf den Tischen und Fensterbänken zudem geschmückte Adventskränze. Eine Lichterkette schlängelt sich einmal um den Raum. Andreas Bieler legt etwas Holz im Ofen nach, damit es schön warm bleibt im Gastraum des Café Lili. Tochter Anniek Bieler, die das Café in Greetsiel führt, entschuldigt sich – gerade sind wieder ein paar Gäste eingetroffen, die ihre Aufmerksamkeit brauchen.

Im Gastraum kommt die historische Struktur des Hauses aus dem Jahr 1717 zur Geltung, zum Beispiel die freigelegte Klinkerwand.
Im Gastraum kommt die historische Struktur des Hauses aus dem Jahr 1717 zur Geltung, zum Beispiel die freigelegte Klinkerwand.

Das Café in der Mühlenstraße ist mittlerweile eine feste Adresse in Greetsiel. Seit mehr als einem Jahr gibt es dort Kaffee, Kuchen und Alkoholisches. Dabei war dort, wo sich jetzt ein schickes Café mit rustikalem Charme befindet, vor knapp zwei Jahren noch eine große Baustelle: Das Haus war eingefallen. Es hatten sich schon Pflanzen im Gebäude ausgebreitet. Die Innenräume waren bis oben hin voll mit Müll und Unrat. Trotzdem hat sich die Familie Bieler getraut, das alte Haus zu kaufen und wieder schön herzurichten.

So sah es in dem Haus vor den Umbauarbeiten aus. Es stand drei Jahre leer und verfiel langsam. Foto: privat
So sah es in dem Haus vor den Umbauarbeiten aus. Es stand drei Jahre leer und verfiel langsam. Foto: privat

Familie Bieler: Erfahrung mit der Sanierung alter Häuser

Mit alten Häusern kennt sich Familie Bieler aus. Sie wohnt in den Niederlanden in einem rund 400 Jahre alten Resthof, der zuletzt in den 1970er Jahren saniert wurde. Auch dort hat die Familie selbst Hand angelegt und den Hof saniert. Die Erfahrung mit dem Umbau ist also vorhanden. Diese Erfahrung ist auch notwendig.

Andreas Bieler befeuert den Ofen im Gastraum. Im Winter sollen es die Gäste schließlich warm haben.
Andreas Bieler befeuert den Ofen im Gastraum. Im Winter sollen es die Gäste schließlich warm haben.

Das Haus in Greetsiel war zum Zeitpunkt des Kaufes in einem ziemlich verfallenen Zustand. Es hatte vorher drei Jahre lang leergestanden. Trotzdem entschied sich die Familie für den Kauf. „Wir haben nie lange überlegt“, sagt Bieler. „Manche Menschen eiern nur herum und kommen dann nicht zum Entschluss. Wir dachten uns, wir machen es einfach.“ Auch bei ihrem ehemaligen Haus im Emsland haben sie nicht lange überlegt und es innerhalb von zwei Tagen besichtigt und den Kaufvertrag unterschrieben.

Anniek Bieler führt das Café Lili in der Mühlenstraße in Greetsiel seit Sommer 2024.
Anniek Bieler führt das Café Lili in der Mühlenstraße in Greetsiel seit Sommer 2024.
Die Wände des alten Hauses wurden beim Umbau freigelegt. Foto: privat
Die Wände des alten Hauses wurden beim Umbau freigelegt. Foto: privat

Vom Odenwald ins Emsland und nach Holland: Jetzt kommt Greetsiel

Ursprünglich kommt Andreas Bieler aus dem baden-württembergischen Odenwald. Seine Frau ist Niederländerin. Die Kinder wurden zweisprachig erzogen. Viele Jahre lebten die Bielers mit ihren Pferden im Emsland, bevor es über die Grenze ging. Anniek Bieler, die nun das Café leitet, hat in den Niederlanden Physiotherapie studiert. Auch heute arbeitet sie im Nachbarland noch als Physiotherapeutin. Immer von montags bis mittwochs ist sie in der Praxis bei Groningen tätig. Ende der Woche pendelt sie nach Greetsiel, um sich hier um ihr Herzensprojekt, das Café Lili, zu kümmern.

Rustikal und mit viel Charme: Bei der Einrichtung des Cafés hat sich Anniek Bieler an der Historie des Hauses orientiert.
Rustikal und mit viel Charme: Bei der Einrichtung des Cafés hat sich Anniek Bieler an der Historie des Hauses orientiert.

Seine Tochter habe schon immer in der Gastronomie gearbeitet und viel Freude in diesem Bereich gehabt, sagt Andreas Bieler. Sie hat das Haus in Greetsiel im März 2024 gemeinsam mit ihrem Bruder gekauft. Seit dem Sommer desselben Jahres ist das Café nun schon geöffnet. Früher befanden sich Ferienwohnungen in dem Haus aus dem Jahr 1717. Außerdem war dort eine Schusterwerkstatt beheimatet. Der Tresen im Eingangsbereich ist sogar noch der Originaltresen des Schusters. Heute gehen aber keine Schuhe mehr über den Tresen, sondern nur noch selbst gemachter Kuchen.

