Rundgang Uraltes Haus in Greetsiel ist jetzt schickes Café
Das alte Haus in der Mühlenstraße in Greetsiel drohte zu verfallen – jetzt führt eine junge Frau dort ein schickes Café. Was den besonderen Charme der Immobilie ausmacht.
Greetsiel - Ein paar Brettspiele liegen in der Stube. Passend zu den Festtagen liegen auf den Tischen und Fensterbänken zudem geschmückte Adventskränze. Eine Lichterkette schlängelt sich einmal um den Raum. Andreas Bieler legt etwas Holz im Ofen nach, damit es schön warm bleibt im Gastraum des Café Lili. Tochter Anniek Bieler, die das Café in Greetsiel führt, entschuldigt sich – gerade sind wieder ein paar Gäste eingetroffen, die ihre Aufmerksamkeit brauchen.
Das Café in der Mühlenstraße ist mittlerweile eine feste Adresse in Greetsiel. Seit mehr als einem Jahr gibt es dort Kaffee, Kuchen und Alkoholisches. Dabei war dort, wo sich jetzt ein schickes Café mit rustikalem Charme befindet, vor knapp zwei Jahren noch eine große Baustelle: Das Haus war eingefallen. Es hatten sich schon Pflanzen im Gebäude ausgebreitet. Die Innenräume waren bis oben hin voll mit Müll und Unrat. Trotzdem hat sich die Familie Bieler getraut, das alte Haus zu kaufen und wieder schön herzurichten.
Familie Bieler: Erfahrung mit der Sanierung alter Häuser
Mit alten Häusern kennt sich Familie Bieler aus. Sie wohnt in den Niederlanden in einem rund 400 Jahre alten Resthof, der zuletzt in den 1970er Jahren saniert wurde. Auch dort hat die Familie selbst Hand angelegt und den Hof saniert. Die Erfahrung mit dem Umbau ist also vorhanden. Diese Erfahrung ist auch notwendig.
Das Haus in Greetsiel war zum Zeitpunkt des Kaufes in einem ziemlich verfallenen Zustand. Es hatte vorher drei Jahre lang leergestanden. Trotzdem entschied sich die Familie für den Kauf. „Wir haben nie lange überlegt“, sagt Bieler. „Manche Menschen eiern nur herum und kommen dann nicht zum Entschluss. Wir dachten uns, wir machen es einfach.“ Auch bei ihrem ehemaligen Haus im Emsland haben sie nicht lange überlegt und es innerhalb von zwei Tagen besichtigt und den Kaufvertrag unterschrieben.
Vom Odenwald ins Emsland und nach Holland: Jetzt kommt Greetsiel
Ursprünglich kommt Andreas Bieler aus dem baden-württembergischen Odenwald. Seine Frau ist Niederländerin. Die Kinder wurden zweisprachig erzogen. Viele Jahre lebten die Bielers mit ihren Pferden im Emsland, bevor es über die Grenze ging. Anniek Bieler, die nun das Café leitet, hat in den Niederlanden Physiotherapie studiert. Auch heute arbeitet sie im Nachbarland noch als Physiotherapeutin. Immer von montags bis mittwochs ist sie in der Praxis bei Groningen tätig. Ende der Woche pendelt sie nach Greetsiel, um sich hier um ihr Herzensprojekt, das Café Lili, zu kümmern.
Seine Tochter habe schon immer in der Gastronomie gearbeitet und viel Freude in diesem Bereich gehabt, sagt Andreas Bieler. Sie hat das Haus in Greetsiel im März 2024 gemeinsam mit ihrem Bruder gekauft. Seit dem Sommer desselben Jahres ist das Café nun schon geöffnet. Früher befanden sich Ferienwohnungen in dem Haus aus dem Jahr 1717. Außerdem war dort eine Schusterwerkstatt beheimatet. Der Tresen im Eingangsbereich ist sogar noch der Originaltresen des Schusters. Heute gehen aber keine Schuhe mehr über den Tresen, sondern nur noch selbst gemachter Kuchen.
Café Lili: Name beruht auf Anekdote
Der Name des Cafés stammt übrigens von der Jahreszahl der Entstehung des Hauses ab. Die Maueranker an der Fassade bilden die Ziffern 1717. Diese hat Andreas Bieler auf einem kleinen Kupferkästchen verewigt, welches er für Tochter Anniek vor dem Hauskauf angefertigt hat.
Das Kästchen legte er auf ihren Schreibtisch. Als Anniek Bieler das sah, schaute sie ihren Vater fragend an: Wer ist Lili? Sie hatte die Ziffern auf dem Kopf gelesen, auf diese Art und Weise sahen sie aus wie der Name Lili. So war der Name des Cafés geboren.
Überraschung beim Umbau: Verborgener Raum entdeckt
Verwunderlich: Das über 300 Jahre alte Haus steht nicht unter Denkmalschutz. Im Fischerdorf Greetsiel sind mehr als 50 Baudenkmäler eingetragen. Am bekanntesten sind wohl das alte Steinhaus aus dem 16. Jahrhundert und Poppinga‘s Alte Bäckerei in der Sielstraße. Auch in der zentralen Mühlenstraße stehen einige Häuser unter Denkmalschutz – aber nicht das kleine Häuschen von 1717. „Der Denkmalschutz war hier, hat aber nichts Schützenswertes gesehen“, sagt Andreas Bieler.
Für die Bielers bedeutet das mehr Freiheit beim Umbau. Gerade wurde das Dach saniert. Parallel dazu laufen aktuell die Umbauarbeiten im Obergeschoss. Dort lauerte sogar noch eine Überraschung: „Oben gibt es einen Raum, den hat schon seit Ewigkeiten niemand mehr betreten“, sagt Andreas Bieler. Der Raum hatte nämlich keine Tür. „Früher muss dort eine Treppe aus dem Untergeschoss hochgeführt haben, auf den Speicher“, so Bieler. Doch diese Treppe gibt es schon lange nicht mehr. Die Öffnung wurde verschlossen. Bis die Bielers eine Mauer entfernt hatten und so wieder in den Raum gelangen konnten. Wertvolle Schätze oder gruselige Funde haben sie dort oben nicht gemacht. Der Raum war leer.
Antiquitäten im Café Lili: Fundstücke mit Geschichte
Dafür hat Familie Bieler aus dem Rest des Hauses einen wertvollen Schatz gemacht. Auf den Fensterbänken und an den Wänden stehen und hängen alte Fundstücke. Ein historisches Bügeleisen, alte Gewichte, Teekessel, die nun als Lampenschirme über der Theke hängen – alles Antiquitäten, die die Bielers über eBay und die niederländische Second-Hand-Plattform Marktplaats erworben haben. Sie schmücken nun das Innere des Gastraums und der guten Stube.
„Etwas Neues kommt uns hier nicht rein, das wäre ein Stilbruch“, sagt Andreas Bieler. In Zukunft soll man einige der Antiquitäten sogar erwerben können. Der Plan von Caféinhaberin Anniek Bieler ist es, einige der alten Möbelstücke und Gemälde, die nun das Café verschönern, den Gästen zum Kauf anzubieten.