Osnabrück Diese Veränderungen bringt der fünfte Nahverkehrsplan in Stadt und Landkreis Osnabrück
Mehr Verlässlichkeit, neue Angebote, bessere Daten: Der fünfte Nahverkehrsplan legt fest, wie sich Bus und Bahn in Stadt und Landkreis Osnabrück von 2026 bis 2030 verändern sollen – und wo der größte Handlungsbedarf liegt.
Mit dem fünften Nahverkehrsplan (NVP) haben Stadt und Landkreis Osnabrück die strategische Ausrichtung des Öffentlichen Personennahverkehrs für den Zeitraum Januar 2026 bis Dezember 2030 festgelegt. Nach Beschlüssen in Stadtrat und Kreistag liegt nun ein gemeinsamer Rahmen vor, der den ÖPNV leistungsfähiger, verlässlicher und klimafreundlicher machen soll. Ziel ist es, den Anteil von Bus und Bahn am Gesamtverkehr zu erhöhen und so einen Beitrag zu den Klima- und Umweltzielen der Region zu leisten.
Der neue Nahverkehrsplan ist dabei kein fertiger Fahrplan, sondern ein zentrales Steuerungsinstrument. Kreisrat Thomas Könnecker betont: „Der Beschluss des Nahverkehrsplans schafft eine verlässliche Grundlage, um den ÖPNV künftig transparent und datenbasiert weiterzuentwickeln.“
Als besonders stabil bewertet der Landkreis die Schnellbuslinien S20 (Osnabrück–Bad Essen) und S40 (Osnabrück–Bad Laer–Glandorf). Beide Linien zählten im Jahr 2025 werktags im Schnitt mehr als 700 Fahrgäste – ein Zuwachs von bis zu 17 Prozent zum Vorjahr bei der S20 und von 10 Prozent zum Vorjahr bei der S40. Auch die Linie 260 (Bohmte–Bramsche) wird 2026 weitergeführt. Der Landkreis wertet diese drei Linien als die verlässlichsten Bestandteile des Mobilitätsprojekts MOIN+, deren Erfahrungen nun in die langfristige Planung einfließen.
Für die Stadt Osnabrück markiert der Beschluss zugleich den Einstieg in die konkrete Planung eines neuen „Zukunftsnetzes“. Stadtbaurat Thimo Weitemeier sieht darin eine „zentrale Weichenstellung für die künftige Mobilität in Stadt und Region“, die ambitionierte Ziele mit realistischen Rahmenbedingungen verbinde und Planungssicherheit schaffen solle.
„Der neue Nahverkehrsplan ist eine zentrale Weichenstellung für die zukünftige Mobilität in Stadt und Region. Er verbindet ambitionierte Ziele mit realistischen Grundlagen und schafft Verlässlichkeit für die nächsten Jahre“, erklärt Osnabrücks Stadtbaurat Thimo Weitemeier. Das „Zukunftsnetz“ folgt dabei den politisch beschlossenen Leitplanken, unter anderem mit einer Verstetigung des bestehenden Takts, dem Metrobus-Netz als Rückgrat sowie einer engen Verknüpfung mit dem Umland. Ergänzend sind Maßnahmen zur Busbeschleunigung, zur Verbesserung der Fahrgastinformation und zur Kundenkommunikation vorgesehen.
Deutlich benennt der Nahverkehrsplan auch Schwächen – vor allem bei der Zuverlässigkeit des Busverkehrs in der Stadt Osnabrück. Die Pünktlichkeitsquoten im Metrobus-Netz liegen teilweise unter 70 Prozent, die durchschnittlichen Geschwindigkeiten im Stadtgebiet bei lediglich 17 bis 18 Kilometern pro Stunde. Vorgesehen ist eigentlich ein Tempo von im Schnitt mindestens 22 km/h.
Als Gegenmaßnahme setzt der Plan auf eine konsequente Busbeschleunigung, etwa durch Vorrangschaltungen an Ampeln und eine durchgehende Betrachtung kompletter Buslinien, statt nur einzelner Knotenpunkte. Ziel ist es, Fahrzeiten zu verkürzen, Verspätungen zu reduzieren und den Betrieb wirtschaftlicher zu machen.
Das Projekt „Lütti“, das im Rahmen von MOIN+ als Bus auf Abruf eingeführt wurde, läuft offiziell Ende 2025 aus. Da der Start später erfolgte als ursprünglich geplant, wird die Finanzierung des On-Demand-Verkehrs durch Fördermittel bis April 2026 verlängert – allerdings nur in Melle und Bramsche. In beiden Kommunen wird Lütti anschließend überwiegend aus eigenen Mitteln finanziert, unterstützt durch Zuschüsse des Landkreises Osnabrück.
Die Samtgemeinde Bersenbrück verzichtet hingegen auf eine Fortführung. Der Rat lehnte die Verlängerung einstimmig ab. Als Hauptgrund wurde genannt, dass sich die meisten Fahrten auf Strecken konzentrierten, die bereits durch den bestehenden Busverkehr bedient werden, während abgelegene Bereiche kaum erreicht wurden.
Landrätin Anna Kebschull verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass „für die ländlichen Räume ein verlässlicher und gut erreichbarer ÖPNV ein wichtiger Baustein für eine gute Lebensqualität“ sei. Der Nahverkehrsplan greift die Erfahrungen aus MOIN+ auf und sieht vor, On-Demand-Verkehre künftig gezielter und systematischer einzusetzen.
Der Landkreis plant, solche Angebote dort einzuführen, wo klassische Busverbindungen Lücken aufweisen oder die Nachfrage zeitlich stark schwankt – etwa in dünner besiedelten Regionen oder in Randzeiten. Wo Rufbusse über die bisherigen Pilotgebiete Bramsche und Melle hinaus eingeführt werden, soll schrittweise während der Laufzeit des Nahverkehrsplans von 2026 bis 2030 festgelegt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Nahverkehrsplans ist der Ausbau der Datenbasis. Vorgesehen ist unter anderem die Einführung automatisierter Fahrgastzählsysteme, die ab 2027 schrittweise eingeführt werden sollen. Ergänzend ist der Aufbau eines zentralen Datenpools vorgesehen, um Angebotsentscheidungen fundierter treffen zu können.
Der Plan setzt zudem auf eine konsequente Umstellung auf elektrische Busse, den Ausbau von Mobilstationen als Verknüpfungspunkte sowie eine umfassende Digitalisierung des VOS-Systems. Vereinfachte Tarife, bessere Echtzeitinformationen und die Weiterentwicklung von MeinMobiportal sollen den Zugang zum ÖPNV erleichtern.
Osnabrücks Oberbürgermeisterin Katharina Pötter betont, Stadt und Landkreis schafften mit dem Nahverkehrsplan „einen verlässlichen Orientierungsrahmen, um ein attraktives, zuverlässiges und zugleich dauerhaft finanzierbares Angebot weiterzuentwickeln“.
Mit Inkrafttreten des Nahverkehrsplans am 1. Januar 2026 beginnt die Umsetzungsphase. Bis Ende 2030 sollen neue Netzkonzepte, Qualitätsstandards und einzelne Maßnahmen schrittweise konkretisiert und umgesetzt werden.