Sydney  Mindestens zwölf Tote bei Angriff am Bondi Beach während jüdischer Chanukka-Feier

Barbara Barkhausen
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Von Barbara Barkhausen
| 14.12.2025 15:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei dem Terrorangriff in Sydneys Bondi Beach waren diverse Einsatzkräfte vor Ort. Foto: IMAGO/AAP
Bei dem Terrorangriff in Sydneys Bondi Beach waren diverse Einsatzkräfte vor Ort. Foto: IMAGO/AAP
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Am Bondi Beach in Sydney sind bei einer Schießerei zwölf Menschen ums Leben gekommen, Dutzende weitere wurden verletzt. Augenzeugen berichten von Szenen wie aus einem Albtraum. Die Polizei hat die Attacke bereits als Terrorangriff eingestuft.

Mindestens zwölf Menschen, darunter einer der mutmaßlichen Täter, sind bei einem Angriff am Bondi Beach in Sydney ums Leben gekommen. Ein zweiter mutmaßlicher Schütze befindet sich in Polizeigewahrsam – er ist selbst schwer verletzt, sein Zustand ist kritisch. Dutzende weitere Menschen wurden verletzt, darunter zwei Polizeibeamte. Zudem entdeckten Einsatzkräfte am Tatort einen improvisierten Sprengsatz (IED). Die Polizei untersucht, ob ein dritter Attentäter geflohen sein könnte.

Bondi Beach, einer der beliebtesten Strände Sydneys, war an diesem Sonntag bei rund 30 Grad ein Bild der Idylle. Familien saßen im Sand, Kinder spielten am Wasser, Touristen schlenderten entlang der Promenade, als Schüsse die Strandidylle zerrissen.

Inzwischen kursiert ein Video, das zeigt, wie ein mutiger Mann einem der Attentäter das Gewehr aus der Hand reißt und ihn so vorerst außer Gefecht setzt. In Sozialen Netzwerken verbreiten sich zudem weitere Aufnahmen vom Tatort: Menschen fliehen panisch vom Strand, Verletzte liegen am Boden, Sanitäter knien neben ihnen und leisten Erste Hilfe. Szenen, die man in Australien – einem Land mit strengen Waffengesetzen und vergleichsweise wenig Schusswaffengewalt – nicht erwartet.

Der NSW-Rettungsdienst wurde am Sonntag um 18.45 Uhr alarmiert. Zunächst bestätigte der Dienst sechs Verletzte, später stiegen die Zahlen der Toten und Verletzten dramatisch an. 25 Rettungseinheiten waren im Einsatz, darunter Hubschrauber.

Besonders brisant ist der Kontext. Zum Zeitpunkt der Schüsse fand am Strand eine Veranstaltung der jüdischen Gemeinde statt, organisiert zur ersten Nacht von Chanukka. Hunderte Menschen waren zusammengekommen, viele Familien mit Kindern.

Alex Ryvchin, Co-Geschäftsführer des Executive Council of Australian Jewry (ECAJ), sagte im Radiosender 2GB, der Mediendirektor der Organisation sei verletzt worden. „Hunderte von Menschen waren versammelt. Es ist eine Familienveranstaltung“, sagte Ryvchin. „Sie hörten dutzende knallende Geräusche. Und die Leute fingen einfach an zu rennen, über Absperrungen zu rennen, ihre Kinder zu schnappen. Es war Chaos.“

Und weiter: „Ich glaube nicht, dass dies ein Angriff war, der zufällig am Bondi Beach stattfand. Ich denke, das war sehr bewusst und sehr gezielt.“ Wenige Stunden später stufte die Polizei den Angriff als Terroranschlag ein.

Augenzeugenberichte zeichnen ein Bild von Minuten, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten. Ein Zeuge sagte dem Sender ABC, die Schüsse hätten etwa zehn Minuten lang angedauert – „absolute Hölle auf Erden“. Er habe Menschen in Blutlachen liegen sehen. Ein anderer Mann berichtete, er habe zwei schwarz gekleidete Schützen auf einer Fußgängerbrücke gesehen, die auf die im Park versammelten Menschen gefeuert hätten.

Elizabeth Mealey, ehemalige Journalistin aus Randwick, saß im Restaurant Icebergs, als sie die Schüsse hörte. „Wir dachten, es sei Feuerwerk, aber das war es nicht. Es war etwas viel Schlimmeres“, sagte sie der ABC. „Die Leute fingen an, den Strand hochzurennen. Es war Panik.“ Premierminister Anthony Albanese sprach von „schockierenden und verstörenden“ Szenen. Auch der Premier von New South Wales, Chris Minns, zeigte sich „zutiefst verstört“.

Für viele Australier weckt die Tat schmerzhafte Erinnerungen. Erst im April 2024 erschütterte ein Amoklauf den Stadtteil Bondi. Am 13. April griff Joel Cauchi im Einkaufszentrum Westfield Bondi Junction wahllos Menschen mit einem Messer an. Sechs Menschen wurden getötet, mindestens zwölf weitere verletzt. Der Täter wurde von einer Polizeibeamtin gestellt und erschossen.

Die erneute Gewalttat trifft Australien in einer ohnehin angespannten sicherheitspolitischen Lage. Im August hatte Premierminister Albanese einen historischen Schritt verkündet: Australien wies den iranischen Botschafter aus und schloss seine Botschaft in Teheran. Nach Regierungsangaben soll der Iran mindestens zwei Angriffe auf jüdische Einrichtungen in Australien gesteuert haben. Teheran wies die Vorwürfe zurück. Ob die Schüsse von Bondi in direktem Zusammenhang damit stehen, ist derzeit nicht bekannt.

Bondi Beach steht für australische Leichtigkeit, Sommer und Freiheit. Dass ausgerechnet hier Menschen um ihr Leben rennen, erschüttert das Land. Während Ermittler Hintergründe und Motive prüfen, bleibt das Gefühl, dass Australien zunehmend Teil einer globalen Eskalation geworden ist.

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