Hamburg  Weihnachtsmarkt-Anschlag verhindert: Poller für die Provinz sind keine Panikmache

Tim Prahle
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Von Tim Prahle
| 14.12.2025 14:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Es ist ein Irrglaube, dass Anschlagspläne sich immer nur gegen Weihnachtsmärkte in Großstädten richten. Foto: dpa/Bodo Marks
Es ist ein Irrglaube, dass Anschlagspläne sich immer nur gegen Weihnachtsmärkte in Großstädten richten. Foto: dpa/Bodo Marks
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Anschlagspläne in Niederbayern, eine Räumung in Südniedersachsen. Weihnachtsmärkte sind längst nicht nur in Großstädten zum Ziel geworden. Terror kann überall geschehen. Und darauf vorbereitet zu sein, ist keine Panikmache.

Die Nachrichten fühlen sich im ersten Moment derart vertraut an, dass die Emotionen gar nicht richtig hochkochen wollen. In Niederbayern nehmen Ermittler fünf Männer fest, die einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt geplant haben sollen. Wohl mit dem Auto wollten die Islamisten auf einem der Märkte im Raum Dingolfing terrorisieren, so die Ermittler. Im niedersächsischen Duderstadt wurde ein Weihnachtsmarkt zum Wochenende geschlossen, weil Besucher einen Mann mit Schusswaffe gesehen haben wollen. 

Ob Niederbayern oder Niedersachsen, bei beiden Vorfällen muss noch viel geklärt werden. Beruhigend ist es, dass Ermittler und Besucher sensibilisiert genug sind, um keine Beobachtung, keinen Verdacht auf die leichte Schulter zu nehmen. Zu sehr haben sich Anschläge wie auf dem Berliner Breitscheidplatz 2016 und vergangenes Jahr in Magdeburg ins kollektive Gedächtnis gebrannt.

Trotz und verbesserte Sicherheitskonzepte sind die richtigen Reaktionen. Doch Letztere haben gerade im ländlichen Raum auch schon für Missstimmung gesorgt. Die Anforderungen sind derart hoch, dass erste Kommunen aus Kostengründen ihren Weihnachtsmarkt bereits absagen. Und nicht wenige Besucher eines Kleinstadt-Weihnachtsmarktes werden bei Pollern und Co. vielleicht schon mal mit den Augen gerollt haben. Braucht es den Aufwand wirklich? Hier?

Ja, leider. Die Bedrohungslage ist abstrakt, aber sie existiert. Wer denkt, dass nur die Märkte in Großstädten zum Ziel werden können, vergisst: Wer immer aus Wahnsinn, religiöser Verblendung, Rachegefühlen oder welcher Motivation auch immer die Weihnachtszeit terrorisieren will, hofft zugleich auf eine Ego-Politur. Terroristen wollen nicht nur vielen Menschen schaden. Sie wollen vor allem möglichst viel Angst verbreiten. Und das geht auf allen Weihnachtsmärkten gleichermaßen.

Umsicht und erfolgreiche Ermittlungen sind das eine. Was noch fehlt, ist eine echte finanzielle Unterstützung für kleine Kommunen, die trotz aller teuren und sinnvollen Sicherheitsauflagen Weihnachtsmärkte veranstalten wollen. Wenn Weihnachtsmärkte verschwinden, weil keiner mehr für die Sicherheit garantieren kann, ist es eine Niederlage für die gesamte Gesellschaft. 

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