Osnabrück  Der VfL Osnabrück und die kuriose Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtstabelle

Malte Artmeier
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Von Malte Artmeier
| 15.12.2025 15:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In der Fremde jubeln sie öfter: Der VfL Osnabrück steht in der Auswärtstabelle der 3. Liga auf dem ersten Platz. Foto: Michael Titgemeyer
In der Fremde jubeln sie öfter: Der VfL Osnabrück steht in der Auswärtstabelle der 3. Liga auf dem ersten Platz. Foto: Michael Titgemeyer
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Der VfL Osnabrück wollte in dieser Drittliga-Saison eine Heimmacht werden, ist aber in der Heimtabelle nur 13. In der Auswärtstabelle ist er dagegen Erster - dabei ist die Diskrepanz zwischen Punkten und Leistungen gar nicht so groß.

Mit konkreten Saisonzielen hatten sich die Verantwortlichen des VfL Osnabrück vor der Saison zurückgehalten. Über einen anvisierten Tabellenplatz oder gar den Aufstieg wollte Direktor Fußball Joe Enochs zum Beispiel im Sommer nicht sprechen. Stattdessen stellte er etwas anderes in den Vordergrund. „Wir Osnabrücker erwarten, dass wir in jedem Heimspiel die Chance haben zu gewinnen. Wir wollen heimstark sein“, sagte der US-Amerikaner etwa während des Trainingslagers in Tirol. Rund sechs Monate später steht der VfL in der Heimtabelle nur auf Rang 13 - ist dafür aber auswärts nach dem 5:3 in Ulm am Freitag Ligaspitze. Wie kam das zustande?

Zunächst mal: Die Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsstatistik ist mit Blick auf die Punkte gar nicht so riesig und doch kurios. An der Bremer Brücke holte der VfL in neun Spielen 15 Punkte. Auswärts waren es nach ebenfalls neun Partien 17. Auf fremdem Platz haben die Osnabrücker im Endeffekt ein Unentschieden weniger geholt und dafür einen Sieg mehr als daheim. Im Ligavergleich spülte dieser Dreier den VfL auf Rang eins in der Auswärtstabelle.

Ganz grundsätzlich ist die Heimbilanz der Osnabrücker auch gar nicht so schlecht, wie man mit Blick auf den 13. Platz vermuten könnte: Nur zwei Spiele verlor der VfL vor heimischem Publikum - beim 0:4 gegen Hoffenheim II und beim 0:1 gegen Wehen Wiesbaden. Hinzu kommen drei Unentschieden, die allesamt vermeidbar waren: Bei den drei Nullnummern gegen Aachen, Rostock und Duisburg war der VfL jeweils die bessere Mannschaft mit teils deutlich mehr Torchancen - ähnliches gilt für die Heimpleite gegen Wehen Wiesbaden vor anderthalb Wochen. Enochs‘ Erwartung, jedes Heimspiel gewinnen zu können, ist also mit Ausnahme der Hoffenheim-Klatsche sogar eigentlich erfüllt worden - nur in der Tabelle spiegelt sich das noch unzureichend wider, weil eben nicht alle Spiele gewonnen wurden, in denen ein Sieg verdient gewesen wäre.

Das liegt in erster Linie an der Torflaute an der Bremer Brücke: Sechs Gegentore in neun Heimspielen sind ein starker Wert, aber acht eigene Treffer sicher nicht zufriedenstellend. Keine andere Mannschaft der Liga hat im eigenen Stadion seltener über Tore gejubelt als der VfL, der in fünf Heimspielen torlos blieb. Und noch krasser: In nur einem anderen Stadion im deutschen Profifußball fielen in dieser Hinserie bislang noch weniger Tore. Hertha BSC (6:7) hat bislang ein aber ein Spiel weniger in seinem Olympiastadion absolviert.

Auswärts wiederum kassierten die Lila-Weißen zwar deutlich mehr Tore (13), sind dafür offensiv aber auch besser unterwegs: Insgesamt stehen 17 Tore auf dem Konto - neun davon entstanden in den Partien gegen Ulm und Mannheim. Dennoch: Nur drei Mannschaften waren bislang auswärts offensiv noch erfolgreicher.

Die letzte Partie des Jahres steigt für den VfL am Samstag (14 Uhr) zu Hause gegen den VfB Stuttgart II. Es ist die Chance, die Heimbilanz aufzubessern und mit einem Sieg Enochs‘ Saisonziel für die Halbserie erstmal abzuhaken. Gelingt das nicht, könnten sich die Osnabrücker auf die Rückserie vertrösten. Im ersten Halbjahr 2026 tritt der VfL nämlich nur neun Mal an der Bremer Brücke an und zehn Mal auswärts. Und in der Fremde läuft es ja sowieso etwas besser.

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