Osnabrück Mit Mut, Engagement und Lebensfreude: Diese Menschen aus Osnabrück haben uns 2025 inspiriert
Was wäre Osnabrück ohne all die Menschen, die sich für die Allgemeinheit einsetzen, die Mut beweisen und die anderen Mut machen? Auch 2025 durfte unsere Redaktion wieder einige von ihnen kennenlernen. Lesen Sie selbst.
Es gab 2025 wieder so viele schlechte Nachrichten in der Welt. Aber es gab auch Menschen in Osnabrück, die Mut machten. Für unsere Redaktion ist es jedes Mal aufs Neue etwas Besonderes, wenn diese Menschen einen Einblick in ihr Leben gewähren. Wir geben ihnen eine Stimme, damit ihr Schicksal auch andere berühren kann. Eine kleine Auswahl – stellvertretend für alle, die sich dieses Jahr für andere eingesetzt und uns inspiriert haben.
Wer Mohammad Afrough in diesem Jahr während der Bomben-Räumungen im Evakuierungszentrum an der Essensausgabe erlebt hat, der kennt ihn als fleißigen Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Unvergessen die Momente, wenn er geschwind mit dampfendem Nachschub in den Händen um die Ecke kommt.
Afrough wirkt geduldig und verständnisvoll. Es ist kaum vorstellbar, dass seine Gesichtszüge überhaupt so etwas wie Stress oder „genervt sein“ ausdrücken könnten. Seine Zuversicht ist besonders in der Ausnahmesituation einer Evakuierung – und das umso mehr, als Afrough als Geflüchteter aus dem Iran in der Friedensstadt lebt.
Seine Heimat musste er aus religiösen Gründen verlassen. Er ist ein zum Christentum konvertierter Muslim. Menschen wie er werden von den Mullahs im Iran verfolgt. Mit seiner tatkräftigen Unterstützung bei den Evakuierungen will er der hiesigen Gesellschaft etwas zurückgeben. Es ist seine Art Danke zu sagen, dass er in Osnabrück Schutz, Aufnahme und Unterstützung erlebt. Seine Dankbarkeit ist ein Geschenk. Und dafür wiederum verdient Afrough Dank und Anerkennung.
Eigentlich hat Ruth Hoefner uns nicht nur dieses Jahr inspiriert. 2024 waren wir zum ersten Mal bei der damals 102-Jährigen. Sie war gerade ins betreute Wohnen umgezogen und feierte Geburtstag. Ruth Hoefner empfing in ihrem neuen Heim, erzählte aus ihrer Jugend als Kriegskind und erinnerte sich an jedes Detail.
Sie war geistig topfit und hatte sich nach einem Sturz gerade erst aus dem Rollstuhl gekämpft. Treppen steigen, viel mehr üben als der Physiotherapeut will und eiserner Wille lauteten ihr Rezept. Das Beeindruckendste an Ruth Hoefner aber waren ihre Schlagfertigkeit und ihr Humor. „Wenn mein Mann wüsste, dass die Alte immer noch hier ist“, sagte sie bei unserem Besuch und warf vor Lachen den Kopf in den Nacken.
2025 hatten wir eine neue Volontärin in der Redaktion. Das Porträt-Schreiben wollte sie üben, einen szenischen Bericht über eine spannende Persönlichkeit verfassen. Wer könnte da geeigneter sein als Ruth Hoefner? Und so gab es einen zweiten Text über die dann 103-Jährige, die beim Vor-Ort-Besuch den Fotografen aufforderte, ihren Rollstuhl zu testen. Er müsse ja für später üben. Und wir erfuhren, dass sie seit unserem letzten Besuch die Anführerin einer kleinen Spielegruppe im betreuten Wohnen geworden war.
Natürlich gab es auch ein Sektchen zum Rummikub. Das passte zu der lebensfrohen Frau. Ruth Hoefner zog die Menschen in ihren Bann. Mit ihrer authentischen Art, ihrem schönen Lachen, ihrem trockenen Humor, ihrer Weisheit und ihrer Lebensfreude. Am 2. November 2025 ist sie im Alter von 103 Jahren gestorben.
Über Svenja Wilm hat unsere Redaktion in diesem Jahr gleich zwei Texte veröffentlicht: Einen ersten darüber, wie man als junger Mensch mit einer schweren Lebererkrankung lebt, die eine Transplantation erforderlich macht. Und einen zweiten darüber, dass ihr ein Spenderorgan keine zwei Monate später eine Zukunft geschenkt hat. „Mein zweiter Geburtstag“, sagte die 36-jährige Osnabrückerin selbst.
