Osnabrück  Wird das Wohnen in Osnabrück jetzt unerschwinglich? Eine Analyse

Sandra Dorn
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Von Sandra Dorn
| 30.12.2025 06:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Laut einer aktuellen Studie braucht Osnabrück bis 2040 8000 neue Wohnungen, um den Bedarf zu decken. Derweil steigen die Mieten. Foto: Jörn Martens
Laut einer aktuellen Studie braucht Osnabrück bis 2040 8000 neue Wohnungen, um den Bedarf zu decken. Derweil steigen die Mieten. Foto: Jörn Martens
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Das Thema Wohnen war 2025 eines der Top-Themen in Osnabrück – und wird es sicher auch 2026 sein. Die Mietpreise in Inseraten haben dieses Jahr die Schallmauer von 10 Euro pro Quadratmeter durchbrochen. Ein Rückblick und Ausblick.

Im Juni 2025 sorgte eine Zahl für Aufsehen: Die Zehn-Euro-Marke für Neuvermietungen in Wohnungsinseraten in Osnabrück wurde geknackt. So hoch liegt laut einer Antwort des Bundesbauministeriums auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hier nun der durchschnittliche Quadratmeterpreis – kalt.

Zwar sind dabei all die günstigeren Wohnungen nicht berücksichtigt, die im Bekanntenkreis oder über Wartelisten von Genossenschaften vergeben werden. Die gibt es, und sie tauchen gar nicht erst auf Immobilienportalen auf, betonte in diesem Jahr Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) in einem NOZ-Interview.

Doch auch der städtische Mietspiegel, der diese mit berücksichtigt, verzeichnete 2025 einen Anstieg der Durchschnittsmieten um 2,5 Prozent im Vergleich zu 2023.

Und wer eine Wohnung sucht, der sucht zuallererst im Netz. Die hohen Mietpreise, die dort aufgerufen werden, machen was mit den Menschen. Sie machen Angst. Rund 70 Prozent aller Wohnungen in Osnabrück sind Mietwohnungen. Der Preisanstieg betrifft also die breite Masse – von der Studentin über die Familie bis zum Rentner. Die Wohnungslosenzahlen haben sich bei 600 eingependelt.

Das Pötter-Interview und ihre Ansicht, die Stadt könne nicht dauerhaft Wohnungen subventionieren, löste im Sommer eine heftige Kontroverse aus: Wie viel Geld ist Osnabrück bereit, in die kommunale Wohnungsgesellschaft Wio zu stecken, um mehr bezahlbare Wohnungen zu bauen? Ist Wohnen Privatsache oder Daseinsfürsorge?

350 Wio-Wohnungen sollen bis Ende 2026 fertig sein, der Großteil von ihnen mit Quadratmeterpreisen zwischen 5,80 und 7,50 Euro (kalt) für Mieter mit Wohnberechtigungsschein. Weitere sind in Planung.

Doch all das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Laut aktuellem Wohnraumversorgungskonzept fehlen bis 2040 rund 8000 Wohnungen in Osnabrück. Parallel können sich immer weniger Menschen wegen gestiegener Bauzinsen Wohneigentum leisten.

In der Debatte sind daher noch weitere Fragen: Verteuern kommunale Bauvorschriften das Wohnen zusätzlich? Wie kriegt man Senioren dazu, ihre zu groß gewordenen Häuser jungen Familien zu überlassen und sich zu verkleinern, wenn doch kleinere Wohnungen meist viel zu teuer sind?

Eine Infoveranstaltung für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt für Alt und Jung auf dem Hof Hanesch wurde im November von Interessierten förmlich überrannt. Der Bedarf ist riesig.

Zwar entstehen mit der Entwicklung von Lokviertel und Magnum-Areal in den nächsten Jahren weitere Wohnungen – doch größtenteils zu Neubaupreisen, und die erreichen laut Baubranche 18 Euro Miete pro Quadratmeter. Osnabrück ist zwar nicht München oder Berlin. Doch die Mieten werden auch hier erstmal nur einen Weg zeigen: nach oben. Im Kommunalwahlkampf 2026 wird das eines der Top-Themen werden.

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