Osnabrück VfL Osnabrück: Chancenwucher - und dazu wackelt plötzlich auch die Abwehr
Es war wohl eine der bittersten Niederlagen des VfL Osnabrück in dieser Saison. 60 Minuten lang waren die Gastgeber gegen den VfB Stuttgart II deutlich überlegen, erspielten sich insgesamt mehr Chancen und unterlagen am Ende doch mit 1:2. Das ist die Einzelkritik zum letzten Spiel des VfL in der Hinrunde der 3. Fußball-Liga.
#23 Tony Lesueur: Der 25-Jährige stand nach seinem starken Auftritt in Ulm erneut in der Startelf, wo er im Duell mit Frederik Christensen und Kevin Schumacher (nicht im Kader) aktuell die Nase vorne hat. Gab den ersten Schuss nach 6. Minuten ab, brachte den Ball allerdings zu schwach aufs Tor. Steigerte sich danach, brachte immer wieder seine Schnelligkeit ins Spiel. War defensiv aufmerksam und vor allem bei seinen Flanken meistens präzise- Setzte sich vor dem 1:0 ganz stark auf der linken Seite durch. Sprintete von der Mittellinie bis zur Grundlinie, flankte und fand in der Mitte genau David Kopacz, der zum 1:0 verwandelte. Ist damit nicht mehr nur eine Option auf der linken Seite, sondern eher sogar gesetzt.
#26 Fridolin Wagner: Bekam in der 12. Minute einen Tritt in die Hacken. Blieb kurz liegen und musste behandelt werden, doch schnell ging es wieder weiter für den 28-Jährigen. Gut so, denn es war eines seiner besten Spiele in dieser Saison. Ackerte viel, agierte mit jeder Menge Übersicht und wenig Fehlern. War im Mittelfeld deutlich auffälliger als Nebenmann Bjarke Jacobsen. Hat sich in den vergangenen Wochen seinen Stammplatz im Mittelfeld zurückerobert und dürfte ihn in dieser Form auch nach der Winterpause erst einmal behalten.
#29 David Kopacz: Begann stark. Hatte die erste gute Chance bereits kurz nach dem Anpfiff, als er sich nach einem langen Pass von Robin Fabinski gut gegen Maximilian Herwerth durchsetzte, der sich völlig verschätzte. Stand dann relativ frei vorm Tor und setzt den Ball an den rechten Pfosten. Nutzte kurz darauf allerdings eine schöne Flanke von Lesueur zum 1:0. Lief gut durch, stand richtig und behielt diesmal Übersicht und Ruhe. Es war das dritte Saisontor des 26-Jährigen. Setzte mit einem starken Pass kurz vor der Pause, Meißner gut in Szene. Baute danach allerdings, wie viele seiner Teamkollegen, etwas ab.
#11 Robin Meißner: Eigentlich war es wieder einmal ein richtig guter Auftritt des laufstarken Stürmers, der so gut wie jeden Ball festmachte. Trübten da nicht die vielen vergebenen Chancen die Bilanz. Mit einer überragenden Ballannahme im Strafraum legte er sich selbst seine beste Chance vor. Sein Abschluss ging allerdings genau auf Stuttgarts Keeper Florian Hellstern. Einen starken Pass von Lars Kehl nahm er ebenfalls gut mit, legte ihn diesmal am Torwart, aber auch knapp am rechten Pfosten vorbei. Knapp war auch sein Distanzschuss von der rechten Strafraumgrenze. Fünf Treffer hat Meißner auswärts bereits erzielt, an der Bremer Brücke scheint das Tor für den Leihspieler aus Dresden wie vernagelt.
#27 Robin Fabinski: Blockte gleich in der 10. Minute einen Schuss von Mirza Catovic. War auch sonst oft zur Stelle und löste seine Aufgaben gut. Leitet mit zwei langen Bällen zwei gute Osnabrücker Chancen ein, wobei eine dieser Aktionen erst durch Herwerths Fehleinschätzung Kopacz in Position bringt. Der junge Innenverteidiger hat sich in den vergangenen Wochen festgespielt in der Defensive des VfL und dürfte seinen Platz so schnell auch nicht verlieren.
#24 Jannik Müller: Agierte wie so oft in dieser Saison mit viel Ruhe und Routine. Machte mit Jacobsen das Zentrum meistens dicht, hatte gemeinsam mit dem Dänen aber auch einen Ballverlust, der zu einer Stuttgarter Ecke führte. Reagierte beim 1:1 der Stuttgarter etwas zu spät, wurde da allerdings auch von Kammerbauers Fehler überrascht. Lief in der 75. Minute einmal ganz stark den eingewechselten Mohammed Sankoh ab. Kassierte seine sechste gelbe Karte nach einer Rangelei mit Mansour Ouro-Tagba.