Ihr geht es heute so gut wie lange nicht mehr, wie sie unserer Redaktion erzählt. Ihr Körper nahm das Organ an. Trotz starker Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, erwischte sie bisher nicht mehr als eine Erkältung. Sogar ihre geliebten Sportarten Yoga, Pilates und Spinning kann sie wieder treiben. Dabei war das Beeindruckende an Svenja Wilms Umgang mit der schweren Erkrankung, dass sie ihre Lebenslust und ihren Kampfgeist trotz aller Qualen nie verloren hat.
Nun macht die 36-Jährige wieder Pläne: für Urlaube, Konzerte und all das, was die Erkrankung ihr zwischenzeitlich genommen hatte. Alles Gute!
Cornelia Völckers hat 2025 zusammen mit dem SKM und der Bürgerstiftung Osnabrück ein ganz besonderes Projekt angeschoben: eine mobile Straßenambulanz für Obdachlose, die 2026 starten soll. Dabei ist die Allgemeinmedizinerin eigentlich schon längst in Rente. Doch als sie ihre Hausarztpraxis 2020 übergab, war es für sie keine Option, komplett aufzuhören.
„Mein Beruf ist auch mein Hobby“, erzählte sie uns. Also hält sie zweimal die Woche eine medizinische Sprechstunde im Laurentiushaus für Obdachlose ab, schiebt Schichten in der Notdienstambulanz im Klinikum und macht Visiten auf der Palliativstation.
Die mobile Sprechstunde ist ihr neues Projekt, um noch mehr Menschen, die auf der Straße leben und medizinisch schlecht versorgt sind, zu erreichen. Sie rührt die Werbetrommel für Spenden und hat diverse Ärzte dafür begeistern können, bei der Straßenambulanz mitzumachen.
Sie betonte im Gespräch mehrmals, dass es ihr bei dem Job weniger um die Medizin als um den Menschen geht. Ihr Engagement für die Straßenambulanz, ihre Bescheidenheit und ihre Bemühungen für Menschen, die durchs Raster fallen, sind einfach beeindruckend.
Doris Schortemeyer aus Osnabrück liebte das Autofahren. Doch ein plötzlicher Blackout am Steuer änderte alles. Obwohl die 67-Jährige bei dem Unfall glimpflich davonkam und kein Arzt ihr das Fahren verbot, traf sie eine Entscheidung: Sie gab ihren Führerschein freiwillig ab. Nicht aus Angst um sich selbst, sondern aus Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen.
Während ihr Umfeld mit Unverständnis reagierte und zum Abwarten riet, blieb die Osnabrückerin bei ihrer Entscheidung – und rief in unserer Redaktion an. „Es ist nicht die Angst um mich selbst“, betonte Doris Schortemeyer. „Aber ich will nicht diejenige sein, die aufwacht und jemand anderes ist tot.“
Etliche unserer Leser zollten der 67-Jährigen in Online-Kommentaren Respekt für ihre Entscheidung. Bis heute werde sie im Bus darauf angesprochen, erzählte sie uns kurz vor Weihnachten. Doris Schortemeyer hat den ÖPNV für sich entdeckt und fährt nun regelmäßig mit dem Bus nach Hunteburg zu ihrer Tochter und ihren Enkeln. Das dauere zwar anderthalb Stunden, sagt sie, aber langweilig werde ihr dabei nicht.
Seine Berufsbezeichnung „Generalmusikdirektor“ mag Christopher Lichtenstein nicht wirklich. Er fühlt sich nicht als General, sagt er. Ja, vielleicht fühlt er sich nicht einmal als Direktor seines Orchesters, sondern eher als der Erste unter Gleichen. Für die Musiker des Osnabrücker Symphonieorchesters ist er jedenfalls nicht „Herr Lichtenstein“, sondern Christopher.
Auch zum Publikum pflegt er einen engen Kontakt. Er spricht mit seinen Gästen, erläutert die Musik und seine Leidenschaft für den englischen Komponisten Edward Elgar – und warum die Repertoire-Renner von Bach bis Brahms bei ihm erst einmal keine tragende Rolle spielen werden.
Damit geht er ein Risiko ein; normalerweise reagiert das Publikum auf fremde Namen und Werke mit Zurückhaltung an der Kasse. Bei Lichtenstein ist das anders: Seinem Osnabrücker Symphonieorchester ist er Inspirationsquelle und Quell der Begeisterung gleichermaßen, und deshalb erscheinen dem Publikum Repertoire-Raritäten wie alte Bekannte. Nicht umsonst erntet er bisher regelmäßig stehende Ovationen. Und es spricht so ziemlich alles dafür, dass das auch 2026 so bleibt.