Osnabrück  Radverkehr in Eversburg: Ein blinder Fleck

Karina Melzel
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Von Karina Melzel
| 27.12.2025 08:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Radfahrende und Fußgänger teilen sich den begrenzten Raum entlang der Pagenstecherstraße – eine Strecke, die für viele der wichtigste Weg nach Eversburg ist, aber immer wieder Kritik an Sicherheit und Ausbau hervorruft. Foto: Karina Melzel
Radfahrende und Fußgänger teilen sich den begrenzten Raum entlang der Pagenstecherstraße – eine Strecke, die für viele der wichtigste Weg nach Eversburg ist, aber immer wieder Kritik an Sicherheit und Ausbau hervorruft. Foto: Karina Melzel
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Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad. Während Osnabrück den Radverkehr vielerorts ausbaut, stellt sich die Frage, wie es um die Situation im Stadtteil Eversburg steht. Dazu äußert sich der Vorsitzende des ADFC Osnabrück, Wolfgang Driehaus. Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Projekts „Medienlab“ der Neuen Osnabrücker Zeitung mit Schülerinnen der IGS Eversburg.

Immer wieder nennt Wolfgang Driehaus die Pagenstecherstraße als neuralgische Stelle, die zwar zum Stadtteil Hafen gehört, jedoch in vielerlei Hinsicht auch für Eversburg eine zentrale Rolle spielt. Die Straße dient vielen Radfahrer als Hauptstrecke nach Eversburg und verbindet den Stadtteil mit anderen Teilen Osnabrücks. Trotz ausgebauter Fahrradwege bleibt die Pagenstecherstraße nicht ohne Kritik. In der Vergangenheit kam es dort zu schweren, teils tödlichen Unfällen. „Sie ist besonders schlecht umgesetzt“, stellt Driehaus fest. Trotz dokumentierter schwerer Unfälle, bei denen Menschen ihr Leben verloren, sei laut Driehaus bislang nichts verändert worden. Für bauliche Verbesserungen wäre unter anderem die Entfernung alten Baumbestands notwendig.

Ist die Risikozone Pagenstecherstraße überwunden, folgt Eversburg. Wer den Stadtteil seit zehn bis fünfzehn Jahren nicht mehr besucht hat, stellt fest: An den Radwegen hat sich kaum etwas verändert. Auffällig ist jedoch die gestiegene Zahl an Radfahrenden. Diese habe sich laut Driehaus in diesem Zeitraum verdoppelt. Ein Grund dafür sei, dass Fahrradfahren wieder im Trend liege. Elektrische Fahrräder gälten als „cool“ und sollen vor allem Jugendliche zum Radfahren motivieren. Dennoch wurden bislang keine Veränderungen an den Radwegen vorgenommen. Auch für die kommenden Jahre seien keine Maßnahmen geplant, berichtet Driehaus, und ihm seien keine entsprechenden Projekte bekannt. Warum ist das so? Ist Eversburg tatsächlich nur ein „blinder Fleck“?

Nach Driehaus’ Einschätzung liegt Eversburg nicht im Fokus des Radverkehrs, da aus der Bevölkerung des Stadtteils kaum Wünsche oder Beschwerden zu den Radwegen geäußert würden. Kritik betreffe überwiegend die Pagenstecherstraße und die Natruper Straße. Zudem stünden mit dem Haseuferweg und der Route am Rubbenbruchsee gute Alternativstrecken zur Verfügung. Dort seien Radfahrer vom lauten Straßenverkehr abgeschirmt und das Unfallrisiko geringer.

Ein besonders eindrückliches Beispiel ist jedoch der tödliche Unfall im Januar 2020 auf der Pagenstecherstraße, bei dem eine jugendliche Radfahrerin von einem Lkw erfasst wurde. An der IGS herrschte nach dem Vorfall eine bedrückende Stimmung, da die Radfahrerin Schülerin dieser Schule war.

Dieses Beispiel verdeutlicht, dass der Radverkehr häufig durch den motorisierten Individualverkehr verlangsamt oder behindert wird. Laut Driehaus sei dieser stärker reglementiert als der Radverkehr, dennoch würden Autofahrer Radfahrer oft als Hindernis wahrnehmen. Der Eindruck, dass Radfahrer und Autofahrer miteinander auf Kriegsfuß stehen, wird hier zur Realität. Wer dabei im Recht sei, hängt letztlich von der jeweiligen Perspektive ab, so Driehaus.

Auf die Frage, was er persönlich an den Radwegen in Eversburg verändern würde, fasst er zusammen: „Ich würde sehen, dass eine gute Hauptroute abseits des Haseuferwegs einmal längs durch Eversburg geht. Und das heißt, es ist eine gute Hauptroute, die problemlos befahren werden kann. Auf Asphalt, damit sich die Fahrradfahrer sicher fühlen. Die Route sollte durchgängig und flott befahren werden.“

Ganz ausschließen lassen sich Unfälle auf den Radwegen in Eversburg nicht. Dennoch scheinen sie bislang nicht im Fokus größerer Verbesserungspläne zu stehen.

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