Osnabrück Der Schnitzer aus Südtirol: Seit 25 Jahren auf dem Osnabrücker Weihnachtsmarkt
Seit 25 Jahren verkauft Kurt Chizzali christliche und profane Figuren auf dem historischen Weihnachtsmarkt. Dafür fährt er jedes Jahr von seiner Holzwerkstatt in Südtirol nach Osnabrück – knapp 900 Kilometer. Warum nimmt er diese Distanz auf sich?
Man merkt es an seiner Aussprache, daran, wie er das „R“ rollt. Und an seiner Kleidung, die im Vergleich zu den anderen Schaustellern dünner ausfällt. Selbst bei einstelligen Temperaturen trägt er nur einen Hoodie. Anders als die anderen Beschicker des Osnabrücker Weihnachtsmarkts kommt Kurt Chizzali nicht aus der Region.
900 Kilometer trennen ihn von seiner Heimat in Südtirol. Das italienische Bergdorf Lajen liegt, eingerahmt von den Dolomiten, auf einer Hochterrasse zwischen Almen, Weingärten und historischen Landhäusern. Früher, erzählt Chizzali, war die Region für ihre Holzarbeiten bekannt. Die Männer schnitzten christliche und profane Figuren, Krippen und Kreuze. Die Frauen bemalten sie.
Mit 14 Jahren hat Kurt Chizzali seine Ausbildung zum Holzschnitzer in der ALRA Holzschnitzerei in Lajen begonnen. Das ist mittlerweile fast 40 Jahre her. Heute ist er einer der Letzten, der das Handwerk noch ausübt. „Meinen Job will heute kaum noch jemand lernen“, meint Chizzali. Mit der Hand und der Maschine fräst, hobelt und schnitzt er täglich aus dicken Holzstämmen seine Figuren. Manche so groß wie ein Unterarm, andere so klein wie ein Fingernagel.
„Jede Figur, jede Krippe und jedes Kreuz hier ist ein Unikat“, sagt Chizzali mit ausladender Geste. Er steht in seinem Verkaufsstand direkt gegenüber vom historischen Pferdekarussell, umringt von Engeln, Sternen, Marienfiguren und Madonnen. Zum Osnabrücker Weihnachtsmarkt kommt der Schnitzer aus Südtirol mittlerweile seit 25 Jahren. Damals habe es noch keinen Holzschnitzer auf dem Markt gegeben, eine Nische, die er schließen wollte, erklärt Chizzali.
Wirklich groß war die Marktlücke dann aber nicht, anfangs schien sie selbst für nur einen Holzschnitzer zu klein. „Die ersten drei Jahre liefen nicht besonders gut. Verkauft haben wir in dieser Zeit nur wenig“, erinnert sich der Südtiroler. Erst danach sei das Geschäft wirklich angelaufen. „Mittlerweile habe ich viele Stammkunden. Manche kommen bereits in der zweiten Generation“, sagt Chizzali.
An diesem Freitag, kurz vor 15 Uhr, ist noch nicht viel los auf dem Weihnachtsmarkt. Man hört einige Wortfetzen Niederländisch von einer Gruppe Frauen im mittleren Alter, sieht Rentnerinnen in Daunenjacken und Fäustlingen an den Glühweinbuden stehen und Schulkinder mit riesigen Tornistern über den Marktplatz schlendern.
Am Stand von Kurt Chizzali wechseln schon jetzt einige Figuren den Besitzer. Wirklich voll an seinem Stand werde es aber erst am Wochenende, besonders in den Nachmittagsstunden. Eine Kundin mit grauen Locken und Hornbrille kam deshalb schon heute – mehr Ruhe, mehr Zeit zum Aussuchen. Sie entscheidet sich für einen kleinen Engel.
„Jedes Jahr komme ich zu ihm an den Stand und kaufe eine Figur“, sagt die Frau zu ihrer Begleitung. Dazu wird sie auch im nächsten Jahr Gelegenheit haben. Denn sein Quartier auf dem Weihnachtsmarkt will der Schnitzer aus Südtirol noch viele Jahre lang aufschlagen.