Osnabrück Landkreis Osnabrück plant 2026 mit 40 Millionen Euro Defizit – wie geht es weiter?
Rund 40 Millionen Euro Minus: Die finanzielle Lage des Landkreises Osnabrück ist angespannt, wie am Montag bei der Haushaltseinbringung im Kreistag deutlich wurde. Millionen fließen in Soziales, Schulen und die Kreishaussanierung. Was steckt hinter den Zahlen?
Mit der Haushaltseinbringung in der Sitzung des Kreistages in Bramsche-Kalkriese hat der Landkreis Osnabrück sein Zahlenwerk für das Jahr 2026 vorgestellt. Die finanzielle Lage ist angespannt: Ein Defizit von rund 40 Millionen Euro ist im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr geplant.
Trotz steigender Einnahmen reicht das Geld nicht aus, um die Ausgaben zu decken. Für 2026 plant der Landkreis mit Erträgen von rund 869,4 Millionen Euro, denen Ausgaben von rund 909,6 Millionen Euro gegenüberstehen. Das Minus prägt die anstehenden Haushaltsberatungen. Die politische Haushaltsdebatte folgt erst nach Abschluss der Beratungen in der März-Sitzung des Kreistages.
Die Erste Kreisrätin Bärbel Rosensträter ordnete ein: „Unmittelbar droht dem Landkreis Osnabrück noch kein Finanzkollaps. Allerdings haben sich die Herausforderungen weiter verschärft“, sagte Rosensträter. Vor allem die Pflichtausgaben setzten den Haushalt massiv unter Druck: „Die Belastungen im Sozial- und Jugendhilfebereich wachsen ungemindert weiter.“
Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt die Entwicklung deutlich: 2022 lagen die Erträge noch bei rund 729 Millionen Euro, 2023 stiegen sie auf etwa 804 Millionen Euro, 2024 auf knapp 824 Millionen Euro. Für 2025 sind knapp 816 Millionen Euro eingeplant, 2026 dann rund 869,4 Millionen Euro.
Gleichzeitig wachsen jedoch die Ausgaben stärker. Während der Landkreis 2025 noch mit Aufwendungen von rund 863 Millionen Euro plant, steigen diese 2026 auf 909,6 Millionen Euro. Die steigenden Einnahmen reichen nicht aus, um die wachsenden Lücken zu schließen – mit spürbaren Folgen für den Haushalt: „Die Schere wird in den kommenden Jahren noch weiter auseinandergehen“, warnte Rosensträter.
Die Erste Kreisrätin sprach von einer „hohen Ausgabendynamik“ und davon, dass die Anforderungen an den Landkreis ständig zunähmen. Ursache sei nicht zuletzt eine strukturelle Unterfinanzierung: „Wir stehen an diesem Punkt, weil die kommunale Ebene systematisch unterfinanziert ist.“
Den größten Teil des Haushalts binden weiterhin Pflichtaufgaben im Sozial- und Jugendbereich. Besonders stark fallen die Kosten für stationäre und ambulante Hilfen zur Erziehung mit knapp 81 Millionen Euro ins Gewicht. Für die Kinderbetreuung sind rund 74 Millionen Euro eingeplant, für die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen weitere 59 Millionen Euro.
Daneben investiert der Landkreis auch 2026 in zentrale Zukunftsbereiche. Vorgesehen sind rund elf Millionen Euro für die Schulmodernisierung, rund elf Millionen Euro für die Krankenhausfinanzierungsumlage sowie knapp acht Millionen Euro für den Straßen- und Radwegebau.
Mit zwölf Millionen Euro wird im kommenden Jahr zudem die Sanierung des Kreishauses finanziert. Im August 2025 hat am Schölerberg die Modernisierungsmaßnahme begonnen. Rund 118 Millionen Euro sind für das Mammutprojekt eingeplant, das sich bis 2032 über vier Bauabschnitte erstrecken soll.
Für Ende 2025 rechnet der Landkreis mit einem Schuldenstand von rund 75 Millionen Euro. Bereits 2026 dürfte dieser Wert deutlich steigen.
Für die kommenden Jahre sagt der Landkreis weiterhin hohe Fehlbeträge voraus: 2027 prognostiziert der Landkreis ein Minus von knapp 74 Millionen Euro, 2028 etwa 83 Millionen Euro und 2029 sogar mehr als 93 Millionen Euro. Gleichzeitig wären die Rücklagen bereits ab 2027 vollständig aufgebraucht.
Hintergrund ist der hohe Investitionsbedarf, der sich laut Kreisverwaltung trotz angespannter Finanzlage nicht vermeiden lasse. Damit wächst die finanzielle Abhängigkeit des Landkreises von Krediten weiter. Zusätzlich belastet das gestiegene Zinsniveau den Haushalt. Kredite werden teurer, was die laufenden Ausgaben erhöht und den finanziellen Spielraum weiter einengt. Rosensträter warnte vor einer gefährlichen Entwicklung: „Dem Landkreis Osnabrück droht eine Schuldenspirale – vergleichbar mit der dauerhaften Überziehung eines Girokontos im privaten Bereich.“
Dennoch hält der Landkreis einen harten Sparkurs bei Investitionen für falsch. Projekte sollen zwar strenger priorisiert, zeitlich angepasst oder gestreckt werden, doch ein kompletter Investitionsstopp kommt demnach nicht infrage.
Die Begründung der Verwaltung ist klar: Ein Kaputtsparen der Infrastruktur wolle man vermeiden, da dies langfristig höhere Folgekosten verursache. Schulen, der Breitbandausbau und die Sireneninfrastruktur sollen deshalb weiter vorangebracht werden.
Trotz der schwierigen Haushaltslage plant der Landkreis für 2026 keine Erhöhung der Kreisumlage, mit der die kreisangehörigen Kommunen den Landkreis zu einem großen Teil mitfinanzieren. Auf eine Erhöhung kann laut Rosensträter verzichtet werden, weil durch die Nutzung der Rücklage in 2026 noch ein Haushaltsausgleich erreicht werden könne.
Mit Blick auf 2027 rückt allerdings auch ein mögliches Haushaltssicherungskonzept in den Fokus. Sollte ein solches Konzept notwendig werden, müsste es mit der Haushaltssatzung beschlossen und anschließend der Kommunalaufsichtsbehörde zur Prüfung vorgelegt werden. Die finanziellen Gestaltungsspielräume wären damit erheblich eingeschränkt. Nach Angaben der Kreisverwaltung wird das Jahr 2026 bereits genutzt, um ein voraussichtlich ab 2027 erforderliches Haushaltssicherungskonzept vorzubereiten und erste Maßnahmen freiwillig umzusetzen. Klar ist schon jetzt: Der Kreishaushalt 2026 markiert einen Wendepunkt. Die Entscheidungen, die in den kommenden Monaten getroffen werden, werden den finanziellen Handlungsspielraum für Jahre prägen. Die Erste Kreisrätin Rosensträter brachte es auf den Punkt: „Die Lage ist ernst. Wir müssen sparen, um handlungsfähig zu bleiben. Verwaltung und Politik stehen hier gemeinsam in der Verantwortung.“