#25 Niklas Wiemann: Hatte in Ulm per Kopf nach einer Ecke getroffen, konzentrierte sich an der Bremer Brücke aber eher wieder auf die Defensive. Der Innenverteidiger spielte über weite Strecken eine unauffällige Partie. Rutschte vor dem 1:2 als letzter Mann am Ball vorbei - konnte dabei aber nicht mehr viel ausrichten. Sein Fehlpass kurz vor Schluss hätte beinahe noch zu einer Stuttgarter Chance geführt, ansonsten aber war er aufmerksam.
#18 Lars Kehl: Der 23-Jährige stand in der Hinrunde in jedem Spiel in der Startelf. Im letzten Spiel vor der Winterpause waren ihm die kräftezehrenden letzten Monate deutlich anzumerken. Wirkte nicht ganz so quirlig und präsent wie so oft und hatte ein paar unglückliche Aktionen (Handspiel, gelbe Karte). Hatte direkt nach der Pause das 2:0 auf dem Fuß. Seinen Drehschuss im Strafraum parierte allerdings Stuttgarts Torwart stark. Schickte kurz darauf Meißner, doch auch dieser nutzte die Möglichkeit nicht, den VfL mit zwei Toren in Führung zu bringen.
#15 Bjarke Jacobsen: Hatte nur wenig auffällige Szenen, aber die hatten es in sich. Sein schöner Diagonalball auf Lesueur, den dieser allerdings nicht verwerten konnte, bekam Szenenapplaus. Dazu erzielte der Däne beinahe sein viertes Tor nach einer Ecke - diesmal allerdings nicht mit dem Kopf, sondern dem Fuß. Sein Schuss ging knapp vorbei. Ansonsten galt für den 32-Jährigen ähnlich wie für Kehl: Er wirkte ein wenig als würde er auf letzter Rille in die Winterpause fahren.
#21 Lukas Jonsson: Hat in den vergangenen Wochen etwas an Souveränität eingebüßt, die ihn seit Jahresbeginn ausgezeichnet hatte. Musste in der ersten Halbzeit kaum eingreifen, wobei er bei eher zurückhaltend weggefausteten Ecken, die Stuttgart bewusst direkt aufs Tor zielte, nicht wirklich Sicherheit ausstrahlte. Gab beim ersten Stuttgarter Tor Kammerbauer zuerst keine Rückpass-Option und zog sich dann weit auf die Torlinie zurück, sodass er die Hereingabe an den Fünfer nicht erreichen konnte. Hatte zudem Probleme, seine Abschläge und weiten Bälle an die Teamkollegen zu bringen. Muss sich wieder steigern, will er in der Rückrunde wieder zum festen Rückhalt dieser Mannschaft werden.
#31 Patrick Kammerbauer: Der Außenbahnspieler stand bis zu diesem Spiel als einziger Profi im Dress des VfL stets immer bis zum Schluss auf dem Platz. Doch auch ein „Mister Zuverlässig“ kann mal einen weniger guten Tag haben. War daran aber nicht immer selbst schuld. Setzte mehrfach seine Mitspieler gut in Szene, doch einmal konnte Meißner den Ball nicht gut annehmen, ein anderes Mal hätte Kopacz am Ende abstauben können, war aber nicht gedankenschnell genug. Entschied sich kurz vor der Pause auf Meißner abzuspielen, statt selbst zu schießen. Der Pass war allerdings zu ungenau. Patzte dann dick vor dem Stuttgarter Ausgleich, als er einen langen Ball komplett unterschätzte und Vorlagengeber Leny Meyer direkt in den Lauf köpfte. Wurde in der 78. Minute erstmals vor Ende der Spielzeit ausgewechselt.
#10 Kai Pröger (ab der 68. Minute für Lesueur): Der 33-Jährige hat sich in die Saison regelrecht hineingebissen. Befand sich nach großen Anfangsschwierigkeiten zuletzt im Aufwind. Kam gegen den VfB als erster Einwechselspieler. Rutschte auf die rechte Seite und verdrängte Kammerbauer nach links. Sollte noch einmal neuen Schwung bringen, setzte aber wenig Impulse - bezeichnend sein Ballverlust im Dribbling, als er sich einen eigentlich gut verarbeiteten langen Ball viel zu weit vorlegte. Machte vor dem Stuttgarter 2:1 gleich mehrere Dinge nicht gut. War erst am Ballverlust beteiligt, fiel dann hin und ließ dann auch noch seinen Gegenspieler entwischen.
#22 Bernd Rießelmann (ab der 76. Minute für Kopacz), #37 Ismail Badjie (ab der 76. Minute für Kehl), #14 Luc Ihorst (ab der 78. Minute für Kammerbauer), #6 Bryan Henning (ab der 78. Minute für Wagner).