Osnabrück „Getötet, bloß weil sie Juden sind“: Entsetzen in Osnabrück nach Anschlag auf Chanukka-Feier
Die Jüdische Gemeinde in Osnabrück feiert Chanukka. Der Anschlag in Sydney überschattet das Fest. Was Michael Grünberg über Sicherheit und Angst sagt.
Nach dem Anschlag auf eine Chanukka-Feier im australischen Sydney mit 16 Toten und mindestens 40 Verletzten zeigt sich die Jüdische Gemeinde in Osnabrück tief betroffen. Der Vorsitzende Michael Grünberg sprach am Montag, 15. Dezember, gegenüber unserer Redaktion von einem „unsäglichen und schrecklichen“ Angriff.
Das Attentat dürfe jedoch nicht dazu führen, dass in der Jüdischen Gemeinde Osnabrück Angst den Alltag bestimme. „Wir fühlen uns in Osnabrück gut geschützt“, betonte Grünberg. Zur Gemeinde gehören nach Angaben des Vorsitzenden einige Hundert Familien.
Die Polizei teilte am Montag auf Anfrage mit, dass es hier „keine erhöhten Sicherheitsmaßnahmen“ im Zusammenhang mit dem Anschlag am Bondi Beach gebe. Die Gefährdungslage in Osnabrück sei weiterhin abstrakt.
Beim öffentlichen Festakt am Dienstag, 16. Dezember, um 17 Uhr am Gedenkort für die Opfer der Schoa an der Stadtbibliothek wird die Polizei dennoch vor Ort sein. Dort wird im Rahmen des achttägigen Lichterfests die dritte Kerze am Chanukka-Leuchter entzündet.
Im Gemeindezentrum in der Weststadt wurde am Sonntagabend die erste Kerze angezündet. Laut Grünberg gehört Chanukka „vor allem den Kindern“. Es gebe Geschenke, frittierte Speisen und Familienzeit. Die Leuchter würden sichtbar ins Fenster gestellt. Auch ein Chanukka-Ball für Erwachsene ist geplant.
Der Anschlag überschatte jedoch das Fest. „Menschen, die nichts weiter wollen, als miteinander zu feiern, werden angegriffen, bloß weil sie Juden sind“, sagte Grünberg.
Auch der Präsident des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst, verurteilte den Anschlag in Sydney scharf. In einer Stellungnahme vom 14. Dezember betonte er: „Dieser grausame Angriff auf jüdisches Leben erschüttert uns zutiefst.“ Die Opfer hätten friedlich Chanukka gefeiert, ohne politische Botschaft.
Fürst sieht einen Zusammenhang zwischen dem Anschlag und zunehmender antisemitischer Hetze weltweit. Seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023, das die palästinensische Terrororganisation Hamas in Israel verübte, sei ein deutlicher Anstieg zu beobachten.
„Worte bleiben nicht folgenlos. Auf Hassreden folgen Taten“, so Fürst. Er forderte entschlossenes Handeln gegen Antisemitismus in Deutschland und weltweit.