Osnabrück 7 Evakuierungen, 74 Stunden, 14 Bomben: Osnabrücks explosive Bilanz 2025
74 Stunden außer Haus: Das war 2025 die Konsequenz der sieben Evakuierungen für Tausende Osnabrücker. 14 Bomben sind unschädlich gemacht worden. Die Evakuierungen waren eine große Gemeinschaftsleistung und eine eindringliche Erinnerung an das zerstörerische Erbe des Zweiten Weltkriegs.
2025 war für Osnabrück das Jahr der Bombenräumungen. Siebenmal gab es einen Ausnahmezustand, der die Osnabrücker zwang, ihre Gegenwart sowohl der Vergangenheit als auch der Zukunft unterzuordnen.
Was pathetisch klingen mag, ist für die Bürger der Friedensstadt in 2025 geübte Praxis geworden: Erst wenn die explosiven Altlasten des Zweiten Weltkriegs (1939 - 1945) aus dem Boden gehoben und vernichtet sind, kann auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs das neue städtebauliche Wohnkonzept des Lokviertels entstehen. Das erforderte im Hier und Jetzt von Anwohnern, ehrenamtlichen Helfern und Einsatzkräften, die Strapazen mehrerer Evakuierungen auf sich zu nehmen. Und genau das haben alle in 2025 gemeinsam geschafft.
Zur Erinnerung und zum Nachlesen: Sechs der sieben Räumungen fanden auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs, dem zukünftigen Lokviertel statt, eine Maßnahme war im Stadtteil Voxtrup. Dreimal rückte der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) aufgrund einer Akutlage spontan an, vier Räumungen waren geplant.
Der Auftakt im Februar war gleich ein doppelter Schlag: Die erste Evakuierung am Valentinstag traf rund 14.000 Menschen spontan und ohne Aufschub, nachdem ein 250 Kilogramm schwerer Blindgänger gefunden worden war, dessen Entschärfung bis spät in die Nacht dauerte. Bereits am folgenden Sonntag stand die nächste, vorbereitete Evakuierung an, bei der 11.800 Osnabrücker ihr Zuhause verlassen mussten.
Bei allen sechs Evakuierungen um den ehemaligen Güterbahnhof mussten stets mindestens 10.000 Menschen ihr Zuhause verlassen – in Schinkel und Fledder, der Gartlage, der Innenstadt und in Teilen des Schölerbergs.
Der Evakuierungsradius beträgt aus Sicherheitsgründen einen Kilometer, und somit waren je nach Fundort auch das Marienhospital (MHO), das Christliche Kinderhospital, (CKO), das Hospiz und mehrere Alten- und Pflegeheime bei etlichen Räumungen betroffen. Für das Personal und die Einrichtungen waren es logistische und auch finanzielle Herausforderungen, für Patienten und Bewohner oftmals auch emotionale Belastungen durch Kriegstraumata.
Am 17. Juni mussten 20.000 Menschen – so viele wie kein anderes Mal – ad hoc ihre Wohnungen räumen. Vielmehr, sie konnten erst gar nicht nach Hause: Es war ein Dienstag, der Feierabend stand kurz bevor, als der Alarm auf den Handys ertönte.
Am längsten dauerte die Evakuierung mit 16 Stunden und 42 Minuten am 6. April, relativ flott verlief die Akutlage abends am 17. Juni, als nach gut viereinhalb Stunden die Menschen in ihre Häuser und Wohnungen zurück durften. Zusammengerechnet war das Evakuierungszentrum – sechsmal in der Gesamtschule Schule Schinkel, einmal im Gymnasium in der Wüste – 74 Stunden und 8 Minuten geöffnet, das sind mehr als drei Tage.
Und in dieser Zeit, in diesem Zeitfenster von drei Tagen, sind aus dem Erdreich 14 Bomben aus dem und eine Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich gemacht worden. Drei Bomben mussten mit einem lauten Knall kontrolliert gesprengt werden, ebenso die Granate.
Eine Bilanz, die Osnabrück sicherer macht, die zeigt, was eine städtische Gesellschaft gemeinsam wuppen kann – ungeachtet der Personen, die gerade auch bei der jüngsten Bombenräumung im November für unnötige Verzögerungen sorgten. Und es ist eine Bilanz, die in Zeiten weltweiter Krisen und angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine vor Augen führt, wie tief und langwierig Krieg und Zerstörung eine Gefahr für die Menschen bleibt.