Osnabrück „Machofreie Zone“: Fahrschule in Osnabrück bietet Unterricht von Frauen für Frauen
Die Frauenfahrschule Osnabrück an der Iburger Straße verfolgt ein besonderes Konzept: Hier dürfen nur Frauen ans Steuer. Das sagen die Fahrlehrerinnen über die Notwendigkeit dieses Angebots, das im Januar 2026 eröffnet.
Im Januar geht es los: An der Iburger Straße 67 eröffnet die Frauenfahrschule Osnabrück. Der Name ist Programm: Dort werden nur Fahrlehrerinnen arbeiten, und auch an den Kursen teilnehmen dürfen nur Frauen. Wie der Betreiber Stefan Eggert sagt, ist das Projekt schon lange in Planung, doch es kam immer wieder zu Verzögerungen. Die Fenster sind daher schon lange beklebt: „Von Frau zu Frau“ ist darauf zu lesen und: „Machofreie Zone, Lady Drive“.
„Von Frau zu Frau“ ist auch das Motto der Fahrschule. Damit reagieren die Betreiber auf Erfahrungen vieler Frauen, die sich in gemischten Kursen unsicher fühlten, wie Fahrschulleiterin Dorentina Bitiqi erklärt. Sie berichtet, dass viele Frauen sich in gemischten Kursen nicht ernst genommen fühlen oder Hemmungen haben, Fragen zu stellen. Die Frauenfahrschule soll diesen Führerscheinanwärterinnen mehr Ruhe, Selbstvertrauen und Sicherheit am Steuer geben.
Und wie sieht es aus mit der Nachfrage? „Hundertprozentig, ja“, die Nachfrage sei groß, sagt Bitiqi – oft hätten Fahrschülerinnen sogar die Fahrschule gewechselt, weil sie lieber von einer Frau lernen wollten. Auch Eggert bestätigt den Trend: Viele suchten gezielt nach Fahrlehrerinnen.
Die Erfahrungen zeigen außerdem, dass Sensibilität und Ruhe im Auto oft eine große Rolle spielen. Fahrlehrerin Martina Hahnel, die die Motorradausbildung übernimmt, hat die Erfahrung gemacht, dass sich viele Schüler – auch Männer – inzwischen einen weniger konfrontativen Unterrichtston wünschen.
„Es geht nicht nur ums Autofahren“, sagt Bitiqi dazu, „Die Leute müssen sich wohlfühlen, um imstande zu sein, ein Auto überhaupt zu fahren.“
Gerade für Frauen, die unter Vorurteilen oder niedrigem Selbstvertrauen leiden, soll die neue Frauenfahrschule ein geschützter Raum sein. Bitiqi erklärt, wie sehr ihr dieser Aspekt am Herzen liegt. Viele Frauen kämen mit Ängsten, belastenden Erfahrungen oder großen Unsicherheiten. Das Ziel der Fahrlehrerinnen sei es, dass Fahrschülerinnen mit Selbstbewusstsein an das Autofahren herangehen können.
Laut Bitiqi bräuchten einige Frauen – etwa aus Familien, in denen Autofahren traditionell Männern vorbehalten ist – besondere Ermutigung. Bitiqi erzählt von Müttern, die sich nie getraut hätten, selbst den Führerschein zu machen, obwohl sie gern würden. „Wenn ich eine Schülerin zur Fahrprüfung vorbereitet habe, ist es schon oft passiert, dass die Mutter mich umarmt und sich bedankt hat. Sie sagte: ‚Als hätte ich den Führerschein gemacht!‘ Und ich frage die Mutter dann immer, warum sie es nicht einfach tun.“
Vor der Frauenfahrschule war in den Räumen ebenfalls eine Fahrschule beheimatet.