Osnabrück  Josef Strunk hilft der Ukraine von Osnabrück aus – mit dem, was andere wegwerfen

Sebastian Stricker
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Von Sebastian Stricker
| 21.12.2025 17:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Josef Strunk (links) schickt gespendete Materialien in die Ukraine, wo sie dringend benötigt werden. Die Freiwilligen-Agentur der Stadt Osnabrück um Raphael Dombrowski (rechts) unterstützt ihn dabei. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter freut sich über Strucks Engagement. Foto: Stadt Osnabrück / Monika Nestmann
Josef Strunk (links) schickt gespendete Materialien in die Ukraine, wo sie dringend benötigt werden. Die Freiwilligen-Agentur der Stadt Osnabrück um Raphael Dombrowski (rechts) unterstützt ihn dabei. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter freut sich über Strucks Engagement. Foto: Stadt Osnabrück / Monika Nestmann
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Sein Vater überlebte schwer verletzt den Zweiten Weltkrieg, jetzt hilft Josef Strunk Verwundeten in der Ukraine. Die Aktion des Osnabrücker Rentners zeigt, wie persönliches Engagement Kreise zieht.

In Josef Strunks Garage stapeln sich Dinge, die die meisten Menschen längst entsorgt hätten: abgelaufene Verbandskästen aus verschrotteten Autos, alte Rollatoren, Reste von Kerzen. Doch für den Rentner aus dem Osnabrücker Stadtteil Hellern sind diese scheinbar wertlosen Gegenstände alles andere als Müll. Sie sind Lebensretter.

Seit Anfang 2024 betreibt der pensionierte Heilerziehungspfleger die Initiative „Erste Hilfe für die Ukraine“ (EHfdU). Was als persönliches Projekt begann, hat sich zu einer beeindruckenden Hilfsaktion entwickelt. Mehr als 1400 Artikel hat Strunk bereits gesammelt, sortiert und in die umkämpften Gebiete der Ukraine geschickt – direkt dorthin, wo Menschen infolge des russischen Angriffskrieges um ihr Überleben kämpfen.

Die Motivation für sein Engagement wurzelt tief in Josef Strunks eigener Geschichte. Als Sanitätssoldat der Bundeswehr erlebte er selbst, wie es ist, unter extremen Bedingungen Verwundete versorgen zu müssen. Noch prägender war das Schicksal seines Vaters, der am Ende des Zweiten Weltkriegs schwer verletzt wurde und nur knapp überlebte.

Mit über 3000 verteilten Flyern, Besuchen bei Kirchengemeinden, Arztpraxen, Apotheken und Handwerksbetrieben hat Strunk ein weitreichendes Unterstützernetzwerk aufgebaut. Seine Botschaft ist einfach: Was bei uns ungenutzt in Schubladen liegt oder im Müll landet, kann in der Ukraine Leben retten.

Die Liste seiner Sammlung liest sich wie ein Querschnitt deutscher Haushalte: Erste-Hilfe-Sets, Toilettenstühle, Gehhilfen, Handys, Powerbanks, Decken, Isomatten, Schlafsäcke, Feuerlöscher, Damen-Hygieneartikel, Inkontinenzmaterial.

Ein Unternehmen und eine Postfiliale stellen ihm zusätzliche Lagerflächen zur Verfügung. Unterstützt wird er dabei auch von einem syrischen Geflüchteten, den er seit zehn Jahren begleitet – ein Detail, das zeigt, wie Hilfe Menschen über alle Grenzen hinweg verbindet.

Seit Juni 2024 steht die Freiwilligen-Agentur der Stadt Osnabrück an Strunks Seite. Die professionelle Begleitung hat seine Reichweite vervielfacht. Auch startete die Stadtverwaltung eine interne Spendenaktion unter den Beschäftigten.

Die Materialien gelangen über andere zivilgesellschaftliche Hilfsinitiativen bis nach Charkiw – in Regionen, wo jeder Verbandskasten zählt, wo eine Kompresse den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten kann.

Doch Strunk denkt bereits weiter. Aus der Friedensstadt Osnabrück heraus möchte er mittelfristig ein dauerhaftes Netzwerk zwischen Hilfsmittelspendern und Empfängern in der Ukraine aufbauen. Wer Strunk bei seiner Initiative unterstützen möchte, kann sich bei ihm per E-Mail melden: josef.strunk@osnanet.de.

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