Osnabrück  Zoo Osnabrück verliert Hunderttausende Besucher – aber nur auf dem Papier

Sebastian Stricker
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Von Sebastian Stricker
| 18.12.2025 14:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Per Sensor wird seit 2025 die Zahl der Besucher im Osnabrücker Zoo genau erfasst. Foto: Sebastian Stricker
Per Sensor wird seit 2025 die Zahl der Besucher im Osnabrücker Zoo genau erfasst. Foto: Sebastian Stricker
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Früher wurde hochgerechnet, heute wird gezählt: Im Zoo Osnabrück zeigt ein neues System, wie viele Menschen wirklich durch das Drehkreuz gehen.

Der Zoo Osnabrück wird im Jahr 2025 erstmals seit langer Zeit wieder deutlich unter der Marke von einer Million Besuchern bleiben. Grund ist eine neue Zählweise, die seit Jahresbeginn gilt. Statt wie bisher pauschal Besuche zu berechnen, werden nun nur noch tatsächliche Eintritte erfasst.

Bis 2023 funktionierte die Besucherzählung im Zoo Osnabrück so: Für jede verkaufte Jahreskarte wurde eine zehnfache Nutzung angenommen. Eine Familienjahreskarte für zwei Erwachsene und zwei Kinder zum Beispiel floss so mit 40 Besuchen in die Statistik ein.

Diese Praxis war zwar vom Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) anerkannt, aber sie verzerrte die Realität. Niemand wusste, wie viele Menschen wirklich am Schölerberg durch die Tore gingen.

Deshalb stellte der neue Zoo-Geschäftsführer Philipp Bruelheide die Zählweise im Sommer 2024 um. Seit 2025 erfassen zwei Sensoren am Eingang automatisch jeden einzelnen Besucher. „Heute ist echtes Zählen der Standard“, erklärt Bruelheide. Fast alle VdZ-Zoos würden inzwischen so verfahren.

Das Ergebnis in Osnabrück: Bis Mitte August 2025 registrierte der Zoo um die 390.000 Besucher, bis Ende November waren es etwas mehr als 550.000. Zum Jahresende hofft der Geschäftsführer noch auf „eine sechs vorne“, also mindestens 600.000 Zoobesucher.

Dass die bisherigen Millionenzahlen unrealistisch waren, zeigt nach Ansicht des Zoochefs ein einfacher Vergleich: Die Zahl der verkauften Jahres- und Tageskarten von Januar bis Oktober blieb zuletzt nahezu konstant. 2023 waren es 210.000, 2024 dann 211.000 und 2025 204.000.

Bruelheide: „Ich bin davon überzeugt, dass die Besucherzahlen früher in Wahrheit nie anders waren, als wir es jetzt feststellen. Und würden wir 2025 nach altem Muster rechnen, hätten wir zum Jahresende auch wieder über eine Million Besucher.“

Durch die automatische Zählung erhält der Zoo nun präzise Echtzeitdaten. Das erleichtert laut Bruelheide nicht nur die Auswertung von Marketingkampagnen, sondern auch die Planung des gastronomischen Angebots. „Wir können jetzt live sehen, wie viele Menschen im Zoo sind“, so der Geschäftsführer. Das ermögliche eine wirtschaftlichere Organisation.

Auch für die Anteilseigner sei die neue Methode ein Gewinn. Die Stadt Osnabrück hält derzeit 35 Prozent am Zoo, ab 2026 werden es 45 Prozent sein. Der restliche Anteil liegt beim Zooverein. „Eine realistische Besucherzahl zu kommunizieren, ist nur fair“, so Bruelheide. „Außerdem macht es uns besser vergleichbar.“

Die neue Zählweise bestätige auch einen Zusammenhang, den der Zoochef „lange nicht wahrhaben wollte“: Schlechtes Wetter schlägt massiv auf die Besucherzahlen durch.

Bis April 2025 habe der Zoo Osnabrück gut ein Fünftel mehr Tickets verkauft als im Vorjahr. Dann folgte eine großteils verregnete Hauptsaison: So rutschten Vergleichswerte ins Negative – in den Sommerferien leicht (minus 1,4 Prozent), in den Herbstferien stark (minus 45 Prozent). Bruelheide sagt: „Selbst gezieltes Marketing wirkt bei einer nahenden Regenfront nicht.“

Insgesamt bewegen sich die Umsätze beim Ticketverkauf etwa auf Vorjahresniveau. Bei den Tageskarten liegt der Zoo leicht darunter, bei den Jahreskarten leicht darüber. „In Anbetracht der Umstände“, bilanziert der Geschäftsführer, „können wir damit ganz zufrieden sein.“

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