Die Dekoration im Café besteht vor allem aus Antiquitäten wie diesem alten Bügeleisen.
Die Dekoration im Café besteht vor allem aus Antiquitäten wie diesem alten Bügeleisen.
Wie in alten Zeiten: In der guten Stube im hinteren Teil des Hauses fühlt man sich, als wäre die Zeit stehen geblieben.
Wie in alten Zeiten: In der guten Stube im hinteren Teil des Hauses fühlt man sich, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Café Lili: Name beruht auf Anekdote

Der Name des Cafés stammt übrigens von der Jahreszahl der Entstehung des Hauses ab. Die Maueranker an der Fassade bilden die Ziffern 1717. Diese hat Andreas Bieler auf einem kleinen Kupferkästchen verewigt, welches er für Tochter Anniek vor dem Hauskauf angefertigt hat.

Die Jahreszahl der Entstehung des Hauses: 1717. Dieses Kupferkästchen hat Andreas Bieler selbst gefertigt. Die Ziffern entsprechen der exakten Form der Maueranker an der Fassade.
Die Jahreszahl der Entstehung des Hauses: 1717. Dieses Kupferkästchen hat Andreas Bieler selbst gefertigt. Die Ziffern entsprechen der exakten Form der Maueranker an der Fassade.

Das Kästchen legte er auf ihren Schreibtisch. Als Anniek Bieler das sah, schaute sie ihren Vater fragend an: Wer ist Lili? Sie hatte die Ziffern auf dem Kopf gelesen, auf diese Art und Weise sahen sie aus wie der Name Lili. So war der Name des Cafés geboren.

Dreht man die Jahreszahl 1717 auf den Kopf, erkennt man, woher der Name des Cafés kommt: LILI.
Dreht man die Jahreszahl 1717 auf den Kopf, erkennt man, woher der Name des Cafés kommt: LILI.

Überraschung beim Umbau: Verborgener Raum entdeckt

Verwunderlich: Das über 300 Jahre alte Haus steht nicht unter Denkmalschutz. Im Fischerdorf Greetsiel sind mehr als 50 Baudenkmäler eingetragen. Am bekanntesten sind wohl das alte Steinhaus aus dem 16. Jahrhundert und Poppinga‘s Alte Bäckerei in der Sielstraße. Auch in der zentralen Mühlenstraße stehen einige Häuser unter Denkmalschutz – aber nicht das kleine Häuschen von 1717. „Der Denkmalschutz war hier, hat aber nichts Schützenswertes gesehen“, sagt Andreas Bieler.

Die gute Stube ist gefüllt mit historischen Möbelstücken.
Die gute Stube ist gefüllt mit historischen Möbelstücken.
Ein Blick in den Gastraum des Cafés. Hier befanden sich früher Ferienwohnungen.
Ein Blick in den Gastraum des Cafés. Hier befanden sich früher Ferienwohnungen.

Für die Bielers bedeutet das mehr Freiheit beim Umbau. Gerade wurde das Dach saniert. Parallel dazu laufen aktuell die Umbauarbeiten im Obergeschoss. Dort lauerte sogar noch eine Überraschung: „Oben gibt es einen Raum, den hat schon seit Ewigkeiten niemand mehr betreten“, sagt Andreas Bieler. Der Raum hatte nämlich keine Tür. „Früher muss dort eine Treppe aus dem Untergeschoss hochgeführt haben, auf den Speicher“, so Bieler. Doch diese Treppe gibt es schon lange nicht mehr. Die Öffnung wurde verschlossen. Bis die Bielers eine Mauer entfernt hatten und so wieder in den Raum gelangen konnten. Wertvolle Schätze oder gruselige Funde haben sie dort oben nicht gemacht. Der Raum war leer.

Noch muss an dem Haus aus dem 18. Jahrhundert einiges gemacht werden. Gerade wurde das Dach saniert. Als Nächstes ist der Ausbau des Obergeschosses dran.
Noch muss an dem Haus aus dem 18. Jahrhundert einiges gemacht werden. Gerade wurde das Dach saniert. Als Nächstes ist der Ausbau des Obergeschosses dran.
Die kleine Butze im hinteren Teil des Hauses hat Familie Bieler wieder hergerichtet. Dort können heute Gäste des Cafés sitzen.
Die kleine Butze im hinteren Teil des Hauses hat Familie Bieler wieder hergerichtet. Dort können heute Gäste des Cafés sitzen.

Antiquitäten im Café Lili: Fundstücke mit Geschichte

Dafür hat Familie Bieler aus dem Rest des Hauses einen wertvollen Schatz gemacht. Auf den Fensterbänken und an den Wänden stehen und hängen alte Fundstücke. Ein historisches Bügeleisen, alte Gewichte, Teekessel, die nun als Lampenschirme über der Theke hängen – alles Antiquitäten, die die Bielers über eBay und die niederländische Second-Hand-Plattform Marktplaats erworben haben. Sie schmücken nun das Innere des Gastraums und der guten Stube.

Eine alte Ledercouch in der Stube. Moderne Möbel in das Café zu stellen wäre ein Stilbruch, findet Andreas Bieler.
Eine alte Ledercouch in der Stube. Moderne Möbel in das Café zu stellen wäre ein Stilbruch, findet Andreas Bieler.

„Etwas Neues kommt uns hier nicht rein, das wäre ein Stilbruch“, sagt Andreas Bieler. In Zukunft soll man einige der Antiquitäten sogar erwerben können. Der Plan von Caféinhaberin Anniek Bieler ist es, einige der alten Möbelstücke und Gemälde, die nun das Café verschönern, den Gästen zum Kauf anzubieten.

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