Sydney  Holocaust-Überlebender, 10-Jährige, Rabbi: Das ist über die Opfer vom Bondi Beach bekannt

Svana Kühn
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Von Svana Kühn
| 15.12.2025 14:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nach dem Anschlag auf ein jüdisches Fest in Sydney mit 16 Toten werden noch 27 Verletzte in Krankenhäusern versorgt. Foto: dpa/AAP/Mark Baker
Nach dem Anschlag auf ein jüdisches Fest in Sydney mit 16 Toten werden noch 27 Verletzte in Krankenhäusern versorgt. Foto: dpa/AAP/Mark Baker
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Bei einem Anschlag auf ein jüdisches Fest in Sydney sind mindestens 16 Menschen getötet worden – darunter auch ein Holocaust-Überlebender und ein 10-jähriges Mädchen. Was wir über die Opfer vom Bondi Beach wissen.

Nach dem Anschlag auf eine Chanukka-Feier am Bondi Beach in Sydney herrscht in Australien tiefe Trauer. Der Premierminister von New South Wales, Chris Minns, bestätigte am Montagmorgen, dass die Zahl der Todesopfer auf 16 gestiegen ist, darunter einer der mutmaßlichen Schützen.

Laut dem derzeitigen Ermittlungsstand handelt es sich bei den Tätern um ein Vater-Sohn-Duo mit möglichen Verbindungen zur Terrororganisation „Islamischer Staat“. Der Vater (50) wurde vor Ort von der Polizei getötet. Sein Sohn (24) befindet sich derzeit schwer verletzt in ärztlicher Behandlung.

Medienberichten zufolge wurden inzwischen die ersten Todesopfer identifiziert. Unter ihnen ein Holocaust-Überlebender, eine 10-Jährige und zwei Rabbis. Das ist über die Opfer vom Bondi Beach bekannt:

Die zehnjährige Matilda ist das jüngste bekannte Opfer der Tragödie. Die ehemalige Schülerin der Harmony Russian School in Sydney wurde nach dem Angriff in das Sydney Children’s Hospital eingeliefert, wo sie später ihren Verletzungen erlag. „Wir sind zutiefst betrübt, Ihnen mitteilen zu müssen, dass eine ehemalige Schülerin unserer Schule aufgrund von Schussverletzungen im Krankenhaus verstorben ist“, schrieb die Schule auf Facebook.

Ihre Lehrerin beschrieben sie als ein lebensfrohes und strahlendes Kind, das eine große Lücke in ihrer Familie und Schulgemeinschaft hinterlässt. Unterdessen sprach ihre Tante mit ABC News und sagte, dass Matildas Schwester, die bei ihr war, als sie erschossen wurde, Schwierigkeiten habe, mit dem Verlust fertig zu werden: „Sie waren wie Zwillinge – sie waren nie getrennt“, sagte sie.

Peter Meagher, in seinem Umfeld als „Marzo“ bekannt, war fast vier Jahrzehnte lang als Detective Sergeant bei der Polizei von New South Wales tätig. Zum Zeitpunkt des Angriffs arbeitete der angesehene Rugby-Manager und Schiedsrichter als freiberuflicher Fotograf bei der Feier. Sein Verein, der Randwick Rugby Club, würdigte ihn als eine legendäre Figur und „Herz und Seele“ des Clubs.

Tibor Weitzen starb laut Medienberichten bei dem Versuch, einen Freund der Familie vor den tödlichen Kugeln abzuschirmen. Sein Enkel, der als einer der ersten Rettungskräfte am Strand eintraf, fand den leblosen Körper seines Großvaters noch während des laufenden Schusswechsels. Weitzen migrierte laut Aussage seiner Enkelin 1988 aus Israel nach Australien.

Rabbi Eli Schlanger gehörte zu den Organisatoren des Events am Bondi Beach. Zudem war er der erste namentlich identifizierte Tote des Anschlags. Der 41-jährige gebürtige Londoner und fünffache Vater war stellvertretender Rabbi im kulturellen Zentrum Chabad von Bondi. Sein jüngstes Kind war erst wenige Wochen alt.

Alexander Kleytman, ein Überlebender des Holocaust, wurde laut Medienberichten getötet, als er sich schützend vor seine Frau stellte. Beide hatten als Kinder Verfolgung und Deportation erlebt und später in Australien ein neues Leben aufgebaut.

Dan Elkayam war ein französischer Staatsbürger und talentierter Fußballspieler, der in der kommenden Saison für den Arncliffe Aurora FC hätte auflaufen sollen. Sein Tod wurde vom französischen Außenministerium bestätigt. Laut seinem LinkedIn-Profil arbeitete Elkayam als IT-Analyst für NBCUniversal und war letztes Jahr nach Australien gezogen. In Frankreich und Australien löste sein Ableben große Bestürzung aus; er wurde als äußerst beliebte Persönlichkeit innerhalb der lokalen Sportgemeinschaft beschrieben.

Reuven Morrison war ein erfolgreicher Geschäftsmann, der in den 1970ern aus der ehemaligen Sowjetunion nach Australien emigriert war. Er war bekannt dafür, einen Großteil seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.

In einem Interview mit ABC im Jahr 2024 sagte Morrison, er habe als Jude in der Sowjetunion Verfolgung erlebt, aber nicht erwartet, dass dies auch in Australien passieren würde.

„Wir kamen hierher mit der Vorstellung, dass Australien das sicherste Land der Welt ist und die Juden in Zukunft nicht mehr mit solchem Antisemitismus konfrontiert sein würden, sodass wir unsere Kinder in einer sicheren Umgebung großziehen können“, sagte er.

Rabbi Yaakov Levitan bekleidete das Amt des Sekretärs beim Sydney Beth Din, einer zentralen jüdischen Institution. Sein Tod wurde durch ein hochrangiges Mitglied der Organisation bestätigt. Laut Berichten war er ein fester Bestandteil des religiösen und institutionellen Lebens der jüdischen Gemeinde in Sydney.

Ein namentlich noch nicht identifizierter israelischer Staatsbürger gehört ebenfalls zu den Todesopfern. Das israelische Außenministerium bestätigte den Tod des Mannes nach entsprechenden Medienberichten über den Anschlag.

27 Verletzte werden derzeit noch in Krankenhäusern versorgt. Sechs von ihnen seien in kritischem Zustand, sechs weitere in kritischem, aber stabilem Zustand, teilten die australischen Gesundheitsbehörden mit.

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