Osnabrück Schutzräume für den Kriegsfall gesucht – ist das schon Hysterie?
Lange glaubte Deutschland, Katastrophen träfen immer nur andere. Jetzt zwingt die Sicherheitslage zum Umdenken. Städte und Kommunen sollen Schutzräume für den Ernstfall identifizieren – Panikmache oder Fürsorge?
Wir Bürger sind verwöhnt, haben Ungemach weitgehend aus unseren Köpfen verbannt. Nicht mehr nur kölsche Frohnaturen haben das Lebensmotto „Et hätt noch immer jot jejange“ inzwischen verinnerlicht. Allein verlassen sollten sich die Bürger auf solch schicksalhaftes Vertrauen aber nicht.
Denn neben Naturkatastrophen wie dem Ahrtal-Hochwasser oder dem Münsterländer Winterchaos von 2005 droht ja auch noch von Menschen gemachtes Elend. Das bekommt die Ukraine im vierten Kriegswinter nach dem Überfall Russlands zu spüren.
In einer solchen Lage ist es richtig und überfällig, dass das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Städte und Gemeinden aufgefordert hat, im nächsten Jahr Schutzräume für den Ernstfall zu identifizieren, nutzbar zu machen und zu kennzeichnen. Dabei geht es um Tiefgaragen, Keller öffentlicher Gebäude, Kirchen oder U-Bahn-Schächte. Damit die Menschen im Fall der Fälle schnell vor Ort Zuflucht finden.
Jahrzehntelang wurden Bunker und Schutzräume zurückgebaut, waren dem Verfall preisgegeben oder sind einfach in Vergessenheit geraten – ganz so, als sei die Welt der Konfrontation endgültig überwunden. Der russische Angriffskrieg gegen den Nachbarn und Moskaus hybride Kriegsführung gegen die Europäer belehren uns eines Besseren; die Sicherheit war trügerisch. Die Identifikation von Schutzräumen ist also keine Panikmache, sondern Ausdruck verantwortlicher Vorsorge.
Dennoch wäre es ein gefährlicher Irrtum, verließen sich die Bürger allein auf staatliche Maßnahmen. Wer kann, sollte selbst vorsorgen: ein Vorrat an Lebensmitteln und Wasser, wichtige Medikamente, Batterien, Taschenlampe, ein einfaches Radio. Dabei geht es nicht darum, apokalyptische Szenarien heraufzubeschwören, sondern um die Fähigkeit, einige Tage ohne externe Hilfe auszukommen – im Verteidigungsfall genauso wie bei Naturkatastrophen oder großflächigen Stromausfällen.
Die Rückkehr eines verbesserten Zivilschutzes ins Bewusstsein markiert einen mentalen Wandel: weg von der Illusion, Deutschland sei von den Stürmen der Weltpolitik ausgenommen. Ein aufgeklärtes Land verdrängt Bedrohungen nicht, sondern nimmt sie ernst und bereitet sich vor. Mit Hysterie hat das nichts zu tun.