Glandorf Innovative Bepflanzung: Wie Boymann aus Glandorf Städte klimaresilient machen will
Mit 300 Angestellten an Standorten in Hamburg, Dortmund und Glandorf ist das Garten- und Landschaftsbauunternehmen Boymann eines der größten in Norddeutschland. Die beiden Geschäftsführer Jens und Henrik Boymann wollen vor allem eines: mehr Grün in den Städten.
Der klassische Landschaftsbauer gestaltet Parks, legt Hausgärten an oder pflegt Spielplätze. Im Fokus stehen dabei normalerweise Bäume, Sträucher und Blumen – umgeben von Wegen, Terrassen, Mauern und Teichen. Das Garten- und Landschaftsbauunternehmen Boymann aus Glandorf hat sich zusätzlich auf einen Bereich spezialisiert, der für Begrünung eine neue Ebene schafft.
Das Familienunternehmen wurde von den Brüdern Heinz und Hubert Boymann gegründet und vor 30 Jahren von Jens und Henrik Boymann, ebenfalls Brüder, übernommen. Es zeichne sich nach eigener Aussage durch seine fachlich hohe Kompetenz im Bereich Grünbautechnik wie auch durch die breite thematische Aufstellung aus. „Es gibt nur wenige Unternehmen mit einer so hohen Intensität der Durchdringung von Aufgaben“, erklärt Henrik Boymann.
Die beiden Boymann-Brüder haben sich in ihrem Unternehmen eigene Schwerpunkte aufgebaut. Während Jens Boymann Experte in Sachen Wassertechnik ist und sich bestens mit der Begrünung von Innenräumen und Fassaden auskennt, ist Garten- und Landschaftsbautechniker Henrik Boymann vorrangig für den bautechnischen Part, den Garten- und Landschaftsbau bei öffentlichen und halböffentlichen Anlagen, zuständig.
Durch die breite thematische Aufstellung sei Boymann zu einem bundesweit führenden Unternehmen in Sachen Grünbautechnik geworden. Im Fokus stehe für die beiden Unternehmer dabei, Städte und Gemeinden klimaresilienter zu machen. Die Gesellschaft stehe gerade erst am Beginn des Klimawandels, im gesellschaftlichen Bewusstsein sei das aber oftmals noch nicht angekommen.
„Viele Neubauprojekte könnten deutlich grüner sein“, sagt Henrik Boymann. „Aber in den letzten drei Jahrzehnten ist der Grün-Anteil bei neuen Projekten gemessen an ihrer Größe sogar rückläufig.“ Und auch bei den Folgekosten, der Pflege und Wartung, werde zu viel gespart. Es werde zwar viel über das „Thema Grün“ gesprochen, aber wenig umgesetzt.
Oder sogar zurückgebaut. Selbst im Osnabrücker Südkreis, eigentlich eine „grüne Insel“, gebe es beispielsweise Straßenabschnitte, an denen kein einziger Baum mehr steht.
Manche Städte würden hingegen vormachen, wie es gehen könnte. So habe selbst Berlin jüngst, wenn auch aus der Notwendigkeit heraus, beschlossen, eine Million Bäume bis 2040 zu pflanzen – für drei Milliarden Euro. In Hamburg hat die Bevölkerung über den „Zukunftsentscheid“ abgestimmt und dadurch die CO₂-Neutralität der Stadt bis 2040 beschlossen. Und sei schon länger Vorbild, wenn es um Neubauten und deren vorgeschriebenen Grün-Anteil geht – auf Grundlage des Vertrags für Hamburgs Stadtgrün.
Es gebe natürlich Unterschiede zwischen diesen Großstädten und ländlichen Regionen wie dem Osnabrücker Südkreis, der in Sachen Klimaresilienz von Grund auf deutlich besser aufgestellt ist. In kleineren Orten werde vorhandener Platz aber oft nicht ausgenutzt. In den Städten wiederum sei durch die massive Verdichtung Begrünung oft nur noch auf Dächern oder in der Vertikalen möglich. Was daher immer wichtiger werde.
Für Jens und Henrik Boymann liegen die Vorteile der vertikalen Begrünung auf der Hand: Das Stadtklima wird spürbar heruntergekühlt, Regenwasser gespeichert, die Luftqualität deutlich verbessert, Schall gemindert, Flora und Fauna diversifiziert und vor allem Platz effektiv genutzt.
Diese Chance sieht Boymann auch, wenn es um das Osnabrücker Lokviertel geht. „Einen komplett neuen Stadtteil zu entwerfen, ist für Osnabrück etwas ganz Neues“, so Jens Boymann. „Werden die bisherigen Pläne umgesetzt, könnte das Lokviertel zu einem Aushängeschild der Stadt werden.“ Und mit einer optimalen Begrünung könnte es an heißen Tagen bis zu zehn Grad kühler sein als andernorts in Osnabrück.
Vertikale Begrünung, ob im Innen- oder Außenbereich, sei zudem auch für private Kunden interessant. Von der verwendeten Technik und der Fläche hänge es letztendlich ab, wie hoch die Kosten ausfallen. Außerdem gebe es zahlreiche Fördermöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen. So werde beispielsweise bis zu 60 Prozent der Kosten von der KfW als Bundesförderung übernommen. Und auch der Europäische Fonds für Regionalentwicklung biete Unterstützung an. Hinzu kämen Fördertöpfe auf kommunaler und Landesebene.
Methodisch gebe es zwei Möglichkeiten: Bei der herkömmlichen, bodengebundenen Variante wird die Pflanze in den Boden eingepflanzt und mit Kletterhilfen wie Seil- oder Ranksystemen gearbeitet. Diese Methode sei günstiger im Vergleich zu wandgebundenen Systemen.
Bei wandgebundenen Systemen wird nochmals zwischen einer modularen und einer flächigen Vorgehensweise unterschieden. Bei der modularen werden Trägersysteme mit vorkultivierten Pflanzen aufgehängt, die für eine direkte Begrünung sorgen. Die flächige Methode ist flexibler und leichter, da Trägersysteme mit einem gewissen Abstand an der Fassade montiert werden. Darauf wird eine Trägerplatte befestigt, auf der drei Fließarten mit einem Substratdepot sowie die Pflanzen gesetzt sind. Diese benötigen etwa drei Monate bis zur vollständigen Begrünung. Bei allen Methoden sei nachhaltige Pflege und Unterhaltung wichtig.
Hinsichtlich der Reihenfolge sollte aber bei städtebaulichen Planungen die Weiterentwicklung des Baumbestands und von Grünflächen im Mittelpunkt stehen, betont Henrik Boymann. Diese seien entscheidender für das Stadtklima. In einem zweiten Schritt sollte über vertikale Begrünung nachgedacht werden.