Osnabrück „Wohnt dein Vater auch so weit weg?“ Warum für Alleinerziehende Austausch wichtig ist
Stress in der Weihnachtszeit, das kennen viel. Für Alleinerziehende gilt das umso mehr. Was Osnabrücker Solo-Eltern dagegen unternehmen – und wie ihnen das gleichnamige Projekt dabei hilft.
Farben mischen, Skulpturen formen, Fotos mit Verkleidungen schießen: Vier Monate lang haben Kathrin Borschel und ihr Sohn Jasper alle zwei Wochen den Kunstvermittlungsraum KunstSprung an der Osnabrücker Martinistraße besucht. Dort wurden sie zusammen mit anderen Mutter-Kind-Paaren kreativ. Was alle Mütter verband: Sie leben alleinerziehend. „Solo-Eltern“ heißt das Projekt der katholischen Familienbildungsstätte Osnabrück (Fabi). Das Kunstprojekt wurde gefördert von der Felicitas und Werner Egerland Stiftung.
Unter Anleitung der Künstlerin Birgit Kannengießer setzten Borschel und Jasper verschiedenste Ideen um: Bei einem Termin maßen sie Körperteile ab und bauten aus entsprechend langen Bauklötzen Skulpturen, an einem anderen malten sie Porträts voneinander. Jasper ist stolz auf seine Werke, besonders die Zeichnung seiner Mama habe ihm viel Spaß gemacht, sagt der Sechsjährige.
Dass es Projekte wie dieses gibt, weiß Borschel zu schätzen – gerade für den Austausch. „Unter Alleinerziehenden gibt es ein anderes Verständnis“, sagt sie. Auch bei bestem Willen könnten Eltern, die als Paar zusammenleben, ihre Belastungen oft nur schwer nachvollziehen. Das ist hier anders: „Ich habe das Gefühl, verstanden zu werden“, sagt Borschel. „Wenn ich hier sage ‚Ich bin gestresst‘ wissen alle genau, was gemeint ist.“
Genau zu diesem Zweck habe die Fabi das Projekt organisiert, sagt Koordinatorin Natalie Sommer. Auch sie selbst hat mit ihrer achtjährigen Tochter Helen teilgenommen. Es sei wichtig, Möglichkeiten zum Gespräch zu schaffen – auch für die Kinder.
Fragen wie „Wohnt dein Vater auch so weit weg wie meiner?“ könnten hier unter Kindern ganz ungezwungen gestellt werden. „Sie merken dann, dass sie damit nicht alleine sind“, sagt Sommer. Neben dem Kunstprojekt bietet die Fabi auch monatliche offene Treffen und alle drei Monate Wochenendaktionen wie gemeinsames Kochen oder Kinobesuche für Alleinerziehende an.
Gerade in der Weihnachtszeit wird die besondere Situation Alleinerziehender deutlich, sagt Sommer. Das „Fest der Familie“ bedeutet hier in der Regel auch: viele Absprachen, Kompromisse und gegenseitiges Verständnis. Sommer selbst lebt seit sieben Jahren getrennt vom Vater ihrer Kinder. Mittlerweile habe sich eine eigene Tradition etabliert: Weihnachten verbringen die Kinder bei der Mutter, Silvester beim Vater. „Aber gerade am Anfang, wenn man noch ambivalente Gefühle als Paar hat, kann die Organisation vom Weihnachtsfest zur Belastung werden“, weiß sie.
Auch Borschel empfindet Weihnachten häufig als Anstrengung: Geschenke planen, besorgen, aber auch Rituale wie gemeinsames Plätzchenbacken – gerade ohne eine Arbeitsteilung zwischen Partnern könne das statt Besinnung auch viel Stress bedeuten.
Ihr Tipp? „Mehr liegen lassen als sonst“, sagt Borschel und zuckt lächelnd die Achseln. Außerdem: Irgendwie versuchen, Ruhe reinzubringen: „Mir hilft es total, sich auch mal einen Nachmittag nichts vorzunehmen und mal wieder bewusst Zeit zu zweit zu verbringen.“