Osnabrück Selbstheilungskräfte aktiviert: Osnabrück baut sich eine Medizinische Hochschule
Stadt und Landkreis Osnabrück wollen gemeinsam eine private Hochschule für Medizin gründen: Diese Nachricht, die am 3. Juni 2025 im Osnabrücker Kreishaus verkündet wurde, elektrisierte alle, die das Thema Gesundheit berührt. Das ist der Stand Ende 2025.
Zum Wintersemester 2027 sollen die ersten Studenten an der privaten Hochschule für Medizin Osnabrück (HMO) ihr Studium beginnen. Das ist ein ehrgeiziges Ziel. Bis heute ist noch nichts zu sehen von der neuen Medizinhochschule – außer schriftliche Konzepte. Immerhin, die Anschubfinanzierung steht und ein erster Schritt ist getan.
Der erste Schritt ist die Suche nach einem Projektmanager, der im Auftrag von Stadt und Landkreis die Gründung der Hochschule vorbereitet und begleitet. Die entsprechende Ausschreibung endete am 15. Dezember 2025. Die Auswertung läuft. Wer zum Zuge kommen wird, ist öffentlich noch nicht bekannt.
Der Projektmanager muss fast nichts neu erfinden. Osnabrück verfügt über vieles, was zur Medizinerausbildung nötig ist: Hörsäle, Studierendenwerk, Labore, Kliniken auf universitärem Niveau. Neu ist bei dem Konstrukt, dass eine privat finanzierte Bildungseinrichtung die Infrastruktur staatlicher Hochschulen wird mitnutzen dürfen.
Der Aufbau der Medizinschule ist beim Innovationszentrum ICO angedockt. Der Stadtrat und der Kreistag haben in ihren Dezembersitzungen jeweils 450.000 Euro zur HMO-Projektentwicklung an die ICO GmbH überwiesen. Stadt und Landkreis sind bereit, insgesamt zehn Millionen Euro als Anschubfinanzierung zur Verfügung zu stellen.
50 Studierende sollen pro Semester aufgenommen werden. Maximal 500 Studienplätze soll die neue Medizin-Hochschule haben. Wenn alles wie geplant läuft, wird die neue Lehranstalt 2032 ihre Sollgröße erreicht haben und wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen. Frühestens 2033 könnten die ersten Studierenden das Staatsexamen ablegen.
Die Abiturnote soll bei der Auswahl der Studenten keine Rolle spielen. Bewerber werden ein mehrschichtiges Bewerbungsverfahren durchlaufen müssen, in dem Vorbildung, Vorerfahrung, soziale Kompetenzen und weitere Kriterien bewertet werden. Das Auswahlverfahren muss eng mit dem Wissenschaftsrat des Landes Niedersachsen abgestimmt werden, der es am Ende auch genehmigen muss.
Ein heikles Thema sind die Studiengebühren. Sie sind zur Finanzierung der Hochschule unverzichtbar. Eine Orientierung, wie hoch die Studiengebühren in Osnabrück sein dürften, geben die Sätze der Medizin-Hochschule Brandenburg, die 2015 gegründet wurde. Dort kostet ein sechsjähriges Studium derzeit 118.000 Euro an Gebühren. Das sind knapp 10.000 Euro pro Semester.
Den Initiatoren der Medizin-Hochschule Osnabrück ist es wichtig, dass ein Studium nicht am Geld scheitern darf. Deshalb soll es möglichst viele Stipendien geben, ausgelobt zum Beispiel von Kommunen in der Region. Sie könnten die Finanzierung eines Medizinstudiums mit der Auflage verbinden, dass der künftige Arzt oder die künftige Ärztin für eine Mindestzeit in der jeweiligen Gemeinde eine Hausarztpraxis unterhält.