Ulm  5:3 in Ulm: Kehls Doppelschlag bringt VfL Osnabrück in Ulm auf die Siegerstraße

Malte Artmeier, Susanne Fetter
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Von Malte Artmeier, Susanne Fetter
| 12.12.2025 21:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das vorentscheidende Tor: Lars Kehl umkurvt Christian Ortag und schiebt zum 4:2 für den VfL Osnabrück gegen den SSV Ulm ein. Foto: Michael Titgemeyer
Das vorentscheidende Tor: Lars Kehl umkurvt Christian Ortag und schiebt zum 4:2 für den VfL Osnabrück gegen den SSV Ulm ein. Foto: Michael Titgemeyer
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Nach zwei Niederlagen am Stück gab es am Freitagabend wieder einen Sieg: Der VfL Osnabrück hat sein Auswärtsspiel beim SSV Ulm mit 5:3 gewonnen und zeigte dabei vor allem offensiv eine starke Leistung. Der Spielbericht.

Nach zwei Niederlagen am Stück zeigte der VfL Osnabrück am Freitagabend beim SSV Ulm eine starke Reaktion - und gewann mit 5:3. Zum ersten Mal in dieser Saison schoss er fünf Tore. Lars Kehl lenkte die Partie mit einem Doppelschlag in der zweiten Hälfte im richtigen Moment auf die Seite des VfL.

VfL-Trainer Timo Schultz hielt in seiner Startaufstellung eine kleine Überraschung bereit: Auf der linken Seite startete Tony Lesueur anstelle der dort etablierten Frederik Christensen und Kevin Schumacher. Für den Franzosen war es die Premiere auf der Position und der erste Startelfeinsatz seit dem 11. Spieltag, dem 0:4 gegen Hoffenheim II. Ansonsten kehrte Kapitän Jannik Müller nach abgesessener Gelbsperre für Theo Janotta zurück in die Elf.

Bei den Gastgebern gab es ebenfalls zwei Neue im Vergleich zum langersehnten 1:0-Sieg in Köln am vorigen Wochenende: Paul-Philipp Besong stürmte für den verletzten Lucas Röser und Jonathan Meier verteidigte rechts anstelle von Max Scholze.

Nachdem eine Ulmer Pyroshow und ein VfL-Banner auf der analogen Anzeigetafel im Stadion den Anpfiff um einige Minuten verzögerten, startete das Spiel mit einem Osnabrücker Knall. Nach zwei Minuten traf Lesueur zu seinem Debüttor in der 3. Liga: Fridolin Wagner war nach einem Einwurf rechts im Strafraum von David Kopacz freigespielt worden und flankte perfekt auf den zweiten Pfosten, wo der Linksfuß einsprang und per Aufsetzer unters Tordach einnetzte. Es war der mit Abstand schnellste Osnabrücker Treffer in dieser Saison.

Wirklich geschockt zeigte sich der Zweitliga-Absteiger aber nicht: Nach einer zunächst geklärten Ecke kam Leon Dajaku zu einem Abschluss, traf aber nur das Außennetz (9.). Die nächste Großchance gehörte aber der in der Anfangsphase zielstrebigeren und spielstärkeren Mannschaft: dem VfL. Robin Meißner schickte Kopacz steil, der - bedrängt von Ex-VfLer Niklas Kölle - zu zentral auf SSV-Torwart Ortag zielte (15.).

Aus dieser vergebenen Möglichkeit entsprang das 2:0 für den VfL. Die lange Ecke von Lars Kehl landete bei Meißner, der querlegte auf Niklas Wiemann. Der Innenverteidiger köpfte aus Nahdistanz ein - ebenfalls sein erstes Saisontor (16.). Fünf Minuten später hatte Lesueur dann sogar das 3:0 auf dem Fuß: Nach einem starken Dribbling entschied er sich für den Fernschuss aus 18 Metern und scheiterte nur am stark reagierenden Ortag.

