Osnabrück Osnabrück schafft die Krippenbeiträge ab: Was Familien jetzt wissen müssen
In Osnabrück müssen Familien schon bald keine Beiträge mehr für Krippe, Kindergarten, Kindertagespflege und Hort zahlen. Das hat der Stadtrat in seiner Dezembersitzung endgültig beschlossen. Wer davon profitiert – und ab wann: Fragen und Antworten.
Sie leben in Osnabrück, sind schwanger oder haben bereits ein Baby? Herzlichen Glückwunsch! Sie dürfen sich nicht nur über Ihren Nachwuchs freuen, sondern müssen auch keine 240 Euro mehr pro Monat zahlen, wenn Ihr Kind im nächsten Sommer oder später in die Krippe kommt.
Schon ab dem 1. August 2026 fallen in Osnabrück die Elternbeiträge für Krippe, Kindertagespflege und den Hort weg. Nach jahrelangen Debatten und emotionalem Streit hat im Stadtrat eine Mehrheit aus Grünen, SPD, Volt und Linken die Abschaffung der Beiträge beschlossen. Dagegen stimmten bei der Dezembersitzung CDU, FDP/UWG, Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU), Ratsvorsitzender Michael Hagedorn (Grüne) und der AfD-Vertreter.
Die Stadt Osnabrück geht damit einen Sonderweg. Überall sonst in Niedersachsen ist der Kita-Besuch bis zum dritten Geburtstag kostenpflichtig. Wie hoch die Beiträge sind, ist von Kommune zu Kommune unterschiedlich geregelt. Nur in Osnabrück hat jetzt die SPD ihre Forderung nach der „kostenlosen Bildung von Anfang an“ durchgesetzt – und zwar für alle.
Bislang mussten Eltern, die mehr als acht Stunden Betreuung pro Tag buchten, in Osnabrück Zusatzbeiträge zahlen. Auch diese sind ab dem 1. August 2026 Vergangenheit – auch für Kinder ab drei Jahren. Nur für das Mittagsessen fallen weiterhin 60 Euro pro Monat an.
Aktuell hält Osnabrück für 70 Prozent der Ein- und Zweijährigen Krippenplätze vor. Es war harte Arbeit, diese selbst gesteckte Zielquote zu erreichen. Viele Millionen Euro hat die Stadt in den Ausbau investiert. Jahrelang gab es einen Platzmangel, und Hunderte Kinder gingen bei der Anmeldung leer aus. Erst seit 2024 hat sich die Situation entspannt. Wer aktuell einen Kitaplatz braucht, kriegt auch einen.
Die entscheidende Frage ist nun, ob die 70-Prozent-Versorgungsquote ausreicht, wenn die Krippenbeiträge abgeschafft sind. Zurzeit kann niemand abschätzen, ob nun deutlich mehr Eltern ihre Kinder für Krippe oder Kindertagespflege anmelden, weil die Betreuung kostenlos ist. Die Stadtverwaltung geht jedoch davon aus, dass Osnabrück zusätzliche Plätze schaffen müssen wird und hat eindringlich gewarnt, dass hierzu „jegliche Kapazitäten und Mittel fehlen“ würden.
Da alle Osnabrücker Grundschulen mittlerweile Ganztagsschulen sind, müssen Familien Hortbeiträge aktuell nur noch für die späten Nachmittagsstunden (nach dem schulischen Ganztagsangebot) sowie am Freitagnachmittag und in den Ferien zahlen. Laut neuer Entgeltordnung müssen Eltern in Osnabrück ab dem Schuljahr 2026/27 nur noch für die Ferienbetreuung zahlen, und zwar 1,25 Euro pro Stunde.
Ab August 2026 rutscht in Niedersachsen auch der Freitagnachmittag in den schulischen Ganztag. Eine Buchung des Freitagshortes war in Osnabrück bislang die Eintrittskarte für einen Platz in der Ferienhortbetreuung. Wie genau die Ferienbetreuung und Vergabe der Hortplätze in Osnabrück künftig geregelt sein wird, ist noch offen. Die Stadt betont jedoch, dass die Ferienbetreuung sowohl im Hort als auch in Angeboten freier Träger weiterhin für alle, die eine benötigen, gesichert sei. Die Schulen würden dazu auch den Bedarf abfragen.
Seit dem 1. November 2025 läuft die Anmeldephase für das Kitajahr 2026/27, das im August 2026 beginnt. Wer sein Kind jetzt anmeldet, wird also ab dann schon von der Abschaffung der Beiträge profitieren. Familien mit Hauptwohnsitz in der Stadt Osnabrück können ihr Kind noch bis zum 31. Dezember online unter www.osnabrueck.de/kita-anmeldung anmelden und dabei vier Wunscheinrichtungen angeben.
Laut Stadtverwaltung startet die Bearbeitung der Anmeldungen im Januar 2026. Die Entscheidungen über die Platzvergabe treffen die Kitas eigenständig. Frühestens ab Februar 2026 bekommen Eltern die Zu- oder Absagen. Um Ostern herum dürfte die Stadt dann einen ersten Überblick darüber haben, wie sehr sich die Abschaffung der Elternbeiträge auf die Nachfrage im Krippenbereich auswirkt.