Gegen ganz gefällig mitspielende aber defensiv löchrige Ulmer zeigte der VfL endlich mal wieder das, was bislang in dieser Saison zu selten zu sehen war: Mut und Drang im Offensivspiel. So entwickelte sich eine durchaus muntere und temporeiche Partie mit guten Ansätzen auf beiden Seiten. Die VfL-Defensive hatte trotz der Führung gut zu tun, erledigte ihren Job zunächst aber insgesamt solide.

Nach einer rund zehnminütigen Phase, in der relativ wenig passierte, kam Ulm aus dem Nichts zum Anschlusstor. Ein starker Diagonalball von Dajaku erreichte Dennis Chessa im Zentrum, weil Wiemann sich verschätzte. Der SSV-Rechtsaußen brachte die Fußspitze an den Ball und spitzelte ihn an Lukas Jonsson vorbei zum 1:2 (34.). Nach einer minimalen Druckphase der Gastgeber befreiten sich die Osnabrücker wieder - und kamen durch Kehl zur nächsten Halbchance. Der Spielmacher segelte aber an einer guten Meißner-Flanke vorbei, sodass die letzte Chance der ersten Hälfte verpuffte (40.).

Die zweite Hälfte begann wieder mit einem Tor - nur diesmal für Ulm: Nach einem Dajaku-Freistoß nahm Max Brandt den Ball zwar mit der Hand mit, Schiedsrichter Ben Henry Uhrig ließ aber weiterlaufen. Der Ball wurde geklärt, landete wieder bei Dajaku, der ihn scharf vors Tor zog, wo Paul Besong ihn mit dem Kopf an Jonsson vorbei ins Netz zum Ausgleich lenkte (48.).

Der VfL schüttelte sich kurz und schlug schnell zurück - sogar doppelt. Erst verwertete Kehl einen perfekten Angriff über Meißner, Kopacz und Kammerbauer mit einem tollen Abschluss aus 16 Metern zum 3:2 (57.) und stellte eine Minute später sogar auf 4:2. Der 23-Jährige roch einen schwachen Rückpass von SSV-Verteidiger Marcel Seegert, ließ Ortag aussteigen und schob flach rechts unten ein. Innerhalb von zwei Minuten stellte der Spielmacher damit die Weichen auf Auswärtssieg.

Die zwischenzeitlich aufkommende Ulmer Energie ließ daraufhin merklich nach - Kehls Doppelschlag wurde zum klaren Wirkungstreffer für den SSV, bei dem in dieser Phase vieles an den VfL vor etwa einem Jahr erinnerte. Und für die Gastgeber wurde es sogar noch schlimmer: Wagner eroberte im Zentrum den Ball, legte raus auf Lesueur, der per Flanke Meißner bediente. Die VfL-Sturmspitze nahm den Ball mit der Brust runter und traf mit links ins rechte Eck zum 5:2 (74.).

Spätestens ab diesem Zeitpunkt war die Partie weitestgehend gelaufen. Die zuvor tapferen Ulmer gaben sich geschlagen, öffneten noch größere Räume, die der VfL bespielen konnte, dies allerdings ohne letzte Konsequenz tat. Stattdessen kam der SSV nach einer Rechtsflanke doch noch zum 3:5 durch einen Kopfball des eingewechselten Elias Löder (87.).

Am Ende stand ein 5:3-Auswärtssieg, den sich die Lila-Weißen vor allem mit einer herausragenden Offensivleistung verdienten: Er erzielte fünf Tore, drei davon stark herausgespielt, eins nach Ecke, einen Fehler eiskalt ausgenutzt - zeigte sich dazu effizient und zielstrebig. Die zwischenzeitliche Schwächephase rund um die Halbzeitpause überstand der VfL, weil endlich auch die individuelle Qualität eines Lars Kehl das Spiel zurück in die eigene Richtung lenkte. Insgesamt war die Partie in Ulm eine starke Reaktion auf die letzten beiden Niederlagen - und lässt alle VfLer frohen Mutes Richtung Jahresabschluss am kommenden Samstag (14 Uhr) gegen den VfB Stuttgart II blicken.

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